Göring-Eckardt: "Sind kein Anhängsel von anderen Parteien"

Katrin Göring-Eckardt will im Wahlkampf mit grünen Themen punkten und kritisiert die Union in Sachen Sicherheit.
| Jens Knüttel
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AZ: Frau Göring-Eckardt, wie wollen Sie die Grünen aus dem Umfragetief führen?
Katrin Göring-Eckardt: Es ist ja erst Anfang des Jahres, deswegen ist noch Luft nach oben. Wir werden im Wahlkampf die Existenzfrage Ökologie in den Mittelpunkt stellen, denn wir müssen uns jetzt um echten Klimaschutz kümmern. Ich möchte jedenfalls nicht irgendwann von meinen Enkeln gefragt werden, ob wir denn nicht mehr für den Erhalt der Erde hätten machen sollen. Dafür brauchen wir auch eine Umstellung der Industriepolitik hin zur Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen. Und wir müssen in der Landwirtschaft weg von der Massentierhaltung kommen, es dürfen nicht weiter massenhaft Antibiotika im Fleisch und Gifte auf den Feldern eingesetzt werden.

Aber von dem Ziel, bei der Wahl „deutlich zweistellig“ zu werden, sind die Grünen doch mittlerweile weit entfernt.
Im Moment bekommt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz viel Aufmerksamkeit, weil er vermitteln kann, „neu“ zu sein. Trotz der derzeitigen Umfragewerte haben wir als Grüne aber eine gute Perspektive für den Wahlkampf. Das Ziel ist, die Scheinehe von CDU, CSU und SPD abzulösen. Dafür ist die Stimme bei Grün am besten aufgehoben.

Wurmt Sie der Hype um Martin Schulz?
Nein. Ich bin froh, dass Bewegung in den Wahlkampf kommt. Mit Herrn Schulz ist klar: Es ist eben nicht schon automatisch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt. Aber klar ist doch auch, mit einer neuen Großen Koalition, nur diesmal mit Schulz statt Merkel, würde es genauso wenig vorangehen.

"Da mach ich mir wenig Sorgen"

Sie treten beim Politischen Aschermittwoch gegen Schulz und CSU-Chef Horst Seehofer an. Wie wollen die Grünen da nicht untergehen?
Da mach ich mir wenig Sorgen. Das ist doch inzwischen bei allen Parteien eine Tradition. Klar ist jeder von uns anders, aber unser Publikum ist eben auch ein bisschen gemischter als das bei der der CSU in Passau...

Die frühere Führungsfigur Jürgen Trittin von den Parteilinken fordert die Grünen zur Anpassung der Wahlkampfstrategie durch eine stärkere Polarisierung auf. Wie reagieren Sie darauf? Mit einer klaren Aussage für Rot-Rot-Grün?
Nein. Die Wahlkampfstrategie steht: Wir setzen auf unsere Themen. Wir Grünen stehen für eine ökologische, soziale, gerechte und weltoffene Gesellschaft. Wir sind kein Anhängsel von anderen Parteien oder nur Mehrheitsbeschaffer für eine bestimmte Koalition. Wir wahlkämpfen.

Beim Mega-Thema Innere Sicherheit schreiben viele Bürger den Grünen immer noch vergleichsweise wenig Kompetenz zu. Warum gewinnt Ihre Partei da nicht an Profil?
Vorurteile halten sich lang, genauso wie die Vorstellung, die Union habe im Bereich der Inneren Sicherheit eine Kompetenz. In Wirklichkeit kommen wir im Bundestag mit Untersuchungsausschüssen zu Pannen bei den Sicherheitsbehörden gar nicht mehr nach.  Bei Grünen denken viele noch an die Anti-AKW-Bewegung und die rabiate Polizei aus den frühen 1980ern. Wir sehen uns schon seit langem auf der Seite einer bürgerfreundlichen Polizei, wollen sie stärken. Wir müssen dringend dafür sorgen, dass die Kommunikation zwischen den Polizeien der Länder innerhalb Europas besser funktioniert. Ein Terrorist wie Attentäter Anis Amri lief mit 14 verschiedenen Identitäten herum. Die gestörte Kommunikation zwischen Bundes- und Landesbehörden hat viel damit zu tun, dass CDU/CSU seit zwölf Jahren den Innenminister stellt. Ich bin optimistisch, dass sich noch rumspricht, dass die Konservativen dafür verantwortlich sind, was wir derzeit erleben.

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