Die Mütter-Koalition und ein Spielzimmer im Bundestag

21 Bundestagsabgeordnete haben in dieser Legislaturperiode ein Kind bekommen, so viele wie noch nie. Bisher zeichnet sich das Parlament nicht gerade durch Kinderfreundlichkeit aus. Eine Initiative von Politikerinnen will das ändern - und kann erste Erfolge verbuchen.
| Teresa Dapp/dpa
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Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder mit Babybauch
Michael Kappeler/dpa Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder mit Babybauch

21 Bundestagsabgeordnete haben in dieser Legislaturperiode ein Kind bekommen, so viele wie noch nie. Bisher zeichnet sich das Parlament nicht gerade durch Kinderfreundlichkeit aus. Eine Initiative von Politikerinnen will das ändern - und kann erste Erfolge verbuchen.

Wenn es um kleine Kinder, lange Abendsitzungen und Babysitter geht, sind Parteien nicht so wichtig. Mütter im Bundestag haben ähnliche Probleme, ob sie nun zu CDU oder SPD, Linken oder Grünen gehören. Und sie arbeiten gemeinsam an der Lösung: Die Initiative "Eltern in der Politik" stellt an diesem Mittwoch ein neues Spielzimmer im Reichstagsgebäude vor. Dort können Abgeordneten-Kinder während der besonders langen Debatten an Donnerstagen und während Sondersitzungen spielen und schlafen.

Die Mütter-Koalition will damit mehr, als nur für Betreuung ihrer Kinder zu sorgen. "Es geht uns um praktische Verbesserungen, aber auch um einen kulturellen Wandel. Sonst haben wir nur familienferne Menschen in der Politik", sagt Kristina Schröder von der CDU, die ehemalige Familienministerin, die 2011 als erste Bundesministerin ein Kind bekommen hatte und ihren Rückzug vor der Bundestagswahl 2013 damit begründete, dass sie mehr Zeit für die Familie wolle.

Vorbild in Sachen Familienfreundlichkeit

Franziska Brantner von den Grünen findet, der Bundestag müsse in Sachen Familienfreundlichkeit ein Vorbild sein. Ihre eigene Tochter werde an diesem Donnerstag sieben Jahre alt und sei damit inzwischen alt genug, im Notfall bei Freunden zu übernachten.

In dem neuen Spielzimmer im Bundestag können Abgeordnete von Donnerstag an je nach Bedarf Notfall-Betreuung buchen - auf eigene Kosten, die umso höher ausfallen je weniger Kinder zusammenkommen. Weil an Donnerstagen die Plenarsitzungen schon einmal bis in die Nacht gehen können, gibt es auch Schlafgelegenheiten.

Den Anstoß für "Eltern in der Politik" gab eine Liste der Organisation "abgeordnetenwatch.de". Da landete Schröder in einer Rangliste von Politikern, die 2015 namentliche Abstimmungen verpasst hatten, recht weit oben. "Das hat mich tierisch aufgeregt, denn ich war 14 Wochen im Mutterschutz", sagt sie.

"Eltern in der Politik"

Ihrem Ärger machte Schröder auf Twitter Luft und bekam Unterstützung von Brantner. Gemeinsam mit Linken-Chefin Katja Kipping, Grünen-Politikerin Lisa Paus, Susann Rüthrich und Dagmar Schmidt von der SPD organisierten sie sich. Inzwischen weist der Bundestag aus, wenn jemand eine Abstimmung im Mutterschutz verpasst.

Und warum gibt es so einen Raum nicht längst? "Mütter im Bundestag sind tatsächlich ein relativ neues Phänomen", sagt Ex-Ministerin Schröder. Der Bundestag werde jünger und weiblicher, und heute seien Frauen weniger bereit, für eine Karriere auf Kinder zu verzichten.

Zahlen belegen das: 1960 bekam als erste Abgeordnete Elfriede Klemmert von der CDU ein Kind, ein Jahr später kam ihr zweites Baby zur Welt. Danach passierte nichts, bis Herta Däubler-Gmelin 1972 und 1974 Kinder bekam. Dann waren es immer ein oder zwei Kinder pro Legislaturperiode. Erst seit drei Legislaturperioden steigt die Zahl steil an. In dieser Wahlperiode, die mit der Bundestagswahl im Herbst endet, haben bisher 21 Parlamentarierinnen ein Kind bekommen - das ist Rekord.

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