Die Mehrheit kippt

Der Vorsprung von Schwarz-Gelb ist praktisch weg – in einer Umfrage liegt das Bündnis sogar hinten. Jetzt kommt alles auf den Schlussspurt an. Und bei der Union wächst das große Zittern
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BERLIN - Der Vorsprung von Schwarz-Gelb ist praktisch weg – in einer Umfrage liegt das Bündnis sogar hinten. Jetzt kommt alles auf den Schlussspurt an. Und bei der Union wächst das große Zittern

Es wird doch noch richtig spannend: In den letzten Umfragen vor der Wahl schmilzt der Vorsprung von Schwarz-Gelb drastisch dahin, laut einer Erhebung hat dieses Bündnis die Mehrheit bereits verloren – diese Wahl wird auf den allerletzten Metern entschieden.

Die Trendwende war offenbar das Duell. Am massivsten ist der Einbruch bei der „Handelsblatt“-Umfrage von Info GmbH: Danach rutscht die Union auf 34 Prozent. Zusammen mit den zwölf Prozent der FDP erreicht Schwarz-Gelb nur noch 46 Prozent – das linke Lager kommt dagegen auf zusammen 49 Prozent, vor allem dank der SPD-Gewinne auf 27 Prozent. Info-Geschäftsführer Holger Liljeberg: „Der Wahlkampf dreht in Richtung große Koalition. Offenbar bricht die schwarz-gelbe Welle zu früh.“

Schwarz-Rot schießt als Wunschkoalition hoch

Dramatisch, so Wahlforscher Liljeberg, ist die Wende bei der Frage nach der bevorzugten Koalition: Schwarz-Rot schießt von 25 auf 43 Prozent, Schwarz-Gelb fällt von 47 auf 32 Prozent. Und: Offenbar könnten die linken Parteien ihre Anhänger nun besser mobilisieren – die Bereitschaft von SPD- und Grünen-Anhängern, zur Wahl zu gehen, sei um sieben bis neun Prozent gewachsen; bei der Union stagnieren die Werte.

Bei der Forsa-Umfrage liegt Schwarz-Gelb noch hauchdünn vorn – um einen einzigen Prozentpunkt: Hier steht es 48 zu 47 für eine Koalition aus Union und FDP. Die Union fällt hier auf 35 Prozent, das sind nochmal zwei Punkte weniger als direkt nach dem Duell. Auch Merkel selbst verliert bei Forsa an Sympathie: Noch 49 Prozent würden sie zur Kanzlerin wählen, sieben weniger als vor einer Woche. Bei der Allensbach-Umfrage für die FAZ liegt die Union ebenfalls bei 35 Prozent, insgesamt steht es hier 48,5 zu 46,5 Prozent für Schwarz-Gelb.

IG Metall startet Stoppt-Schwarz-Gelb-Kampagne

In der Union liegen die Nerven entsprechend blank – schon 2005 wurde der sicher geglaubte Sieg von Schwarz-Gelb doch noch verspielt. CDU-General Ronald Pofalla erklärte gestern vorsorglich: „Es war immer klar, dass es ein knappes Rennen wird.“ Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) rügt öffentlich den mangelnden Kampfeswillen seiner Partei: „Niemand sollte glauben, dass wir die Wahl von der Zuschauertribüne aus gewinnen.“ Er verteidigte ausdrücklich den „sachlichen Stil“ von Merkel, sagte aber, das schließe mehr Engagement nicht aus.

Nun blasen alle zum Schlussspurt – denn auf den kommt es tatsächlich an. Nicht nur die Parteien: Die IG Metall hat nun ihre große Stoppt-Schwarz-Gelb-Kampagne gestartet. Beschäftigte in und vor den Betrieben sollen angesprochen werden, dass sie auf jeden Fall wählen gehen – und zwar so, dass Guido Westerwelle verhindert wird. Im Internet bietet die Gewerkschaft personalisierte Videos zum Verschicken an Freunde an – nach dem Vorbild von Obama. Damals war die Botschaft: Du bist schuld, dass Bush noch regiert. Heute ist sie: Du bist schuld, dass jetzt Westerwelle regiert. Eine Million Videos wurden schon verschickt (www.nachrichten-tv24.de).

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