51 Prozent weniger Asylbewerber

Weniger Asylbewerber, mehr Abschiebungen – bei der Migration zeigt sich zum Jahresstart die härtere Gangart der Regierung. In der Diskussion sind weitere Verschärfungen.
Basil Wegener, dpa |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Weniger Menschen kommen in Erstaufnahmeeinrichtungen an. (Symbolbild)
Weniger Menschen kommen in Erstaufnahmeeinrichtungen an. (Symbolbild) © Patrick Pleul/dpa
Berlin

Nach Deutschland kommen deutlich weniger Asylbewerber. Die Zahl der Erstanträge sank laut Bundesinnenministerium im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 51 Prozent, im Vergleich zu 2023 um 66 Prozent. Zehntausende Menschen – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr – wurden abgeschoben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte vor allem die Migrationswende der Bundesregierung für die sinkenden Zahlen verantwortlich. Die EU-Kommission meldete auch einen Rekord bei den Abschiebungen aus der Europäischen Union insgesamt. 

2025 sank die Zahl der Erstanträge um mehr als 116.000 auf 113.236. 2024 lag die Zahl noch bei 229.751. 2023 waren es 329.120. Im Rekordjahr 2016 waren es laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 722.370 solcher Anträge. Damals hatten viele vor allem aus dem Bürgerkriegsland Syrien geflüchtete Menschen erst mit Verspätung einen Antrag stellen können – das Bundesamt war durch den großen Zuzug 2015 überlastet gewesen. Damals lag die Schutzquote bei über 60 Prozent. In Syrien tobte noch Krieg.

In den Folgejahren sank die Zahl der Erstanträge auf Asyl auf bis zu 102.581 2020, um dann zunächst wieder anzusteigen. 

Warum die Asylzahlen sinken

Ein Grund für den Rückgang der Zahlen sind die Grenzkontrollen. Sie wurden ab Oktober 2023 von der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schrittweise eingeführt und von ihrem Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) intensiviert. Nach dem Ende der Ära des Langzeitmachthabers Baschar al-Assad kamen zudem weniger Syrerinnen und Syrer nach Deutschland. Auch Italiens restriktiverer Migrationspolitik werden Effekte zugeschrieben. Das gilt in umgekehrter Weise auch für Spanien, wo irreguläre Migrantinnen und Migranten mit Jobaussichten eine Aussicht auf Legalisierung haben. 

Das Innenministerium führt den Rückgang auf die "Migrationswende" der Bundesregierung zurück: Sie zeige Wirkung. Dobrindt sagte: "Das klare Signal aus Deutschland heraus, dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt angekommen." Genannt werden unter anderem auch das Aussetzen des Familiennachzugs und das Ende der "Turboeinbürgerung".

Erste Abschiebungen im neuen Jahr

Schon zu Beginn des neuen Jahres hat die Bundesregierung auch ihre Abschiebungen fortgesetzt. Zwei afghanische Straftäter wurden nach Afghanistan gebracht. Eine Sprecherin bestätigte einen Bericht der "Bild" über die Rückführung eines in Bayern wegen schwerer Körperverletzung und Drogendelikten mehrfach verurteilten Mannes. "Bundespolizisten übergaben den Mann und konsularische Papiere auf dem Flughafen an Taliban-Offizielle", hatte die Zeitung berichtet. 

Angewendet worden ist laut dem Blatt ein neu etablierter Mechanismus der Einzelabschiebung – laut der Sprecherin nun zum dritten Mal. 2025 wurden ihr zufolge 83 Straftäter nach Afghanistan zurückgeführt. "Es ist geplant, dass Rückführungen nach Afghanistan und Syrien regulär und regelmäßig mit Linienflügen stattfinden sollen." Mit weiteren Rückführungen sei zu rechnen. 

Verständigung mit Taliban

Die frühere Regierung von SPD, FDP und Grünen hatte Afghanistan- Abschiebungen wegen der Machtübernahme der Taliban ausgesetzt, unter Dobrindt wurden sie wieder aufgenommen. Ungeachtet von Kritik in Deutschland hatte sich das Innenministerium laut Sprecher mit "Vertretern der afghanischen De-facto-Regierung" verständigt. Dobrindt hatte gesagt, die Gesellschaft habe ein Interesse daran, dass Straftäter das Land verlassen.

Insgesamt wurden aus Deutschland vergangenes Jahr – noch ohne Dezemberzahlen – 21.311 Personen zurückgeführt. "Wir gehen für das Jahr 2025 von einer Steigerung von Abschiebungen gegenüber dem Vorjahr von 20 Prozent aus", sagte eine Ministeriumssprecherin. 

Weitere Verschärfung des Kurses?

Die CSU-Landesgruppe hatte zuletzt mit einem Forderungskatalog für Widerspruch gesorgt, der vor ihrer Winterklausur bekanntgeworden war. Die meisten Syrerinnen und Syrern sollen nach dem Beschlussantrag für die CSU-Abgeordneten zurück in ihre Heimat. 

Gefordert wird eine Abschiebeoffensive und ein Abschiebeterminal am Flughafen München. Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, hatte in der "Süddeutschen Zeitung" eingewandt, er verstehe nicht, "warum man zwei Monate vor extrem wichtigen Landtagswahlen das Nummer-1-Thema der AfD wieder groß macht (...)". Dabei habe Dobrindt ja geliefert. Gewählt wird 2026 in Baden-Württemberg (8. März), Rheinland-Pfalz (22. März), Sachsen-Anhalt (6. September), Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (beide am 20. September). In den ostdeutschen Flächenländern ist die AfD in Umfragen stärkste Kraft.

Erste Abschiebung nach Syrien

Die erste Abschiebung nach Syrien seit Beginn des Bürgerkriegs hatte es vor Weihnachten gegeben. Auch hier saß ein Straftäter im Flugzeug. In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD angekündigt: "Nach Afghanistan und Syrien werden wir abschieben – beginnend mit Straftätern und Gefährdern." 

Insgesamt halten sich in Deutschland laut Ministerium 940.401 Personen mit syrischer und 448.744 mit afghanischer Staatsangehörigkeit auf – jeweils mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus. Aus mehreren Branchen in Deutschland waren Warnungen gekommen, ohne Arbeitskräfte auch aus Syrien entstünden deutliche Lücken – etwa von der Ärzteschaft. 

Auch EU will Abschiebungen forcieren 

Deutschland ist nicht allein mit dem Abschiebe-Trend. EU-Innenkommissar Magnus Brunner sagte der "Welt am Sonntag" zur Situation in der Europäischen Union: "Die Abschiebungsrate ist in den ersten drei Quartalen von 19 Prozent im Jahr 2023 auf 27 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Damit werden wir im Jahr 2025 voraussichtlich die höchste Abschiebungsrate seit 2019 erreichen." Dennoch sei dies "bei weitem noch nicht genug". Nötig seien konsequente Abschiebungen, eine rasche Abweisung von Personen mit geringer Aussicht auf Asyl sowie Zusammenarbeit mit Drittstaaten, damit Menschen nicht fliehen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen
lädt ... nicht eingeloggt
 
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.