Eröffnung Ende des Jahres? Das Tal in München bekommt eine neue Wirtschaft
Altstadt - Immerhin 600 Jahre lang waren Gaststätten im heutigen Tal 38. Nun übernimmt ein neues Gastro-Trio, bestehend aus Stephan und Sebastian Kuffler und Constantin Wahl, die Räume. Geplant ist wieder ein bayerisches Wirtshaus.
Im Jahr 1434 wurde das Anwesen als Haus-Nummer 505 im Tal zum ersten Mal als Schützenwirtschaft der Stachelschützengesellschaft erwähnt. 1575 kaufte es der Bierbrauer Hans Sternegger und gründete die Sterneckerbrauerei. Darauf wechselte das Haus verschiedene Besitzer.
Adolf Hitler eröffnete in dem Haus 1933 ein Museum der NSDAP
1894 kaufte es der Brauereibesitzer Josef Höcherl. Der ließ das Gebäude im Jahr 1901 abreißen und neu errichten. Und so steht das fünfgeschossige Haus noch heute im Tal 38. Die folgenden Jahre markieren jedoch ein dunkles Kapitel des Sterneckerbräu.

Ab 1919 trafen sich dort regelmäßig die Mitglieder der von Anton Drexler gegründeten Deutschen Arbeiterpartei (DAP). Am 12. September 1919 besuchte Adolf Hitler eine solche Zusammenkunft im sogenannten Leiberzimmer und trat wenige Tage später der Partei bei.
Neues Sterneckerbräu: Zuletzt eine Ladenfläche von Gravis
Schon ein halbes Jahr später wurde ein paar Meter weiter, im Hofbräuhaus, die Umbenennung der DAP in NSDAP bekannt gegeben. Am 8. November 1933 eröffnete Adolf Hitler im Sterneckerbräu ein Parteimuseum der NSDAP. Zu besichtigen waren dort das Inventar und Mobiliar der ersten Partei-Geschäftsstelle sowie das Leiberzimmer.
Den Krieg überstand das Gebäude weitgehend unbeschadet. Im Jahr 1957 wurde die Gaststätte geschlossen und in eine Ladenfläche umgewandelt. Zuletzt befand sich dort das Computer-Geschäft Gravis, das jetzt ins Tal 19 gezogen ist. Nun tun sich dort Stephan und Sebastian Kuffler mit Constantin Wahl zusammen. Erstere betreiben unter anderem das Seehaus im Englischen Garten und das Spatenhaus, Letzterer leitet das Tegernseer Tal Bräuhaus.
Stephan Kuffler ist sich der Historie des Hauses bewusst
Einen Namen für ihre gemeinsame Gaststätte haben sie noch nicht. Der dunklen Jahre des Hauses ist man sich bewusst. Aber so viel versichert Stephan Kuffler der AZ: "Der Standort ist in dieser Hinsicht bei uns in besten Händen."

Neues Sterneckerbräu soll eine traditionelle Wirtschaft werden
Der Wirt hält nicht hinterm Berg mit seiner Meinung zu braunen Tendenzen, hat einst sogar die Mitglieder der AfD aus seinem Seehaus geschmissen. Er setzt auf die gesamte 600-jährige Gaststätten-Geschichte des Hauses.
Eine traditionelle Wirtschaft soll's wieder werden, mit bayerischer Küche sowie vegetarischen und veganen Gerichten. "Aber nichts Gekünsteltes, sondern Dinge, die naturgemäß vegan sind", so Kuffler. Sobald die Baugenehmigung da ist, wird losgewerkelt. Mit etwas Glück könnte schon Ende des Jahres eröffnet werden.