SPD: Jetzt rebellieren die Jungen gegen die Alten

Die Rathaus-Fraktion braucht frische Ideen und junge Gesichter, finden die Jusos. Und fordern sechs Plätze auf der Stadtratsliste für die Kommunalwahl.
| Irene Kleber
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Begrüßt den Juso-Vorstoß: SPD-Chefin Claudia Tausend (54).
Armin Weigel/dpa Begrüßt den Juso-Vorstoß: SPD-Chefin Claudia Tausend (54).

München - Die Älteren wirken vielfach noch schockgelähmt. Die Jungen aber sind längst im Angriffsmodus: Nach dem niederschmetternden Wahlergebnis der SPD bei der Europawahl (in München sackten die Genossen von 30,8 Prozent bei der Stadtratswahl 2014 auf 11,4 Prozent ab) rüsten sich die Münchner Jusos für die Kommunalwahl im März.

Sie wollen die SPD-Fraktion im Münchner Rathaus, die jetzt aus 24 Stadträten besteht (von 80) massiv umkrempeln – und erheben Anspruch auf sechs "aussichtsreiche Listenplätze". Aufgestellt haben die Jusos letzte Woche sogar 17 junge Leute, die bereit sind, die altgedienten Stadträte abzulösen. Für die dürfte das nach einer Kampfansage klingen. Zumal: Wie viele Sitze mag die SPD noch bekommen, wenn sie noch weiter auf Talfahrt geht?

Jusos: Umfassendes Wahlprogramm und hohe Ziele

"Die SPD wird als Partei alter Männer wahrgenommen", sagt Münchens Juso-Chef Christian Köning (30), "die stehen nicht für die Jugend oder für Aufbruch."

Die Jusos wollen deshalb "ein Programm, das junge Menschen anspricht", sagt Lena Odell (34), die im Vorstand der Münchner SPD sitzt. In ihr 120- Seiten-Wahlprogramm haben sie deshalb einen "ÖPNV zum Nulltarif" geschrieben. "Erst für Schüler, Azubis, Studenten und Sozialticket-Inhaber", sagt Köning, "dann für alle".

Stefanie Krammer (31), Ex-Chefin der Bayern-Jusos, will für ein Azubi-Werk und Azubiwohnheime kämpfen – angelehnt ans Studentenwerk. Und ein dritter großer Punkt: Die Forderung nach einer autofreien Innenstadt "langfristig bis zum Mittleren Ring", wie Köning sagt, plus "ein klimaneutrales München bis 2035".

Eine Fortsetzung der GroKo mit der CSU im Rathaus schließen die Jusos übrigens aus.

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SPD: Zuspruch und Schweigen für die Jusos und deren Engagement 

Dass die Jungsozialisten die jungen Münchner erreichen, daran zeigen sie zumindest keine Zweifel: "Wir werden mit 70 Leuten in den Haustürwahlkampf gehen", kündigt Christian Köning an. "Wir werden vor den Unis stehen, in der Studentenstadt, an Berufsschulen, bei Streetart-Leuten." Benedict Lang (24) sagt: "In den Ortsverbänden kann man merken, dass die jungen Leute in der SPD wieder Lust haben zu kämpfen." Lang will mit Darryl Kiermeier (24) und Barbara Likus ebenfalls Stadtrat werden.

Dass SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter (61) sich junge Gesichter in der Fraktion wünscht, darauf zählt die Juso-Truppe. Nach der Europawahl-Schlappe hatte Reiter laut genug personelle Veränderungen gefordert. Auch Münchens SPD-Chefin Claudia Tausend (54) applaudiert: "Ich begrüße das sehr, dass diese jungen Leute bereit sind, für die SPD zu kämpfen – ohne einen gesicherten Einzug in den Stadtrat." Sie könne sich "einige dieser Jusos sehr gut im Stadtrat vorstellen". Als Zuspruch zu verstehen ist auch, was der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post sagt: "Die Stadtratsliste muss so attraktiv sein, dass sie auch gewählt wird. Und sie muss ein Spiegelbild der Stadtgesellschaft sein."

Nur die Applausbekundungen aus der Fraktion selbst sind – erwartbar – leise: Der rote Fraktionschef Alexander Reissl (61), seit 23 Jahren im Rathaus, äußert sich vorsichtshalber mal gar nicht. Auf AZ-Anfrage lässt er nur ausrichten: "Ich kommentiere das nicht."

Begrüßt den Juso-Vorstoß: SPD-Chefin Claudia Tausend (54).
Begrüßt den Juso-Vorstoß: SPD-Chefin Claudia Tausend (54). © Armin Weigel/dpa

Liste der Stadtratskandidaten steht noch nicht fest

Noch ein interessantes Gesicht findet sich übrigens auf der Juso-Liste – auf dem 17. (und damit letzten) Bewerberplatz. Es ist Seija Knorr (24), Gesundheits- und Krankenpflegerin, bis vor kurzem noch Vize-Chefin der Bayern-Jusos und aus Ulm zugewanderte Neu-Münchnerin. Eine charismatische und energische junge Frau – und mitreißende Rednerin. Die Genossen hatten sie bei der 150-Jahr-Feier der Münchner SPD im März auf die Bühne geholt – als Dritte nach Oberbürgermeister Dieter Reiter und einer Videobotschaft von Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel. Auch von ihr dürfte noch zu hören sein.

Bis 31. August müssen alle, die Stadtratskandidat werden wollen, sich bei der Partei melden. Dann beginnen Vorstellungsrunden und ein kompliziertes Reihungs-Verfahren. Bis die Liste steht, wird es Oktober oder November werden.

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