"Sogar Franken mag man da": Die besten Sprüche vom Nockherberg

Beim Derblecken auf dem Nockherberg bekommt bekanntlich die Polit-Prominenz ihr Fett weg. Die besten und bissigsten Sprüche von Fastenprediger Stephan Zinner.
von  Thomas Müller
Etwa eine Stunde lang hat Stephan Zinner derbleckt. Dabei mussten sowohl Bundes- als auch Kommunalpolitiker einstecken.
Etwa eine Stunde lang hat Stephan Zinner derbleckt. Dabei mussten sowohl Bundes- als auch Kommunalpolitiker einstecken. © Peter Kneffel (dpa)

Über sich und das Derblecken

Ich muss aber gestehen, dass nicht alle meine Freunde und Bekannten so hundertprozentig begeistert waren, dass ich diese Rede hier halten werde. Mein Management meinte: "Nein. Warum machst du des? Es läuft doch. Dieser Schleudersitz!“ Warum? Weil ich diese Veranstaltung mag. Für mich ist das Derblecken ein positives Signal von hier an den Rest der Republik! Wir können heute zeigen, dass wir über uns selbst lachen können.

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Sie können sich auch komplett entspannen, weil ich habe die fertige Rede noch mal mit der Software vom US-Justizministerium und diesem Palantir, auf das sie so stehen, prüfen lassen, und siehe da, kein einziger Name ist geschwärzt. Das heißt im Umkehrschluss: Kein wirklicher Schwerverbrecher befindet sich heute hier im Saal. Tja, "Wunder gibt es immer wieder“ - Epstein, Katja Ebstein hat das gesungen.

 

Über sich selbst

Halleluja, wenn ich so daher red, sollte ich mir lieber das Pfarrergewand ausm Fundus holen... Aber es heißt ja auch Fastenpredigt – Prost!

Über Söder und CSU

Aber ich muss Bayern an dieser Stelle nicht extra loben, unser Ministerpräsident macht das schließlich beruflich. Und zwar minütlich!

Ja, Bescheidenheit, das wissen wir, das ist jetzt nicht die Stärke der CSU. Die CSU hat’s drauf. In ihrem aktuellen Grundsatz-Problem… Programm findet man das Wort Bescheidenheit null Mal, das Wort "Spitze“ dafür 19 Mal.

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Die bayerische Staatsregierung und Bescheidenheit, das geht so gut zusammen wie 1860 München und ein ruhiger Saisonverlauf.
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(zu Söder) Auch im Kleinen hat sich einiges geändert. Also das mit dem Bart, so aus der Nähe, des ist schon eine Entscheidung, okay - Sie sind jetzt für mich einfach der Dr. Fu Manchu Bayerns.

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Sie wollten sogar eine Begrenzung auf zwei Amtszeiten in die Verfassung schreiben. Oder war das das Vorgängermodell, der alte Markus Söder. Der noch Bäume umarmt hat und einen höheren Frauenanteil in der CSU wollte. Verrückt, was man so alles sagt.

Söder und Schafroth

Ehrlich gesagt, hatte ich gedacht, dass Sie mal in Grönland aufschlagen, aber da ist Ihnen mein Vorgänger zuvorgekommen. Des wäre super gewesen, sie als Jon Snow, diesmal im echten Schnee, mit der Bayernfahne in der Rechten und in der Linken ein Robben-Bratwurst-Weckla - Insta-Gold!

 

Über die Weltlage

Seit dem letzten Singspiel hat sich schon einiges verändert, grad weltpolitisch: ein Wahnsinniger im Osten und ein Wahnsinniger im Westen und wir dazwischen. Und wenn die die Po-Backen zusammenkneifen, wird es eng in der Mitte.

Über Friedrich Merz

Dieser nordrhein-westfälische Hungerhaken gibt jetzt den Aufbruchs-Kanzler, also er versucht’s, denn wenn das die "Letzte Patrone der Demokratie“ ist, dann sollte er lieber auf Pfeil und Bogen umschulen, dann hat er vielleicht noch a bissl was im Köcher.

Über die Bundeswehr

Mich wundert das nicht, dass da nicht alle jubelnd auf der Panzerwiese rumhüpfen. Und warum eigentlich nur die Burschen? Meine Frau schießt definitiv besser als ich. Ich treff ja nicht einmal die Gelbe Tonne.

Über die Bayern-SPD

Wo sitzt die Bayern-SPD? Für die ist sich kleinmachen die leichteste Übung. Da sind ja einige Charakter-Köpfe dabei... also ich kenn sie jetzt nicht, aber mir habens Bilder auf meinen Text geklebt.
Über Lars Klingbeil
Früher war die SPD ja eine charismatische Partei. Aber jetzt? Ich mein, schon allein ihr Parteivorsitzender, der Klingbeil Lars, der hat ein Charisma wie ein Einbau-Kühlschrank. Gut, er kann "Wonderwall“ auf der Gitarre spielen, das kann mein Kühlschrank nicht. Was der aber spielend schafft: Er kann mich mit seinen Inhalten begeistern. Da wird’s bei Klingbeil eng.

Über Bärbel Bas und Lars Klingbeil

Aber jetzt bringen Sie, Frau Bas, die SPD wieder auf Kurs, Sie haben, bei der letzten Klausurtagung zusammen mit ihrem Co verkündet, dass Sie das alte SPD-Navi wieder auf "links abbiegen!“ eingestellt haben. Und da hat man schon das Gefühl, dass Sie da am Lenkrad sitzen und er - als klassisch-ängstlicher, männlicher Beifahrer daneben – lieber auf der Umgehungsstraße nach Merzhausen bleiben würde.

Über Alexander Dobrindt

Herr Dobrindt, als Verkehrsminister durch den Scheuer Andi ersetzt. Das muss man erstmal wegstecken! Aber dann so ein Comeback hinlegen: als Bundesinnenminister. Geheimdienste, Kriminalitätsbekämpfung, Katastrophenschutz, Sportpolitik! Sie schützen uns vor den Superschurken! Gianni Infantino, nimm dich in Acht!

Über Grenzkontrollen

Sonst geht’s Ihnen wie mir im Herbst, als nach einem Konzert in Österreich bei Braunau wieder zurück übern Inn nach Deutschland wollte. Da ist mir dieser vollkommen übermüdete Grenzbeamte bei der Ausweiskontrolle im Stehen eingeschlafen. Der ist samt seiner Maschinenpistole über meine Motorhaube vorn runter und hat mir einen dermaßenen Kratzer reingemacht. Ich hoffe, Sie haben eine gute Haftpflichtversicherung, Herr Dobrindt.

Über Cum-Ex

Da gehen uns Millionen durch die Lappen, weil die Forderungen einfach verjähren. Und dann heißt’s: "Schade, aber wir haben halt zu wenig Personal bei den Staatsanwaltschaften.“ Das ist doch kein Schicksal. Das ist eine Entscheidung! Das ist so, wie wenn ich mit der Familie in den Urlaub fahre und sage: "Ich hab’ leider zu wenig Benzin im Tank, drum fahr ich jetzt auf der Autobahn nur 30. Dann kommen wir halt in Italien an, wenn die Ferien vorbei sind!“

Über Parteien

Aber Parteien dürfen jahrelang ohne Serviceheft fahren. Das ist Käse, ich würde vorschlagen, wir machen das bayerisch-pragmatisch: Es gibt an Parteien-Tüv. Da wird gschaut: Bremsen? Lichter? Demokratieverständnis? Korruptions-Airbag? Grundgesetz-Navi?

Über Christian Bernreiter

Weniger Vorschriften beim Bauen  – "alles auf null runtergefahren!“ Klingt spannend. Vielleicht erkennt man den Unterschied zwischen Silo und Wohnhaus bald nur noch am Klingelschuidl.

Über Georg Eisenreich

Der Herr Justizminister Eisenreich zum Beispiel könnte juristisch prüfen lassen, ob man Eltern-Whats-App-Gruppen von so Helikopter-Eltern nicht auch als Terrorzellen einstufen müsste.

Über Hubert Aiwanger

Dem ist es wahrscheinlich wurscht, obs Handynetz da ist oder nicht. Sie verheizen im Notfall einfach einen Ster Holz und machen Rauchzeichen.

Über Robert Habeck

Ich glaube, wenn der gesagt hätte: "Die Luft in Bayern ist gut“, dann hätte die Hälfte der bayrischen Bevölkerung erst mal das Fenster zugesperrt und wäre lieber erstickt, als dem grünen Gscheidhaferl da recht zu geben!

Über Katharina Schulze

Da lacht’s. Sie sind eh von Grund auf gut drauf. Wenn Optimismus erneuerbar wär – Katharina Schulze könnt ganz Bayern versorgen.

Über OB Reiter

Und? Vom Feeling her, habens da ein gutes Gefühl? Wird’s am Sonntag eng bei der OB-Wahl? Dass Sie mit 67 jetzt nochmal anreißen, auch bei der Altherren vom FCB. Ihre Frau wollte Sie noch nicht den ganzen Tag daheim haben... – verstehe.

Clemens Baumgärtner

Schmal sind’s geworden, da verlieren Sie ja ihr Image als Mini-Strauß. Des war doch Absicht, oder? Aber vielleicht trainieren Sie auch für einen Surf-Versuch auf der berühmten Eisbachwelle, so im hautengen Neoprenanzug. Das wär mal ein Wahlkampf-Foto? Vorn auf der "Men’s Health“. Bitte nicht.

Über Dominik Krause

Eigentlich, hab i mir denkt, des Problem mit der Welle regelt der Herr Krause von den Grünen, des ist doch Ihr Klientel – yo, Bro, Digger, yo. Sie regeln ja gern was, wenn der Herr Reiter ned do is. Falls Sie schon eine Siegesfeier geplant hätten – Tipp: Ich würde beim Getränkelieferanten sicherheitshalber eine Rücknahmegarantie aushandeln. Ned dass S’ nachher auf zu viel Mango-Schorle sitzen bleiben.

Über die Wiesn

Man feiert miteinander, lacht, es herrscht eine rauschhafte Leichtigkeit, dann ist es auch wurscht, wo du herkommst, sogar Franken mag man da.

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Wobei ich sagen muss: Wenn man da ab und zu ins Käferzelt hineinschaut und diese aufwendig rekonstruierten Damen sieht, hat man fast das Gefühl, man wäre in "König der Löwen“ gelandet.

Hoffnungsvolle Premiere des neuen Fastenredners. Kein Politiker und Thema bleibt unbeackert – und zwei Zwischenspiele sorgen für Kurzweil

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