ÖPNV für einen Euro am Tag: Linke starten Bürgerbegehren für 365-Euro-Ticket in München

Die Linke fordert ein 365-Euro-Ticket für München - und startet nun ein Bürgerbegehren. Was die MVG sagt.
| Christina Hertel
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Auf dem Marienplatz haben die Linken ihre Idee am Montag vorgestellt.
Auf dem Marienplatz haben die Linken ihre Idee am Montag vorgestellt. © Christina Hertel

München - Es wäre schön, wenn alle Münchner nur einen Euro am Tag für den öffentlichen Nahverkehr ausgeben müssten. Da sind sich weitgehend alle im Stadtrat einig. Doch ob sich die Stadt ein 365-Euro-Ticket für alle (bislang gibt es ein solches nur für Schüler und Auszubildende) auch leisten sollte?

Da haben Grüne und SPD Zweifel. Sie lehnten deshalb den Antrag für ein solches Ticket, den ursprünglich die Linken, CSU und ÖDP gemeinsam gestellt hatten, ab. Nun wagt die Linke einen neuen Vorstoß: Die Partei startet jetzt ein Bürgerbegehren.

Ziel: 365-Euro-Ticket bis 2023

Am Montagvormittag stellte die Linke ihre Idee auf dem Marienplatz vor, gemeinsam mit weiteren Initiatoren: Alfred Köhler, ein Busfahrer, der davon überzeugt ist, dass sich der öffentliche Nahverkehr ohnehin niemals alleine durch den Ticketpreis finanzieren lässt. Gabriele Vogler, eine Rentnerin, die betont, dass ein günstigerer ÖPNV vielen, armen, alten Menschen helfen könnte. Katharina Horn, die zuletzt das Bürgerbegehren Radentscheid initiierte und die trotzdem glaubt, dass sich das Klima nur retten lässt, wenn auch der öffentliche Nahverkehr attraktiver wird.

Ihrer Meinung nach müssten sich noch etwa 33.000 Menschen anschließen. So viele Unterschriften wollen die Initiatoren das nächste halbe Jahr sammeln, zum Beispiel online auf www.365mvg.de. Ziel ist, das Ticket bis 2023 einzuführen.

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Nürnberg als Vorbild für München

Mit dem Bürgerbegehren will die Linke den Druck erhöhen. Zum einen auf Grüne und SPD, die im Stadtrat die Mehrheit bilden. Zum anderen wollen sich die Initiatoren bei der Staatsregierung Gehör verschaffen: Denn das Ticket ist im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern enthalten.

Vorbild ist Nürnberg. Auch dort hatte es ein Bürgerbegehren gegeben, dann hat der Stadtrat die Einführung beschlossen. Ob das auch in München so klappt? Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist jedenfalls dagegen. Zuerst müsse in den Ausbau des Angebots und in die Qualität investiert werden, antwortet die Pressestelle auf eine AZ-Anfrage, nur ein verbessertes Angebot steigere die Nachfrage.

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ÖPNV in München nicht attraktiv genug?

Auch die Grünen sind überzeugt, dass der Preis nicht entscheidend ist. "Was haben wir von einem günstigen ÖPNV, wenn er nicht attraktiv ist?", fragt der Chef der Stadtrats-Grünen Florian Roth. Klappen könne ein solches Ticket nur, wenn Bund und Freistaat mitzahlen.

Ansonsten könne sich München den Ausbau des Netzes nicht leisten. Das sieht die SPD ähnlich. Stefan Jagel (Linke) widerspricht: Durch eine Erhöhung der Gewerbesteuer und durch eine andere Prioritätensetzung könne man es sich leisten.

Die ÖDP, die gemeinsam mit der Linken und der CSU den Antrag stellte, will das Bürgerbegehren unterstützen, sagt deren Chef Tobias Ruff. Auch die CSU bleibt dabei, dass München ein 365-Euro-Ticket braucht. Allerdings will sich die CSU erst das Bürgerbegehren genauer ansehen.

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