Münchner Multi-Milliardär: Geheime Zahlungen an die AfD?

Der Münchner Multi-Milliardär August Baron von Finck soll den Aufstieg der AfD entscheidend finanziert haben – mithilfe von zwei Münchner Strippenziehern.
| Kimberly Hagen
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Er soll die AfD um Alice Weidel und Alexander Gauland (l.) unterstützen: August Baron von Finck junior.
Er soll die AfD um Alice Weidel und Alexander Gauland (l.) unterstützen: August Baron von Finck junior. © dpa/imago/AZ

München - Ihren Siegeszug verdankt die Rechtspartei Alternative für Deutschland (AfD) anscheinend vor allem dem Münchner Multi-Milliardär August Baron von Finck jr. (88).

Das berichten mehrere Medien, darunter der "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe (nach gemeinsamen Recherchen mit der Schweizer Wochenzeitung "WOZ"). Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk von NDR, WDR und "SZ" über eine Großspende aus der Schweiz – dort hat Baron von Finck ebenfalls einen Wohnsitz – an den Kreisverband der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel geschrieben.

August Baron von Finck: Wer ist das Münchner Phantom?

Jetzt führt die Spur des AfD-Sponsorings also nach München – ausgerechnet zu dem Mann, der zwar mit seinem Familienimperium in München omnipräsent scheint, aber selbst so gut wie nie in Erscheinung tritt. Wer ist das Phantom, das mit den Ideen der AfD, als sie noch gar keine Partei gewesen ist, sondern nur eine politische Strömung, bereits sympathisiert haben soll?

August von Finck jr. ist ein ehemaliger Bankier (Merck Finck & Co), Investor, Großaktionär von Mövenpick. Doch das meiste Geld macht er mit Beton, vor allem Altstadt-Immobilien in München gehören ihm, genauso wie der Goldhandel Degussa. Sein Vermögen wird auf 4,8 bis 8,2 Milliarden Euro geschätzt.

Immer wieder soll Geld an die AfD geflossen sein

Durch seine Finanzzuwendungen an FDP und CSU geriet er 2009 schon einmal in die Schlagzeilen. Inzwischen soll der Multi-Milliardär nach AZ-Informationen von beiden Parteien eher enttäuscht sein. Mit mehreren Millionen Euro soll Finck jr., dessen Vater August von Finck sen. zu Hitlers wichtigsten Unterstützern gehörte, nach AZ-Informationen der AfD wie einem Start-up-Unternehmen unter die Arme gegriffen haben.

Außerdem soll seine Handelsfirma Degussa – dazu liegen dem "Spiegel" Unterlagen vor – in den AfD-Anfangsjahren an einem lukrativen Goldhandel der Partei ("AfD-Goldshop") beteiligt gewesen sein. Ob zu Beginn oder zuletzt im Wahlkampf – immer wieder soll Geld über mehrere Ecken vom Münchner Baron an die AfD geflossen sein. Freilich immer so, dass es nicht auf ihn zurückzuführen ist.

Dazu kommt ein weiterer Wahl-Münchner ins dubiose Spiel: Ernst Knut Stahl (74), Diplomkaufmann aus betuchtem Hause, Geschäftsführer der finckschen Vermögensverwaltung und rechte Hand von Finck jr., sitzt an mehreren wichtigen Schnittstellen des Imperiums. Er ist genauso öffentlichkeitsscheu, diskret und verschwiegen, gilt als engster Finck-Vertrauter und hinter den Kulissen als bestens verdrahteter Strippenzieher. Stahl war es, so berichtet der "Spiegel", der sich mit einem BR-Journalisten und einem deutschen Verleger am 1. März 2017 in der Nähe von München getroffen hat, um eine neue Zeitung zu gründen, die die Wahrheit schreibe – der "Deutschland Kurier".

Wenige Monate nach dem Treffen erschien das Blatt vor der Bundestagswahl tatsächlich hunderttausendfach in Deutschland. Es las sich wie eine offene Wahlwerbung für die AfD. Offiziell herausgegeben wurde es vom "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten".

Von Finck und Stahl gibt es keine Statements

Schon 2016 prangerte Hubert Aiwanger, heutiger Chef der Freien Wähler und Bayerns Superminister, an: "Die AfD ist eine Partei aus der Retorte, gezeugt vom großen Geld." Er muss es wissen – gegenüber dem "Spiegel" räumt er erstmals ein, selbst mit dem Finanzsystem von Finck und Stahl in Berührung gekommen zu sein. Und zwar über Dagmar Metzger, die ebenfalls in München wohnt und vor ihrer Zeit als AfD-Pressesprecherin als Wirtschaftsmanagerin (Kommunikationsagentur Wordstatt) bekannt war. Mit besonders guten Drähten zu Finck.

Metzger brachte Aiwanger und Stahl bei sich zuhause zusammen. "Es gebe Geld", habe sie Aiwanger unter vier Augen signalisiert, wie der Freie-Wähler-Chef dem "Spiegel" erzählt hat. Doch Aiwanger sagte ab, ihm waren die Geschichten "nicht geheuer".

Nachfrage bei Dagmar Metzger – ist sie eine Strohfrau von Baron von Finck und der AfD? Zur AZ meint sie: "Ich sage zu dem ganzen Thema nichts – nur so viel: Im Februar 2014 habe ich bei der AfD alles hingeschmissen, weil mir die Partei zu rechts wurde." Heute ist sie Vorstand der "Stiftung für Freiheit & Vernunft" – eine angebliche AfD-Nähe bestreitet sie vehement.

Finck und Stahl haben sich zu alldem noch nicht geäußert. Dafür schaltet sich Lobbycontrol ein, ein gemeinnütziger Verein, der sich für Transparenz und klare Schranken der Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit einsetzt. Anaylst Ulrich Müller sagt: "Wir brauchen eine schonungslose Aufklärung, von wem Geld in den Aufbau und die Wahlkämpfe der AfD geflossen ist." Und weiter: "Die Bundestagsverwaltung muss prüfen, woher das Geld kam, mit dem Dagmar Metzger in der Anfangszeit Veranstaltungen für die AfD organisierte. Wenn die Gelder von Dritten wie Herrn von Finck kamen, wären dies klare Verstöße gegen das Parteienrecht."


August von Finck sen.: Finanzier Adolf Hitlers

1937: Vor dem Haus der Deutschen Kunst: Adolf Hitler (l.) und August von Finck sen.
1937: Vor dem Haus der Deutschen Kunst: Adolf Hitler (l.) und August von Finck sen. © dpa

Vater August von Finck sen. (1898-1980) war Bewunderer und Finanzier von Adolf Hitler. Er wurde Vorsitzender im Kuratorium des "Hauses der Deutschen Kunst", profitierte in großem Stil von Arisierungen jüdischer Bankhäuser. Nach dem Krieg verlor er viele Aufsichtsratsposten. Doch das Vermögen wuchs. 1979 betrug der Konzernumsatz 2,25 Milliarden. OB Georg Kronawitter spottete: "Jeden Morgen, wenn Herr von Finck wach wird, ist er um eine Million reicher. Es steht ja schon in der Bibel: Den Seinen gibt's der Herr im Schlafe."

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