Münchens neuer Stadtschulrat Florian Kraus: Pädagogik statt Paragrafen

Der Jurist Florian Kraus wird neuer Stadtschulrat. Doch Erfahrung hat er in diesem Bereich kaum. Die Opposition will ihn deshalb nicht wählen.
| Christina Hertel
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"Aus den üblichen 100 Tagen bis zur ersten Bilanz könnten vielleicht 110 Tage werden." sagt der neue Bildungsreferent Florian Kraus.
"Aus den üblichen 100 Tagen bis zur ersten Bilanz könnten vielleicht 110 Tage werden." sagt der neue Bildungsreferent Florian Kraus. © Daniel von Loeper

München - Wer Begeisterung erleben möchte, sollte mit Florian Kraus ein Gespräch über das Grundgesetz anfangen. "Das ist ganz toll", sagt er. Dass sich ein Jurist wie er für Gesetzestexte begeistern kann, ist vielleicht nichts Besonderes.

Doch ab diesem Mittwoch wird sich Florian Kraus eine ganze Weile nicht mehr mit Mandanten und Paragrafen befassen. Denn da wird ihn der Stadtrat voraussichtlich zum neuen Chef des Referats für Bildung und Sport wählen.

Für 15.000 Mitarbeiter verantwortlich

Kraus wird dann im größten Referat der Stadt die Verantwortung für 15.000 Mitarbeiter tragen, ein Budget von 1,6 Milliarden Euro verwalten, für 440 städtische Kindertagesstätten und 124 Schulen zuständig sein.

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Die Opposition zweifelt allerdings daran, ob der 44-Jährige dieser Aufgabe gewachsen ist. Denn Erfahrungen im Bereich Bildung hat Kraus kaum. Er arbeitet in einer Kanzlei, die auf Wirtschafts- und Steuerstrafrecht spezialisiert ist.

Florian Kraus: Seit 2010 bei den Grünen

Unter anderem die Linke will deshalb gegen Kraus stimmen. Denn die Stelle war nicht offiziell ausgeschrieben. Die Grünen schlugen Kraus vor. Er ist seit 2010 Parteimitglied, sitzt im Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe und kandierte bereits bei einer Landtagswahl.

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Doch der Fraktionsvorsitzende der Linken Stefan Jagel findet: Bei so viel Verantwortung, die ein neuer Bildungsreferent tragen muss, hätte es ein vernünftiges Auswahlverfahren gebraucht. "Da kann man doch nicht sagen: Da werde ich mich schon irgendwie einarbeiten."

Kraus: "Mir liegt der unmittelbare, persönliche Dialog mehr"

Vor dem Einarbeiten - das gibt Kraus offen zu - habe er tatsächlich Respekt. Denn Corona führe dazu, dass Treffen hauptsächlich virtuell stattfinden können. "Mir liegt aber der unmittelbare, persönliche Dialog mehr", sagt Kraus. "Aus den üblichen 100 Tagen bis zur ersten Bilanz könnten vielleicht 110 Tage werden."

Völlig umkrempeln möchte Kraus das Referat für Bildung und Sport allerdings ohnehin nicht. "Es wird seit Jahren gut geführt." Doch die vergangenen Monate hatte es nur einen kommissarischen Chef. Denn die frühere Referentin Beatrix Zurek (SPD) wechselte ins Gesundheitsreferat.

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Den ganzen Mitarbeitern im Bildungsreferat gerecht zu werden, sei sicherlich eine Herausforderung, meint Kraus. Denn für Personal war er bislang nur am Rande verantwortlich - zum Beispiel, wenn er junge Kollegen einarbeitete. "Doch ich möchte gestalten und Verantwortung übernehmen", sagt er.

Schwerpunkt auf demokratischer Bildung

Kraus ist in Deggendorf geboren, hat in Regensburg studiert und eine Zeit in Berlin gearbeitet. Bei den Grünen leitete er den Arbeitskreises Demokratie und Recht. Er beriet als Strafrechtler unter anderem auch im NSU-Untersuchungsausschuss.

Daher kommt auch, dass er in den städtischen Schulen einen Schwerpunkt auf die demokratische Bildung setzen möchte. Dies erachte er in Zeiten, in denen rechte Parteien immer mehr Zulauf erhalten und die Töne immer populistischer würden, für enorm wichtig.

Florian Kraus: Fokus auf Vereins- und Breitensport

Schulen sollten aus seiner Sicht in diesem Bereich mehr Fortbildungen und Informationen bekommen. Ansonsten seien ihm die Pflichtaufgaben wichtig: "Zuerst muss die Betreuung der Kinder sichergestellt sein."

Im Bereich Sport will Kraus einen Fokus auf den Vereins- und Breitensport legen. Denn Profi-Sport ist aus seiner Sicht keine kommunale Aufgabe. Er wolle dafür Sorge tragen, dass in München, einer Stadt, die immer weiter wächst, das Sportangebot für die Bevölkerung erhalten bleibe. Zum Beispiel solle es in neuen Vierteln genug Bolzplätze geben.

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