Münchner SPD fordert: 70 Prozent weniger Miete für Künstler

Um Kulturschaffende in München zu halten, will die Stadt sie mit dauerhaft günstigen Flächen unterstützen. Denn gerade wissen viele nicht, wie sie ihre Miete finanzieren können.
| Christina Hertel
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In der Corona-Krise haben viele Künstler Probleme, die Miete für Ateliers aufzubringen. (Symbolbild)
In der Corona-Krise haben viele Künstler Probleme, die Miete für Ateliers aufzubringen. (Symbolbild) © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

München - Für ihr Atelier hätten viele Künstler in den vergangenen Monaten ihre gesamten Ersparnisse ausgegeben, sich Geld geliehen, andere Jobs angenommen, sagt Herbert Windmayer. Er arbeitet als Geschäftsführer der Domagkateliers und verwaltet die Räumlichkeiten. "Viele werden langsam unruhig."

Münchner Künstler sollen bis zu 70 Prozent Rabatt auf die Miete bekommen

Etwa 20 Prozent der 140 Künstler am Domagkpark hätten sich inzwischen einen Untermieter gesucht, weil sie die Miete alleine nicht mehr bezahlen können. 30 Prozent hätten eine Stundung der Miete beantragt. Unterm Strich hat jeder zweite Künstler am Domagkpark Probleme. Um so wichtiger sei es, dass die Miete auf einem bezahlbaren Niveau bleibt, sagt Windmayer. Genau das will die Stadt am Mittwoch beschließen.

Künftig sollen Künstler bis zu 70 Prozent Rabatt auf die übliche Miete bekommen, wenn sie neu in Räumlichkeiten einziehen, die der Stadt gehören. Aber auch Künstler, die schon - wie jene aus den Ateliers am Domagkpark - Immobilien der Stadt mieten, sollen profitieren. Ihre Miete soll so lange nicht steigen, bis ein Nachlass in ähnlicher Höhe erreicht ist - wenn die Stadt ihre Miete regulär angepasst hätte.

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Diesen Vorschlag erarbeiten das Kulturreferat und das Kommunalreferat gemeinsam. Ziel sei, die kultur- und kreativwirtschaftliche "Szene" in der Stadt zu halten und neu anzusiedeln, heißt es in der Vorlage, über die der Stadtrat am Mittwoch abstimmen soll.

SPD-Stadtrat Metrup beantragte Mietenstopp für die Ateliers am Domagkpark

Einer, der sich darüber wohl besonders freut, ist Stadtrat Lars Mentrup (SPD). Als Student habe er selbst acht Jahre lang auf dem Gelände der Domagkateliers gewohnt, erzählt er. Damals studierte er zwar Mathematik und nicht Kunst. "Aber die Künstler haben mich damals mit ihrer Begeisterung infiziert." Kommunalpolitiker sei er nur geworden, weil er dafür kämpfte, die Ateliers am Domagkpark zu erhalten. Zum Beispiel beantragte er einen Mietenstopp.

Diesen zu erwirken war nicht einfach, sagt Mentrup. Eigentlich schreibt das Gesetz vor, dass Kommunen ihre Immobilien zum marktüblichen Preis vermieten müssen. Diesen ermittelt das Bewertungsamt vor jeder Neuvermietung und orientiert sich an den Mieten in der Umgebung.

Künstler konkurrieren also mit kommerziellen Geschäften. Für Kulturschaffende könne das "existenzbedrohlich" sein, schreibt die Stadt. Denn sie könnten mit dem, was Gewerbetreibende in München zu zahlen bereit sind, oftmals nicht mithalten.

Kulturreferat unterstützt Künstler bei den Mieten

Darauf, dass es das EU-Recht Städten in bestimmten Fällen doch möglich macht, günstigere Mieten zu verlangen, habe er mehrmals hingewiesen, sagt Mentrup. "Doch dass der Beschluss nun kommt, hätte ich nicht zu träumen gewagt."

Aus seiner Sicht profitiert die Münchner Kunstszene enorm: Denn zuvor gab es für Kulturschaffende, die Räume der Stadt mieteten, keine einheitlichen Regeln. Zwar unterstützte das Kulturreferat Künstler bei den Mieten. Zum Teil übernimmt sie diese komplett - jedoch musste da der Stadtrat immer zustimmen.

Von dem neuen Beschluss sollen auch Soloselbstständige etwas haben und Künstler, die erst dabei sind, sich eine Existenz aufzubauen. Fünf Jahre lang erhalten sie Mieterlasse. So ist es möglich, dass sie die ersten sechs Monate gar keine Miete zahlen, dann soll es eine gestaffelte Reduzierung zwischen 50 und 30 Prozent geben. Unterstützung erhalten zudem Künstler, die sich in einer "existenzbedrohenden Situation" befinden. Ihnen kann die Stadt die Miete ganz erlassen.

Aus dem Domagkatelier sei bis jetzt eine Künstlerin ausgezogen, weil sie nicht wusste, wie es weitergehen solle, sagt Verwalter Windmayer. Doch viele arbeiten schon jetzt an der nächsten großen Ausstellung - für die Zeit nach der Pandemie.

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