KVR lehnt Frauentaxis in der Nacht ab – Stadträte laufen Sturm

Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle will keine günstigen Taxis nur für Münchnerinnen. Im Rathaus finden das viele absurd – und fordern ein Konzept wie in anderen Städten.
| Felix Müller
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München - In Hannover hat sich das Konzept etabliert. Schon seit 1994 gibt es dort Frauentaxis. Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Heimfahrt von der nächstgelegenen Haltestelle nach Hause mit dem Taxi subventioniert. Sie kostet für Frauen 2,50 Euro weniger – die die Stadt Hannover zahlt. Die Grünen fordern ein solches Modell für München. Nun erreicht die Diskussion erneut den Stadtrat.

KVR-Chef: Frauentaxis diskriminieren Männer

Doch Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) will abwinken – was zu Protest führt. Böhle argumentiert, dass Frauentaxis Männer diskriminierten. "Eine Bezuschussung eines Frauen-Nacht-Taxis durch die Stadt München würde ausschließlich Frauen zugutekommen", schreibt er in einem Papier von 2018, das er dieser Tage wieder als Grundlage für die neuerliche Diskussion an die Stadträte sandte. "Männer dürfen diese Dienstleistung aufgrund ihres Geschlechts nicht nutzen."

Das sei "unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung problematisch". Außerdem verweist Böhle auf den Isartiger, ein Projekt, das im Westen der Stadt erprobt wird. Frauen – und Männer! – können dort samstagabends ab 19 Uhr und bis Sonntagfrüh um 2 Uhr an Haltestellen in "Tiger" einsteigen, die man vorab per Smartphone bestellt. Es handelt sich um Sammeltaxis, man muss also Umwege in Kauf nehmen, wenn andere Fahrgäste woanders hinwollen.

Grünen-Stadträtin: "Jede zweite Frau fühlt sich in Bus und Bahn unsicher"

Dafür ist der Preis günstiger. "Das ist ein Witz", sagte Grünen-Stadträtin Anja Berger der AZ. "So könnte man die ganze Frauenförderung in Frage stellen." Viele ältere Frauen hätten kein Smartphone. "Und es fühlt sich jede zweite Frau in Bus und Bahn unsicher – und nicht die Männer." Die Grünen fordern, dass Frauen von 22 Uhr bis 5 Uhr und im Winter von 21 Uhr bis 6 Uhr für Taxifahrten nur den halben Preis zahlen. Auch die SPD hat Zweifel an Böhles Plan.

"Wir sind nicht überzeugt, ob das die beste Lösung ist", erklärte Stadtrat Christian Vorländer. Thomas Ranft von der FDP sagte: "Lasst uns die Frauentaxis doch für ein Jahr ausprobieren, ob sie angenommen werden oder nicht." Sebastian Schall (CSU) hingegen sagte: "Es ist sehr wichtig, dass die Leute sich nachts sicher fühlen. Ich finde den Isartiger da gar keine schlechte Idee."

Böhle vertagte gestern die anstehende Entscheidung und will doch nicht nächste Woche abstimmen lassen. Das habe aber nichts mit der Stimmung im Stadtrat zu tun, hieß es aus dem Referat. Man müsse nur noch Details zum Konzept des Isartigers klären.

Lesen Sie hier den Kommentar: Absurde Argumente!

Lesen Sie auch: Junge Union - Mehr Videoüberwachung statt Frauentaxis

 

 

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