Bier-Streit auf der Auer Dult: Münchner Brauerei mit harter Kritik

In rund vier Wochen startet wieder die Maidult. Kaum ein anderes Ereignis verkörpert Tradition so sehr wie die Auer Dult. Viele der Standl gehören seit Jahrzehnten zum festen Bild des Marktes. Ob Bürsten, Antiquitäten oder Keramik – hier wird eigentlich jeder fündig. Gerade dieser zeitlose Charakter macht für viele den besonderen Reiz aus: Vieles ist geblieben, wie es immer war – große Veränderungen sucht man vergeblich.
"Tradition ist schön, aber neue Traditionen entstehen durch Veränderungen", schreibt hingegen die kleine Brauerei "Brewsli", die nur rund 500 Meter von der Dult entfernt ihr Bier braut, in einem Social-Media-Beitrag. Die Brauerei wollte in den vergangenen Wochen frischen Wind auf die Dult bringen.
Münchner Brauerei Brewsli will frischen Wind auf die Dult bringen
2021 eröffnete Benjamin Saller mit "Brewsli" ein Bier-Pub mit eigener Brauerei in der Auer Taubenstraße. Gebraut werden zahlreiche Craftbiere, aber auch ein klassisches Münchner Helles. Mitte März verkündeten die Betreiber auf Instagram, sich mit einem "kleinen Stehausschank" für das Fest beworben zu haben.
Beim Thema Bier sind auf der Dult die Brauereien Augustiner, Spaten und Paulaner die Platzhirsche. Mit der "Fischer Vroni", der "Feisingers Kas & Weinstub’n" und der "Heinz Wurst- und Hühnerbraterei" beliefern sie große Ausschankflächen. Vor wenigen Tagen wurde dann klar: "Brewsli" wird sich nicht in diese Riege einreihen.
Saller schrieb einige Tage später in einem weiteren Beitrag, dass seine Bewerbung abgelehnt worden sei. Die Begründung? Zumindest inoffiziell soll ihm telefonisch vom zuständigen Wirtschaftsreferat mitgeteilt worden sein, dass "mehr Bier nicht erwünscht ist". Schriftlich war hingegen davon die Rede, dass "Brewsli" im Punktesystem gegenüber einem Mitbewerber unterlegen sei.
Bewerbung abgelehnt: Kritik an Dult-Regeln und Vergabesystem
Laut Brauerei erfolgt die Vergabe für die Dult nach "Sparten". "Brewsli" habe dabei jedoch kurioserweise mit einer Cocktailbar konkurriert, die bereits auf der Auer Dult vertreten war – und nicht etwa mit Festzelten oder Imbissbuden. Der Zuschlag ging entsprechend an die Bar, die wiederum kein Bier ausschenkt.

Der Brewsli-Gründer zeigt sich fassungslos. An Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) gerichtet schreibt er: "Wie man sieht, bringt eine Bewerbung wenig, wenn man nicht einmal innerhalb der eigenen 'Sparte' konkurriert und Bier offenbar systematisch unerwünscht ist." Zudem spricht er von einem "Biermonopol" auf der Dult.
Wirtschaftsreferat widerspricht: So funktioniert die Vergabe auf der Dult
Auf Anfrage der AZ reagierte das Wirtschaftsreferat auf den Fall: Die angebliche telefonische Aussage, dass mehr Bier grundsätzlich nicht erwünscht sei, könne man nicht bestätigen. Wirtschaftsreferent Scharpf (SPD) erklärt zudem: "Alkohol wird nur an einem Stehausschank pro Dult sowie in den drei Imbisshallen mit Sitzmöglichkeiten ausgeschenkt." Welches Bier in den Zelten angeboten wird, entscheiden die Betreiber selbst – nicht die Stadt.
Bei der Auswahl des Stehausschanks, für den sich auch die Brewsli-Brauerei beworben hatte, kommt wiederum ein vom Stadtrat festgelegtes Punktesystem zur Anwendung. Kriterien im Leitfaden für Bewerber sind unter anderem die Qualität und Attraktivität des Warenangebots sowie die Dauer der bisherigen Teilnahme an der Veranstaltung.
Grundsätzlich sei die Auer Dult kein Volksfest, betont der Wirtschaftsreferent, sondern ein traditioneller Markt. "Bei der Auer Dult liegt das Augenmerk auf dem Warenverkauf", so Scharpf. Das Wirtschaftsreferat weist zudem darauf hin, dass sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell kleine regionale Brauereien in der Sparte Warenverkauf zugelassen wurden. Wer regelmäßig durch die Verkaufsgassen schlendert, kennt vielleicht das Standl von Haderner Bräu, das sein Bier in Flaschen zum Mitnehmen anbietet.
Inzwischen sucht Saller auf Instagram nach Räumlichkeiten für einen Brewsli-Stehausschank. Vielleicht gelingt es der Brauerei so zumindest, frischen Wind in die Münchner Gastrolandschaft zu bringen.