Der Traum der Bavaria: Ude im Bett mit Seehofer

Luise Kinseher (44) hält zum dritten Mal die Fastenrede. Die AZ analysiert ihren Auftritt – und erklärt, wie die angesprochenen Politiker auf die deftige Schlusspointe reagieren.
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Luise Kinseher geht in ihrer Rolle als Mama Bavaria im mittlerweile dritten Jahr auf.
dpa Luise Kinseher geht in ihrer Rolle als Mama Bavaria im mittlerweile dritten Jahr auf.

 

München - Luise Kinseher hatte im Vorfeld versprochen: „Die Rede wird heuer schärfer werden.“ Doch dann schlüpfte sie am Nockherberg wieder in die Rolle einer sanft scheltenden Mama. Wo Kabarettistin Kinseher (44) alias Bavaria punkten konnte, wo's eher fad war – die AZ gibt einen Überblick.

DIE GRUNDIDEE:
Die Landtagswahl im Herbst ist von Horst Seehofer als die „Mutter aller Schlachten“ bezeichnet worden. Drum bettet Kinseher ihre Rede in einen historischen Kontext ein. Die Mutter aller Schlachten habe in Wirklichkeit Ludwig der Bayer in Mühldorf ausgefochten – vor 700 Jahren. Ein Geschichts-Exkurs am Nockherberg? Zumindest Hobby-Historikern dürfte das wohl gefallen haben. Das Publikum am Nockherberg blieb eher verhalten.

WAS KLAPPT:
Am stärksten ist Kinseher, wenn sie Politikern knackig-pointierte Beinamen verleiht. Aus Verbraucherschutzministerin Aigner wird „unsere liebe Ilse – die verbrauchte Ministerin“. Die grüne Parteichefin Claudia Roth ist „der sprechende Gemüsespieß“. Und Justizministerin Beate Merk wird als „ministeriales Unterseeboot“ bezeichnet – wegen ihrer Gabe zum Abtauchen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist für Kinseher ein Mann, der sagt, was er denkt: „Drum sagt er so wenig.“ Freilich müssen auch Ministerpräsident Horst Seehofers berühmt-berüchtigte Kehrtwenden am Nockherberg vorkommen. Kinseher belehrt: Die schnelle 180-Grad-Wende, um zu sehen, ob im toten Winkel nicht der Feind lauert, habe eigentlich die russische U-Boot-Marine erfunden. Name des Manövers: „Der irre Iwan.“ Bleibt abzuwarten, ob sich dieser Titel für Seehofer durchsetzt.

WAS NICHT KLAPPT:
Manche der Gags sind schon ausgelutscht. Wenn die Bavaria Bayerns SPD-Chef Florian Pronold als „Leichtmatrosen“ bezeichnet. Oder Brüderles Dirndl-Spruch weiterspinnt. Oder Söders Uralt-Spitznamen für Haderthauer nochmal thematisiert: „Fury, das Pferd.“ Auch die eine oder andere Anekdote, auf die Kinseher sich bezieht, ist schon eine gefühlte halbe Ewigkeit her. Zum Beispiel Joachim Herrmanns Bagger-Unfall, der war im Mai vorigen Jahres. Die Paulaner-Gäste stört's nicht, sie lachen trotzdem.

Sehen Sie hier: Bilder vom Promiauflauf auf dem Nockherberg

WO ES SCHARF WIRD:
Zumindest an einer Stelle ihrer Rede wird Kinseher richtig politisch und bissig. Den Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger watscht sie als jemanden ab, der mit seiner Anti-Euro-Polemik Auswüchse entwickle, „und zwar nach rechts“. Ihm gibt sie mit auf den Weg: „Bloß weil du ein Landwirt bist, brauchst nicht glauben, dass du aus deiner Partei einen Saustall machen kannst.“

WER GUT WEGKOMMT:
Ein Lieblingskind der mütterlichen Bavaria scheint dagegen SPD-Mann Ude zu sein. Vor einigen Jahren war Kinseher – jenseits des Nockherbergs – sogar zu dessen OB-Amtsjubiläum aufgetreten. Jetzt sagte sie über ihn: „Der Christian beweist uns die Demut und Bescheidenheit der bayerischen Sozialdemokratie, die versucht, mit einer einzigen Wunderkerze ein großes Feuerwerk zu veranstalten.“

WER NICHT VORKOMMT:
Das ist: der Seppi. CSU-OB-Kandidat Josef Schmid findet mit keinem Wort Erwähnung. Genau wie die grüne Herausforderin Sabine Nallinger. Und man weiß ja: Nichts ist schlimmer für Politiker als gar keine Erwähnung. Zumal SPD-OB-Kandidat Dieter Reiter sehr wohl genannt wird. Der habe ja sogar die Unterstützung von Meistermacher Uli Hoeneß, frotzelt die Bavaria. „Das sollte man aber nicht überschätzen. Nach Ude ist dem Hoeneß jeder recht.“

DER RAUSSCHMEISSER:
Am Schluss kommt Kinseher nochmal auf die „Mutter aller Schlachten“ zurück, also die in Mühldorf. Damals habe Ludwig der Bayer (heutige Parallel-Gestalt: Seehofer) gewonnen und dem unterlegenen Friedrich dem Schönen (übertragen aufs Jetzt: Ude) später die Mitregentschaft angeboten. Wie im Mittelalter üblich hätten die beiden Herrscher, um Einigkeit und Frieden zu demonstrieren, öffentlich in einem Bett geschlafen. Sie, die Mama Bavaria, werde sie dann gern zudecken. „Brrr!“ Allein bei dem Gedanken schauderte es Seehofer-Herausforderer Ude. Er mit Seehofer in einem Bett? Da schüttelte sich der Münchner OB: „Niemals! Diese Schlussvision ist ja schrecklich.“ Mit ihm werde es keine Große Koalition geben. CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer grinste: „In meiner Kindheit waren wir immer mehrere in einem Zimmer“, sagte er zur AZ. „Da kann man Kissenschlachten machen, Schabernack treiben und Witze erzählen.“ Allerdings fügte Seehofer an: „Meine Mutter hat uns nicht nur zugedeckt. Die hat auch dafür gesorgt, dass Ruhe ist.“

 

 

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