"Anders als man denkt": Die CSU fährt beim CSD mit

Erstmals nimmt die Union mit einem eigenen Wagen beim Christopher Street Day teil. Die AZ erklärt, wer sich das ausgedacht hat – und wer mitfahren soll.
| Michael Schilling
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Am 9. und 10. Juli wird's wieder bunt in München - die CSU ist erstmals mit einem eigenen Wagen vertreten.
dpa Am 9. und 10. Juli wird's wieder bunt in München - die CSU ist erstmals mit einem eigenen Wagen vertreten.

München - Die Idee, dass die CSU mit einem eigenen Wagen am Münchner Christopher Street Day teilnimmt, ist nicht ganz neu. Schon vor drei Jahren, als in Ludwig Spaenle und Josef Schmid erstmals zwei Parteigranden beim Regenbogenfest auftraten, hatte Deutsche-Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel den Schwarzen eine Idee schmackhaft machen wollen: Die CSU solle bei der Politparade unter dem Motto "Black is beautiful" mit einer schwarzen Kutsche teilnehmen, gezogen von gutgebauten schwarzen Männern im Fetisch-Geschirr.

Die Idee setzte sich nicht durch – was nicht nur daran lag, dass der "Black is beautiful"-Slogan rechtlich geschützt und damit nicht verfügbar war. Die CSU, beschied Schmid dem Wirt, sei dafür vielleicht noch nicht ganz, nun ja, reif.

Welche Partei-Promis mitfahren? Ilse Aigner gilt als Kandidatin

Heuer ist sie es. Beim diesjährigen CSD (9. und 10. Juli) wird die CSU mit einem eigenen Truck mitfahren. Angemeldet hat ihn die LSU, die Organisation der Lesben und Schwulen in der Union.

Patrick Slapal, Mitglied der JU und Mitgründer des lesbisch-schwulen Netzwerks in der CSU, spricht vom "gesellschaftlichen Ziel" der Gleichstellung, das endlich auch von der CSU verfolgt werden solle. Auf den erzkonservativen Flügel der Union, der sich Homo-Ehe & Co. hartnäckig verweigert, könne man keine Rücksicht nehmen.

Lesen Sie hier: FDP-Stadtrat Mattar wünscht sich Regenbogen-Arena

In dieser Hinsicht hat er die Rückendeckung von CSU-Bürgermeister Josef Schmid, der heuer wieder mit OB Dieter Reiter (SPD) an der Spitze der CSD-Parade marschieren wird. Welche prominenten Parteimitglieder zu den 40 Menschen auf der Ladefläche des CSU-Trucks stehen werden, ist noch unklar. Der Kabarettist Jürgen Kirner ("Couplet-AG") jedenfalls wird sicher dabeisein – und will in diesen Tagen um Mitfahrer werben. Er werde auch Ministerpräsident Horst Seehofer ansprechen, sagt Kirner der AZ. Größere Chancen rechne er sich aber bei Wirtschaftsministerin Ilse Aigner aus. Man darf gespannt sein.

Ein Sponsor, der die Partei noch nie gewählt hat

Das Motto des Münchner Unions-Wagens ist übrigens auch an die Landespartei angelehnt. Die wirbt mit dem Slogan: "Bayern. Das Land." Auf dem Truck soll stehen: "Bayern. Die Vielfalt."

Das haben sich Patrick Slapal und seine Mitstreiter ausgedacht. Slapal: "Ein Untermotto wird lauten: CSU – anders als man denkt." In den kommenden Wochen will er den Kontakt zu anderen schwul-lesbischen Parteigruppen und CSD-Teilnehmern suchen, um das Feld für die CSU-Premiere zu bereiten: Die Schwarzen wissen, dass sie in der Regenbogen-Community oft auf Ablehnung stoßen werden.

Die CSU mit ihrem konservativen Weltbild ist vielen ein gewachsenes Feindbild – nicht erst, seit der damalige Generalsekretär und heutige Verkehrsminister Alexander Dobrindt Schwule und Lesben als "schrille Minderheit" verunglimpft hat. Drei Jahre ist das erst her.

Damals wie heute hat Deutsche-Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel seine Finger mit im Spiel, wenn es um einen CSU-CSD-Wagen geht: Diesmal tritt der Gastronom als Sponsor des schwul-schwarzen Wagens auf. "Es ist wünschenswert, dass sich die CSU in diesem Punkt bewegt", sagt Geldgeber Holzapfel. Deshalb engagiere er sich. Allerdings: "Ich habe noch nie CSU gewählt."

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