Wechselwilliger Fein-Fuß wieder fit FC Bayern: Jetzt steht bei Thiago zumindest eine Sache fest

Sein Vertrag schien fast schon verlängert, nun droht ein Abschied aus München: Bayerns Ballzauberer Thiago. Foto: Tom Weller/dpa

Thiago zögert mit seiner Vertragsverlängerung beim FC Bayern, Trainer Flick verteidigt ihn gegen die Kritik von Matthäus: "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der einem Team das gewisse Etwas gibt."

 

München - Kaum eine Personalie im Kader des FC Bayern ist so umstritten wie die von Spielmacher Thiago. Am Spanier entzündet sich stets ein lebhafter wie kontroverser Streit unter Fans und Medien, wie wertvoll er und sein Spiel tatsächlich sind für die Münchner.

Seit Thiago 2013 vom FC Barcelona auf Wunsch des damals frisch gestarteten Pep Guardiola zu Bayern wechselte, wurde man jede Saison Meister, erreichte vier Mal das Halbfinale der Champions League. Aber bis dato eben nie das Finale. Andererseits: Keiner der Meisterkicker ist fußballerisch so unbestritten fantastisch wie der 29-Jährige.

Matthäus: Thiago ist kein "Key-Player"

Experten wie Rekordnationalspieler Lothar Matthäus werfen jedoch Thiago vor, "kein Key-Player" und "in wichtigen Spielen zu oft untergetaucht" zu sein. Eine Frage der Mentalität oder, wie man neudeutsch sagt: von Leadership. Ist Thiago die Führungskraft, mit der man den bis 2021 datierten Vertrag unbedingt verlängern muss?

Die Bayern-Bosse wollen, Thiago wollte – doch kurz vor knapp, als die neu ausgearbeiteten Arbeitspapiere vorlagen, nicht mehr. Laut "Sport Bild" habe er kurzfristig einen Rückzieher gemacht. Was jedoch nicht heißt, dass damit Thiagos vorzeitiger Abschied schon in diesem Sommer gegen eine hohe zweistellige Ablösesumme beschlossen wäre. Im Gegenteil: Nix is’ fix und vor allem Hansi Flick, ein bekennender Fan von Thiago, setzt sich weiter für einen Verbleib des Sechsers ein, der ein wesentlicher Baustein seiner (Mittelfeld-) Planung ist.

Also verteidigte der Cheftrainer seinen Spielmacher gegen Kritik von außen, selbst wenn sie wie in diesem Fall von Flicks Kumpel und ehemaligem Mitspieler Matthäus kam. "Es gibt immer sogenannte Experten, die eine eigene Meinung haben", begann Flick am Freitag und fuhr mit einem erneuten Statement der Wertschätzung fort. "Wenn man ihn täglich sieht, was für eine außergewöhnliche Qualität er hat, gibt es für mich keine zwei Meinungen über seine Qualität mit dem Ball. Aber jetzt hat man immer mehr gesehen, dass er sie auch als Sechser gegen den Ball hat", so Flick: "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der einer Mannschaft das gewisse Etwas gibt. Das ist meine Meinung – und ich glaube, da gibt es auch keine zweite." Wenn es denn so wäre...

Thiago fit für Pokal-Finale

Bleibt bzw. verlängert Thiago, hätte Flick in seinem Mittelfeld-Konzept mit zwei Sechsern und einem Zehner (Freigeist Thomas Müller ist gesetzt) die Wahl zwischen dem Spanier, Joshua Kimmich und Leon Goretzka – das Duo der DFB-Nationalspieler hat vor allem seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Corona-Pause seine Stärke unter Beweis gestellt. Geht Thiago doch, könnte Flick bei seinen Bossen insistieren, sich jetzt um Mega-Talent Kai Havertz (21) von Bayer Leverkusen zu bemühen, der auch unbedingt in diesem Sommer wechseln möchte. Eine Frage des Preises.

Am Freitag trainierte Thiago, der nach seinem bis dato letzten Einsatz am 10. Juni im DFB-Pokalhalbfinale gegen Eintracht Frankfurt (2:1) an der Leiste operiert wurde, individuell – erstmals auch wieder mit dem Ball. "Er zeigt eine gute Entwicklung, es gibt keine Rückschläge", meinte Flick über Thiagos Reha-Programm, das auf einen Kaderplatz im Cup-Endspiel am 4. Juli gegen Bayer Leverkusen in Berlin ausgerichtet ist. Der Bayern-Trainer: "Der Plan ist, dass er dabei ist." Bei seinem möglicherweise letzten Pokalfinale? Flick kämpft um Thiagos Ja-Wort, was den neuen Vertrag betrifft. Das letzte Wort ist längst noch nicht gesprochen im Fall Thiago.

 

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