Videotraining und Kurzarbeit Wie der TSV 1860 geschlossen durch die Krise kommen will

"Unser Ziel ist es, dass alle Mitarbeiter ihre Existenz bestreiten können", sagt Löwen-Geschäftsführer Gorenzel über die Kurzarbeiter-Regelung, die auch Spieler wie Mölders (links) und Owusu betrifft. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der TSV 1860 kämpft sich durch die Corona-Krise. Kurzarbeitergeld ist bereits beantragt, mit der Stadt gibt's Gespräche über eine Mietminderung.

 

München - Donnerstagvormittag, 11 Uhr, Grünwalder Straße: Michael Köllner und Günther Gorenzel sitzen – mit etwas mehr Abstand als gewöhnlich – im Konferenzraum der Sechzig-Geschäftsstelle.

"Herzlich willkommen zum ersten Video-Pressegespräch in der Geschichte des TSV 1860", leitete Pressesprecher Rainer Kmeth ein: Inmitten der Corona-Krise haben sich Trainer und Geschäftsführer erstmals nur in der digitalen Welt mit der Journalistenrunde verabredet, um über die Konsequenzen der Pandemie für die Löwen gesprochen. Die AZ fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.

1860 beantragt Kurzarbeit: Sportchef Gorenzel bestätigte: Die Löwen sind seit Anfang April in Kurzarbeit. "Alle Mitarbeiter müssen in Zeiten wie diesen auf Geld verzichten", sagte Gorenzel: "Wir haben kurzfristig ein eigenes Modell erarbeitet, dass aus Kurzarbeitergeld besteht – und einer freiwilligen Aufstockung der KGaA. Unser Ziel ist es, dass alle Mitarbeiter ihre Existenz bestreiten können."

Die Spieler seien weiter versichert und könnten auch zeitlich ihren täglichen Trainingsbetrieb ableisten. Zur Erklärung: Kurzarbeiter erhalten 60 Prozent des Nettolohns (67 Prozent mit einem Kind). Diese Summe wird von den Löwen aufgestockt. Gorenzel nannte auf Nachfrage keine Prozentzahl, im Umfeld von 1860 ist von 80 Prozent die Rede.

1860 braucht Unterstützung des DFB und der Stadt München 

Eindringlicher Appell an den DFB: Kritische Worte richtete der 48-Jährige an den Deutschen Fußballbund. "Fakt ist, dass der DFB angekündigt hat, die Vereine zu unterstützen. Die ersten Ansagen – das muss man ganz klar sagen – sind verpufft", sagte Gorenzel, der sich vom Verband im Stich gelassen fühlt. Derzeit habe 1860 "noch kein Liquiditätsproblem", aber die fußballfreie Zeit könne man nur wenige Monate überbrücken.

Ohne Finanzspritze vom DFB stehe für viele Drittligisten – nicht zuletzt 1860 – die Existenz auf dem Spiel: "Der Fußball wird die Krise nur meistern, wenn wir über bisherige Szenarien hinausdenken und sich alle Beteiligten solidarisch erklären." Dazu würden auch Erleichterungen bei der Lizenzierung gehören.

Mietminderung des Grünwalder Stadions: Im Normalfall führt Stadionmieter Sechzig nach AZ-Informationen acht Prozent der Zuschauereinnahmen an die Stadt ab. Was heißt das, sollte es demnächst Geisterspiele geben, mit denen Köllner und Gorenzel ab Mai rechnen? "Michael Scharold steht im intensiven Austausch mit der Stadt", bestätigte Gorenzel die Verhandlungen seines Geschäftsführerkollegen.

Sechzigs Segen, mit 15.000 Zuschauern so gut wie immer eine volle Stadionauslastung zu haben, gerät bei Duellen vor leeren Rängen zum Fluch: "Bei uns ist permanent ausverkauft, daher haben wir hier mit hohen Einnahmen kalkuliert." Ein Mietnachlass seitens der Stadt würde 1860 entlasten.

Tägliche Geschichtsstunde und Video-Workout für die Löwen

Videotraining im "Homeoffice": Täglich um 9 Uhr erwartet die Spieler um Torjäger Sascha Mölders ein Video-Workout mit Köllner und Fitnesstrainern. "Das Problem aller Menschen ist diese Unsicherheit, die zeitliche Orientierungslosigkeit. Jeder braucht eine gewisse Struktur", sagte Köllner. Zudem habe Sechzig den Akteuren individuelle Laufpläne erstellt. Dazu gesellen sich Balltraining in Garage oder Garten und ein wöchentliches Yoga-Training.

Geschichtsstunde mit dem Löwen-Dompteur: Wer Köllner kennt, der weiß: Der Coach hat sich in der fußballfreien Zeit etwas ausgedacht. "Sie kriegen täglich von mir eine Geschichte", sagte der 50-Jährige: Gestern sollten die Sechzger "Beobachtungen einer Schneeflocke" von Michael Altenhofer lesen – und daraus die Lehre ziehen, dass man neue, unbekannte Wege durch den Tiefschnee gehen müsse. Oder eben durch die Corona-Krise.

Lesen Sie hier: So hält Köllner seine Spieler in der Corona-Krise bei Laune

 

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