Torhüter-Duell Faktencheck zur Hoeneß-Kritik Hat der Präsident des FC Bayern recht?

Meinungsstark: Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern. Foto: imago/Jan Huebner

Uli Hoeneß hat in den letzten Tagen zum Rundumschlag gegen den DFB und Marc-Andre ter Stegen ausgeholt. Doch hat der Präsident mit seinen Aussagen auch Recht? Der Faktencheck.

 

München - Der Frontalangriff von Uli Hoeneß auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit Bundestrainer Joachim Löw und Direktor Oliver Bierhoff hat im deutschen Fußball ein Beben verursacht. Was ist dran an den Vorwürfen des Bayern-Präsidenten in der Torwartdebatte um DFB-Kapitän Manuel Neuer und Herausforderer Marc-Andre ter Stegen? Der Faktencheck.

Ter Stegen hat "überhaupt keinen Anspruch" in der Nationalmannschaft zu spielen, weil Neuer "viel besser und viel erfahrener" ist.

Der Punkt Erfahrung geht an den sechs Jahre älteren Neuer (33), wenngleich ter Stegen mit weit über 300 Klub-Pflichtspielen keinesfalls ein Novize ist. Statistisch gesehen sind beide auf ähnlich hohem Niveau. Ter Stegen pariert häufiger Bälle, bekommt beim FC Barcelona aber auch deutlich mehr aufs Tor. Einzig bei langen Pässen gibt es größere Unterschiede: Dort liegt jedoch ter Stegen vor Neuer.

Ter Stegen "beschädigt einen völlig untadeligen Sportsmann wie den Manuel Neuer".

Ter Stegen hat seine DFB-Reservistenrolle beklagt ("schwerer Schlag"), ohne jemanden anzugreifen. Das ist legitim. Neuers Konter ("Weiß nicht, ob das förderlich ist") nannte der Ex-Gladbacher "unpassend". Das war nicht nett, aber bei Weitem keine Demontage.

Neuer wird "als altes Eisen dargestellt, der nach der Europameisterschaft aufzuhören hat".

Von Löw, Bierhoff oder DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke gibt es keine einzige Aussage, die sich in diese Richtung deuten ließe. Es war die "Sport Bild", die am Mittwoch berichtete, dass Neuer sich "ernsthaft" mit einem Abschied vom DFB nach der EM 2020 beschäftige.

Die Stärke der DFB-Verantwortlichen ist es, "in den Wald zu gehen und zu pfeifen".

Löw hat die Lage mit unbedachten Aussagen über den "gewollten Konkurrenzkampf" unnötig befeuert. Seinen jüngsten, harmonisierenden Äußerungen fehlte Klarheit, zudem neigte er bei anderen Problemen häufiger zum Aussitzen. Aber: Er hat Neuer mehrfach als klare Nummer 1 bestätigt - mit der Einschränkung: bis zur EM.

Vom DFB gibt es für die Bayern "ständig Theater".

Die Ausbootung der drei Münchner 2014er-Weltmeister Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller war sportlich vertretbar, Zeitpunkt sowie Art und Weise diskutabel. In Sachen Neuer hat der DFB nie "Theater" gemacht, Löw hielt auch in der schweren Phase vor der WM 2018 an ihm fest.

Dagegen sind die Attacken von Hoeneß oder Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in Richtung DFB Legion. Ob Präsident, Bundestrainer oder die Anzahl der Länderspiele - alles wurde häufiger kritisiert. Oft, aber nicht immer zurecht.

Bierhoff war bereits 2006 "mitverantwortlich" für das "Chaos" bei Kahn und Lehmann.

Der damalige Teammanager trug die Entscheidung des Trainerteams um Jürgen Klinsmann und Löw mit, Kahn zu Lehmanns Gunsten zu degradieren. Der Zeitpunkt der Verkündung am Vortag eines wichtigen Bayern-Spiels war unglücklich. Von "Chaos" zu reden führt allerdings zu weit.

Lesen Sie hier: Hoeneß' Kritik am DFB: Viele Verlierer - zwei Gewinnerchen

 

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