Sanches, Alonso und Thiago Zentrales Mittelfeld: Das Bayern-Herz krankt

Schwächeln im Zentrum, das einst Bayerns Herzstück war: Xabi Alonso, Renato Sanches und Thiago (v.l.). Foto: AZ-Montage/firo (2), Rauchensteiner/bd. Augenklick

Das zentrale Mittelfeld, unter Ex-Trainer Pep Guardiola das Herzstück, ist nun Bayerns Schwachstelle. Und jetzt könnte noch Arturo Vidal länger ausfallen.

München - Es ist keine gewagte These, dass ein fitter Arturo Vidal dem FC Bayern aktuell besonders guttun würde.

Nun, da das Team von Trainer Carlo Ancelotti drei Pflichtspiele in Folge nicht gewonnen hat und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge öffentlich die Einstellung der Bayern-Stars hinterfragt. Über Vidal hat man einen Vorwurf noch nie gehört: Dass er mit zu wenig Motivation auf den Platz geht. So, wie das einige seiner Kollegen beim 2:2 in Frankfurt getan hatten.

Auch Trainer Ancelotti und Kapitän Philipp Lahm kamen zu diesem Schluss. Doch mit Vidals körperlicher Verfassung ist das so eine Sache. Zum WM-Qualifikationsspiel gegen Peru trat der Chilene mit einer Grippe an. Vidal spielte klasse, erzielte beide Tore beim 2:1-Sieg – und verletzte sich. Umgeknickt, der Knöchel schmerzt, ihm droht eine längere Pause. „Für dieses Trikot gebe ich alles“, sagte Vidal danach. Manchmal vielleicht zu viel. Für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen die PSV Eindhoven fällt der 29-Jährige aus, womöglich fehlt er bis zur nächsten Länderspielpause im November.

Eine bittere Nachricht für die Bayern, die auf Vidals Position im Mittelfeldzentrum nicht erst seit dem Frankfurt-Spiel Probleme haben. Bayerns krankes Herz. Das Gebiet, das unter dem Mittelfeldfetischisten Pep Guardiola zum Wertvollsten gehörte, was Bayern zu bieten hatte, ist zu einer Schwachstelle geworden. Plötzlich dominieren die Xabi Alonsos und Thiagos ihre Gegner nicht mehr, sondern wirken nervös, teils orientierungslos. In Frankfurt lag die Fehlpassquote bei fast 20 Prozent. Ein Wert, der unter Guardiola unvorstellbar gewesen wäre. „Wir können so nicht weiterspielen“, stellte Arjen Robben fest. Besonders auf die Bayern-Zentrale trifft dieser Satz zu. Woran liegt das?

An Müdigkeit, die Ancelotti seiner Mannschaft zuletzt attestierte, obwohl er ständig rotiert und die Saison erst zehn Spiele alt ist? Dieses Argument darf nicht gelten, schließlich hatten Spieler wie Lahm oder Alonso wegen der EM sehr lange Urlaub. Sie müssten frisch sein, sind es aber nicht. „Alonso ist nach wie vor ein richtig guter Spieler“, sagte Ex-Coach Jupp Heynckes, der die Bayern 2013 zum Triple geführt hat, im „Kicker“: „Er muss aber frisch und ausgeruht sein. Er ist im Spätherbst seiner Karriere.“ Die ersten Stimmen sind schon zu vernehmen, dass Ancelotti im physischen Bereich zu lasch trainieren lasse. Andererseits gewannen die Bayern in dieser Saison schon einige Spiele durch Tore in der Schlussphase (HSV, Schalke), was gegen den Vorwurf der konditionellen Mängel spricht.

Klar zu erkennen ist, dass die unter Guardiola einstudierten Abläufe aktuell nicht funktionieren. „Das war nicht Bayern“, sagte Rummenigge in Frankfurt. In der Tat: Lange Pässe von Mats Hummels oder Jérôme Boateng aus der Viererkette gehörten in den vergangenen Jahren nicht unbedingt zur Bayern-DNA. Doch im Zentrum fehlen oft die Anspielstationen, auch weil die Außenverteidiger Lahm und David Alaba – anders als früher – auf ihrer Seite bleiben und die defensiven Mittelfeldspieler seltener unterstützen. Das mündet darin, dass der Ball nicht schnell genug in die Angriffspositionen getragen wird: Bayern spielt insgesamt weniger Pässe als unter Guardiola und hat weniger Torchancen.

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Dabei sind Ancelottis Bayern personell noch stärker aufgestellt. Renato Sanches sollte schon in dieser Saison eine Verstärkung sein, doch der 19-Jährige kämpft nur mit sich, er hat noch nicht eine überzeugende Leistung gezeigt. Allein Joshua Kimmich, der in Frankfurt sein sechstes Tor in dieser Saison erzielte, überrascht positiv. Er schießt die wichtigen Tore, die sonst Vidal macht. Und muss das jetzt wohl noch eine Weile fortsetzen.

 

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