Rückblick zum TSV 1860 Von Nürnberg bis Ismaik: Die fünf Löwen-Momente 2018

Hasan Ismaik vor Tausenden Löwen-Fans - der etwas andere Jahresrückblick auf den TSV 1860. Foto: AZ-Montage/imago/MIS/Sven Simon

Ein aufregendes Jahr liegt hinter dem TSV 1860: Löwen-Invasion beim 1. FC Nürnberg, Meisterfeier beim FC Pipinsried, Warten auf Hasan Ismaik - hier erzählt AZ-Löwen-Reporter Patrick Mayer von Erinnerungen mit Sechzig, die bleiben.

 

München - "Biero ist für mich geisteskrank", sagt Christian Köppel: "Der hat einen hier oben." Es ist der 27. Mai 2018, ein hochsommerlicher Frühsommerabend in Giesing, Grünwalder Stadion. "Köppi", wie ihn die Fans rufen, huldigt im Gespräch mit der AZ seinem Trainer, Daniel Bierofka.

Tausende 1860-Anhänger säumen Giesing

Der TSV 1860 ist seit einer Stunde Drittligist, zurück im Profifußball, hat in einem wahren Relegations-Krimi den 1. FC Saarbrücken bezwungen (3:2, 2:2). Zu Tausenden säumen die Löwen-Anhänger ihr Viertel - zwischen Giesinger Berg und Grünwalder Straße, zwischen Candidplatz und Tegernseer Landstraße.

Es sind emotionale, spektakuläre Szenen - aber nur eine von fünf persönlichen Momentaufnahmen zum TSV 1860 im Jahr 2018.

1. Löwen-Invasion in Nürnberg (24. Februar 2018)

Als ich an einem Samstagmorgen, es ist bitterkalt, frühmorgens von München nach Nürnberg fahre, erahne ich nicht, was mich Stunden später erwarten und dann tagelang nicht mehr loslassen wird. Schon vor dem Max-Morlock-Stadion warten Tausende Sechzig-Anhänger auf das erste Pflichtspiel seit langer Winterpause, in der WM-Arena dann der Aha-Moment: die blaue Wand aus 14.000 Löwen-Fans. (Lesen Sie auch: Wenn dir 14.000 Löwen zeigen, was im Fußball wirklich zählt)

Es herrscht eine Stimunng als ginge es um den DFB-Pokal oder den Einzug in den Europapokal. Mindestens. Dabei ist der Löwe - mit Verlaub - "nur" bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg zu Gast. Doch: Wer nur den geringsten Verdacht hatte, dieser Verein könnte irgendwann im Chaos untergehen, sieht sich nachhaltig eines Besseren belehrt.

Im Video: Der ganze 1860-Wahnsinn in Nürnberg!

2. Löwen-Meister-Party auf dem Land (5. Mai 2018)

Es ist Anfang Mai, mittlerweile hochsommerlich. Bemerkenswert, so früh im Jahr. Ich fahre mit dem Pkw nach Pipinsried ins Dachauer Hinterland, beziehungsweise verfahre mich zwei, drei Mal. Irgendwann, zwischen ewig weiten Sonnenblumenfeldern, sehe ich sie am Horizont: Dutzende Reisebusse mit Löwen-Schals in den Heckscheiben.

Pipinsried, puh, gerade noch pünktlich angekommen! Ich parke unter dem Verschlag eines Sägewerkes. Auch mal interessant! Fünf Minuten später stehe ich vor der nächsten blauen Wand. 7.000 sind diesmal da, dicht an dicht aufgereiht auf einer eigens angelegten Naturtribüne am Hang. Für den TSV 1860 geht es schließlich um die Meisterschaft in der Regionalliga Bayern.

Im Video: Der 1860-Platzsturm in Pipinsried

Noch eine Viertelstunde zu gehen, es steht 2:0 für Sechzig, da brandet Riesen-Jubel auf, als würde der portugiesische Erstligist Marítimo Funchal gerade den Wechsel von Cristiano Ronaldo auf seine Heimatinsel Madeira bekanntgeben. Den Sturm der Begeisterung löst ein ähnliches Ereignis aus: Timo Gebhart gibt sein Comeback, nach Monaten der Entbehrungen.

Er wird nicht mehr entscheidend eingreifen. Doch für die Löwen-Fans zählt vor allem, dass einer von ihnen wieder dabei ist. Und kurz darauf mit ihnen in einem riesigen Platzsturm die Meisterschaft feiert.

3. Relegations-Wahnsinn gegen Saarbrücken (27. Mai 2018)

Es gibt im Fußball diese vermeintlich flapsigen Sprüche, die eine Situation so präzise nüchtern beschreiben, dass sie wahrscheinlich der Realität am nächsten kommen. Einer dieser Sätze lautet: 'Den Elfmeter wollte er!' Er huscht mir an jenem denkwürdigen 27. Mai während des Relegationsendspiels der Löwen über die Lippen - Grünwalder Stadion, eineinhalb Stunden vor dem Köppel'schen "Geisteskrank"-Zitat.

Es läuft die 65. Spielminute: Sechzig liegt 0:2 hinten, Saarbrücken stünde als Aufsteiger fest, da bricht dieser schmächtige Kerl in den Strafraum der Saarländer durch: Benjamin Kindsvater. Eine deutliche Berührung und der junge Oberbayer nähert sich in ICE-Geschwindigkeit und mit ganzer Körperlänge dem Rasen des Sechzgerstadions. Millisekunden wie eine gefühlte Ewigkeit, dann ertönt der Pfiff.

Im Video: Fanmarsch, Pyro, Ekstase - der Löwen-Aufstieg im Video

Und noch während Sascha Mölders jubelnd nach dem Strafstoß zum 1:2 abdreht, huscht mir wieder dieser Satz über die Lippen: 'Den Elfmeter wollte er!' Sechzig gleicht wenig später aus, steigt auf - und die Ekstase nimmt ihren Lauf.

4. Löwen-Kantersieg gegen Lotte (4. August 2018)

Neues Terrain, zweiter Spieltag in der 3. Liga: Der TSV 1860 empfängt die Sportfreunde Lotte auf Giesings Höhen. Wen? Die Sportfreunde Lotte, richtig. Diese, beheimatet in einem 14.000-Einwohner-Städtchen, sind auch Drittligist - und an diesem Tag gar nicht gut drauf.

Letzten Endes schießen die Sechzger den Gegner aus dem Grünwalder, noch so ein Spruch aus dem Fußballjargon - 5:1! Und tatsächlich, einen solchen hohen Sieg gab es für die Giesinger im Profifußball seit Jahren nicht mehr. Genau genommen seit sieben Jahren nicht.

Damals, am 6. August 2011, besiegten die Löwen Energie Cottbus in der Zweiten Liga 5:0. Die Torschützen hießen unter anderem Stefan Aigner, Kevin Volland und Benny Lauth. Und: Der heutige Trainer, Bierofka, stand noch als Sechser auf dem Platz. Schon 'ne Weile her...

5. Das Ismaik-Millionen-Spiel (4. Dezember 2018)

In bald drei Jahren Löwen-Reporter habe ich eines gelernt: In Giesing läuft kaum eine Lösung ohne eine Spitze des einen Gesellschafters gegen den anderen. Und genau so verhält es sich an diesem Dienstagabend, 4. Dezember. Unvermittelt erreicht eine Pressemitteilung die Münchner Redaktionen, von Mehrheitseigner Hasan Ismaik, angereichert durch Zitate seines Sprechers Saki Stimoniaris.

In der Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße 114 floß zuvor mutmaßlich vor lauter Bangen der Schweiß, ob eine abgerufene Zahlung von 1,5 Millionen auch wirklich rechtzeitig eintrifft. Wieder mal warteten die Sechzger auf ihren Investor. Wieder mal leistete dieser seine Zahlung in allerletzter Minute - mit freundlichen Grüßen an seine Gegner im Verein. (Lesen Sie auch: Wende in Giesing: Hasan Ismaik packt die Millionen aus!)

Und als ich hastig meine Zeilen in die Tastatur hacke, weiß ich: Sechzig ist wieder Sechzig. Diesmal im negativen Sinne. Und das Chaos längst nicht gebannt!

Lesen Sie hier: 2018 - das Jahr der Wiedergeburt des TSV 1860

 

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