2018 - das Jahr der Wiedergeburt des TSV 1860

Daniel Bierofka und dem TSV 1860 gelingt nach dem Absturz der Aufstieg in die 3. Liga – und ganz Giesing feiert. Doch abseits des Rasens bleibt es weiter schwierig. Das liegt vor allem den Machtkämpfen mit Investor Hasan Ismaik.
| Matthias Eicher
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Die Spieler des TSV 1860 feiern den Aufstieg in die 3. Liga.
sampics/Augenklick Die Spieler des TSV 1860 feiern den Aufstieg in die 3. Liga.

München - Amateurfußball. Machtkämpfe. Partymeile Giesing. 2018 war selbst für die Verhältnisse des TSV 1860 ein Jahr der Extreme. Nach dem dramatischen Absturz aus der Zweiten Liga im Sommer 2017 wusste niemand so genau, was da kommen würde. Würden die Löwen im Niemandsland versinken? Schafft Daniel Bierofka das Wunder, seinen Herzensverein am Leben zu halten? Es folgte das Jahr der Wiedergeburt.

Sechzigs Trainer und seine Elf an jungen Recken aus der eigenen Jugend und alten Routiniers wie Torjäger Sascha Mölders, Spielmacher Timo Gebhart und Abwehr-Turm Jan Mauersberger gelang es nach Platz eins in der Hinrunde, auch nach der Winterpause eine konstante Halbserie zu spielen. Start-Ziel-Sieg für Sechzig dank echtem Fußball mit Demut, Kampfgeist und Leidenschaft.

Doppelbelastung macht Daniel Bierofka zu Schaffen

Nach nur einem Jahr Viertklassigkeit durch das Nadelöhr Relegation: 3:2 beim 1. FC Saarbrücken, einem schier übermächtigen Gegner, der im Rückspiel auf Giesings Höhen schon mit 2:0 führte. Doch Aufstiegsheld Mölders (drei Treffer in zwei Spielen), Simon Seferings (Torschütze zum entscheidenden 2:2) und Bierofka selbst als Vater des Erfolgs sind untrennbar verbunden mit der Rückkehr der Weiß-Blauen in den Profifußball. Unvergessen: der Platzsturm im Grünwalder Stadion, die Löwen mit Lautsprecher auf den Zäunen und einem Partybus vor dem Stadion, eine einzige Löwen-Sause im wiederbelebten Viertel. "Ganz München steht Kopf, die Nummer eins der Stadt sind wir!", rief Aaron Berzel ins TV-Mikrofon und outete sich als Sechzigs Feierbiest Nummer eins.

Einzigartige Fotos von der Wiedergeburt des TSV 1860

"Das ist der erste Schritt in die Richtung, wo Sechzig hingehört", erklärte Günther Gorenzel, der im Januar auf Wunsch des teils überforderten Einzelkämpfers Bierofka als Sportchef verpflichtet werden konnte und sowohl als analytischer Arbeiter, als auch Bierofkas Backup Punkte sammeln konnte. Der Aufstiegsparty folgten Planungen für die Dritte Liga – und Probleme: Bierofkas Doppelbelastung durch die Ausbildung zum Fußball-Lehrer, eine schlagkräftige Truppe zu formen und dafür die nötigen Mittel aufzubringen. (Lesen Sie auch: Ismaik preist Bierofka und kritisiert Unruhestifter)

TSV 1860: Erst Hoffnung, dann Krise

Bierofka und Gorenzel waren es, die sich im Juni mit Investor Hasan Ismaik und dessen Statthalter Athanasios Stimoniaris auf dem "The Charles Hotel" fotografieren ließen. Die Folge: Der Jordanier versprach nach vier zweigleisigen Transfers um Schweinfurts Marius Willsch und Herbert Paul zwei Millionen Euro. Während die dauerverletzte Identifikationsfigur Gebhart keinen Vertrag mehr erhielt, kamen mit dem gestandenen Torjäger Adriano Grimaldi, dem Ex-Bundesligaspieler und Löwen-Fan Stefan Lex, Quirin Moll und Co. bekannte Namen nach Giesing.

Namen, die Träume weckten: Die Drittliga-Löwen konnten nach anfänglichen Hoffnungen zwar nicht an der Tabellenspitze mitspielen, sie überstanden aber eine Krise von nur einem Sieg aus zehn Partien. Im nach wie vor stets ausverkauften, aber trotz Kapazitätserhöhung auf 15.000 Zuschauer unrentablen Grünwalder genießen die Giesinger nach wie vor große Unterstützung der Fans. Kurz vor der Winterpause liegt man im Tabellen-Mittelfeld im Soll, was das kommunizierte Saisonziel anbelangt: Fuß fassen in der Liga.

Doch Sechzig wäre nicht Sechzig, wenn es keine Machtkämpfe geben würde. Im Dezember traten Ex-Präsident Peter Cassalette und das aktuelle Vereinsoberhaupt Robert Reisinger aus dem Aufsichtsrat zurück. Reisinger kritisierte Ismaik dabei für dessen Hinhalte-Politik und kündigte an, "Planungen für den Profifußball nur noch mit nachgewiesenen und tatsächlich eingegangenen Mitteln zu führen". Anstatt an einem Strang zu ziehen, steht das Jahresende im Zeichen gegenseitigen Misstrauens.

Konkrete Folgen sind unabsehbar, doch klar ist eins: Als wäre die Herausforderung der Rückkehr in die Zweite Liga in den kommenden ein, zwei Spielzeiten nicht schwer genug, steht Sechzig mal wieder vor einer Zerreißprobe – Fortsetzung folgt.

Im Video: Nochmal zum Genießen - das Aufstiegs-Märchen der Löwen

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