Prognose der AZ-User zur Landtagswahl AZ-Wahlwette: Es reicht für Schwarz-Gelb in Bayern

Die Online-Abstimmung für die Landtagswahl 2013 in Bayern: CSU bei 44 Prozent, FDP knapp im Landtag, SPD verbessert sich um drei Prozentpunkte

 

München - Die Spannung steigt: Wie geht die Landtagswahl am Sonntag in Bayern aus? Die letzten Umfragen gehen davon aus, dass die CSU mit 48 Prozent eine absolute Mehrheit der Sitze bekommen kann und die FDP es nicht in den Landtag schafft. Aber diese Zahlen sind nun schon eine Woche alt – und neue Daten der Meinungsforscher gibt es nicht. Denn anders als zur Bundestagswahl gibt es in der Woche vor der Bayern-Wahl keine Umfragen – aber es gibt andere Wege, Stimmung und Stimmen des Wahlvolks einzuschätzen: sogenannte Wahlwetten.

Diese fragen nicht ab, für welche Partei der Einzelne stimmen will, sondern fragen danach, was der Einzelne glaubt, wie die Wahl ausgeht. Diese Methodik wird seit 25 Jahren zur Prognose von Wahlergebnissen genutzt. Und sie ist – obwohl sie nicht repräsentativ ist – oft erstaunlich genau. Auf abendzeitung-muenchen.de bieten wir seit Juli allen Usern die Möglichkeit, so auf das Ergebnis der Landtags- und Bundestagswahl zu wetten. Die Zahlen schwanken kaum und bewegen sich zum Beispiel für die CSU zwischen 42,4 und 45,3 Prozent. Der Zwischenstand am 12. September um 13 Uhr: Die CSU liegt bei 44,1 Prozent, ihr bisheriger Koalitionspartner, die FDP, könnte mit 5,2 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag schaffen.

Dann würde Schwarz-Gelb auch wieder über eine Mehrheit der Sitze verfügen. Sollte die FDP unter 5 Prozent rutschen, könnte dies bedeuten, dass auch der hier prognostizierte Wert von 44,1 Prozent für die CSU zu einer absoluten Mehrheit der Sitze reicht. Denn dann wären FDP, Linke, Piraten und alle sonstigen Parteien draußen – mehr als 14 Prozent aller abgegebenen Stimmen würden bei der Besetzung des Parlaments nicht mitgerechnet. Die bisherigen Oppositionsparteien ziehen laut AZ-Wahlwette auch zusammengenommen gegenüber der CSU den Kürzeren: SPD, Grüne und Freie Wähler kommen gemeinsam lediglich auf 41,4 Prozent.

Die SPD würde sich mit Ude gegenüber 2008 fast um drei Prozentpunkte auf 21,5 Prozent verbessern. Die Grünen liegen in der Prognose der AZ-Leser bei 12,4 Prozent – das wären drei Prozentpunkte mehr als 2008. Die Freien Wähler werden lediglich bei 7,5 Prozent gesehen – bei der letzten Wahl hatten sie stark auf mehr als zehn Prozent zugelegt. Nach diesen Zahlen erscheint es extrem unwahrscheinlich, dass es nach dem Wahltag zu einer nicht CSU-dominierten Landesregierung kommt.

Wahlwetten sind ein alternatives Konzept, um die Ergebnisse einer Wahl zu prognostizieren. Erstmals wurde diese Methode 1988 bei Präsidentschaftswahlen durch die US-Wahlbörse Iowa Electronic Market genutzt - in der Woche vor der Wahl lagen die Wetten und das spätere Endergebnis nur jeweils 1,5 Prozentpunkte auseinander. In Deutschland wagte sich 2005 die Online-Börse Political Stock Market an die Prognose einer Bundestagswahl: Sie sah die Union bei 38,5 Prozent. Die landete zwar nachher, auch durchs Schröders Wahlkampf-Endspurt, nur bei 35,2 Prozent – die Online-User lagen aber besser als die Meinungsforscher, die Merkel im Schnitt bei 40 Prozent gesehen hatte.

Die Abendzeitung bietet ihre Wahlwette in Kooperation mit der Saarbrücker Zeitung an, die dieses Tool entwickelt und 2009 erstmals bei der dortigen Landtagswahl eingesetzt hat. Auch da war die Wahl-Wette treffgenauer als die Umfragen der ARD und des ZDF: Das Erste lag zusammengenommen 13 Prozentpunkte daneben, das Zweite 9, die User der Saarbrücker Zeitung nur 7,6 – das Ergebnis der CDU wurde mit 35,3 Prozent nur 0,9 Prozent höher als real getippt. Ähnliche Ergebnisse kamen heraus, als die Wahlwette 2012 zur Prognose der Ergebnisse der NRW-Landtagswahl genutzt wurde. Wahlsieger SPD schlug bei den Wahlwettern mit 38 Prozent zu Buche – am Wahlabend landete sie bei 39,1 Prozent.

Dass das Abfragen von Erwartungen, von persönlichen Prognosen oft sehr gute Ergebnisse bringt, ist ein bekanntes Phänomen: Seit der massenhaften Nutzung des Internets wird es auch als „Schwarmintelligenz“ bezeichnet. Allerdings ist ein ähnlicher Effekt auch seit 70 Jahren bereits aus der Kommunikationswissenschaft bekannt. Die Wissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann begründete in den 70ern diese Vorhersagekraft mit der Tatsache, dass Menschen über ein „quasi-statistisches Wahrnehmungsorgan“ verfügen. Die Güte der Prognose erhöht sich allerdings mit der Zahl der Teilnehmer:

Wen soll ich bei der #btw13 wählen? Das sagt der Wahlomat!

Neben der Wahlwette Landtag finden Sie auf az-muenchen.de noch die Wahlwette Bund. Anders als bei der Bayern-Wahl ist diese Wahlwette zusätzlich bei cirka 20 Tageszeitungen verlinkt, die zusammen eine Auflage von mehr als zwei Millionen haben. Zehn Tage vor der Bundestagswahl haben hier schon mehr als 10.000 Menschen abgestimmt – sie sehen Schwarz-Gelb in Berlin mit zusammen 44 Prozent vorn, aber ohne eigene Mehrheit. Die hätte aber eine große Koalition...

 

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