Uli Hoeneß im AZ-Interview "Ohne die Spieler des FC Bayern wird man nicht Weltmeister"

Bayern-Boss Uli Hoeneß freut sich auf seinen neuen Trainer Niko Kovac. Foto: firo/Augenklick

Im AZ-Interview spricht Präsident Uli Hoeneß vom FC Bayern über den neuen Coach, Paris-Trainer Tuchel und die deutschen WM-Chancen.

München - Uli Hoeneß (66), einst Weltklasse-Fußballer beim FC Bayern, baute den Verein im Anschluss als Manager auf und ist mittlerweile Präsident des Klubs. Wir haben mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Hoeneß, bekommen Sie demnächst Terminprobleme? Falls die Playoff-Finalserie der Bayern-Basketballer in Spiel fünf gehen sollte, würde am 16. Juni gleichzeitig ja auch die Fußball-WM schon laufen.
ULI HOENESS: Wenn wir da noch in den Playoffs spielen, ist der Uli Hoeneß ganz sicher beim entscheidenden Spiel im Audi Dome. Da kann bei der Fußball-WM spielen, wer mag, auch Brasilien gegen Deutschland – ich werde trotzdem beim Basketball sein.

Die deutsche Elf startet zum Glück ja erst einen Tag später ins Turnier und ihre Mission Titelverteidigung. Ist die möglich?
Deutschland gehört sicher wieder zu den drei, vier Teams, die in der Lage sind, die WM zu gewinnen. Jogi Löw ist es bisher immer gelungen, aus einer Gruppe Individualisten im Laufe des Turniers eine tolle Mannschaft zu formen. Das traue ich ihm auch dieses Mal zu.

Wie groß ist sein Anteil an der Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren?
Er hat einen überragenden Anteil an den großen Erfolgen der Nationalmannschaft, durch seine ruhige, seine menschliche Art, mit den Jungs umzugehen. Das gefällt mir schon sehr, wie er das macht. Und das ist auch sein Geheimnis, dass er so erfolgreich ist.

Es ist wie damals bei Helmut Schön: Wir sind in unserer aktiven Zeit auch immer gerne zur Nationalmannschaft gereist. Da war die Hektik der Bundesliga und des Europapokals im Verein – und dann bist du am Sonntag zur Nationalmannschaft in die Sportschule Grünwald gefahren. Dort haben wir erst mal eine Tasse Kaffee getrunken und dann noch ein bisschen im Kreis gespielt. Das war richtig schön. So ist es, im übertragenen Sinne, offenbar auch bei Jogi Löw: dass die Spieler gerne dorthin gehen, weil sie sich wohl fühlen. Wenn man nach einer schwierigen Saison noch mal fünf, sechs Wochen ins Trainingslager geht, musst du schon eine gute Atmosphäre schaffen, und das scheint ihm zu gelingen.

Hoeneß: Löw stand bei Bayern nie zur Debatte

War Löw bei Ihrer Trainersuche zuletzt beim FC Bayern auch mal ein Thema?
Wir haben nur über die Trainer nachgedacht, die zu haben waren. Deshalb war er nicht in der Diskussion, weil er ja einen Vertrag hat.

Bringt er grundsätzlich aber die nötigen Voraussetzungen für den FC Bayern mit?
Er ist jederzeit in der Lage, einen Topverein zu trainieren, gar keine Frage.

Bedauern Sie es da ein wenig, dass er sich wieder bis 2022 an den DFB gebunden hat?
Ich muss ganz ehrlich sagen: Allen Unkenrufen und Schlaumeiern zum Trotz, die uns einen Thomas Tuchel oder wen auch immer als Wunschtrainer einreden wollten: Ich bin mit der Entscheidung des FC Bayern München, Niko Kovac als neuen Trainer zu haben, der glücklichste Mensch der Welt. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit ihm einen Trainer haben, mit dem wir sehr viel Spaß haben werden.

Macht es Kovac den Einstieg beim FC Bayern leichter, dass er nun als DFB-Pokalsieger nach München kommen wird?
Das war vermutlich eine glückliche Fügung für alle, leider sehr zum Leidwesen auch unserer Fans. (lacht)

Auf dem internationalen Trainermarkt tut sich ja momentan viel. Zinedine Zidane ist gerade nach drei Champions–League-Siegen in Folge bei Real Madrid zurückgetreten.
Das ist eine mutige, aber auch eine super Entscheidung von ihm. Da sieht man, was das für ein großer Mann ist, dass er kurz nach dem Tag seines größten Triumphs zurücktritt. Aber so etwas kann sich auch nur jemand leisten, für den a.) Geld nicht mehr das Wichtigste ist – und der b.) schon alles gewonnen hat.

WM 2018: Hoeneß glaubt an Neuer

Nochmal zurück zur deutschen Nationalmannschaft. Unter anderem Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose sind nicht mehr dabei. Fehlen solche Führungspersönlichkeiten nun?
Solche großen Spieler nicht mehr im Team zu haben, ist immer ein Verlust. Aber eine WM war immer auch der Beginn von großen neuen Karrieren. Der eine oder andere könnte während der WM zu einem großen Spieler werden.

Manuel Neuer ist als Kapitän ein wichtiger Führungsspieler. Trauen Sie ihm zu, bei der WM im Tor zu stehen, obwohl er nach seinen Mittelfußbrüchen fast eine komplette Saison nicht gespielt hat?
Ich bin davon überzeugt: Wenn Manuel jetzt gesund bleibt, wird er auch seine Leistung bringen.

Hat er als Anführer in dieser Saison auch beim FC Bayern gefehlt?
Ich möchte und werde auf keinen Fall Sven Ulreichs Leistung schmälern. Manuel ist natürlich eine überragende Persönlichkeit, die sowohl dem FC Bayern als auch der Nationalelf gut zu Gesicht steht. Ich freue mich für Manuel, dass es ihm gut geht und wünsche ihm, dass er gesund bleibt. Alles andere kommt von selbst.

Der FC Bayern hat die großen Turniere immer auch mitgeprägt. Sehen Sie die Voraussetzungen dafür jetzt wieder gegeben?
Ohne die Spieler des FC Bayern wird man nicht Weltmeister. Sie werden entscheidend dazu beitragen, wenn man Erfolg haben will.

Auch Robert Lewandowski könnte diesen WM-Sommer möglicherweise prägen...
Dazu gibt es nichts zu sagen.

 

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