Ohne Tore kein EM-Titel DFB-Casting: Deutschland sucht den Superstürmer

Der Name Thomas Müller (links) steht als Synonym für die Torflaute des deutschen Angriffs: Hier kann sich der bei der WM 2014 so erfolgreiche Bayern-Angreifer nicht gegen Franzosen Samuel Umtiti (Mitte) und Hugo Lloris (rechts) durchsetzen. Foto: dpa

Bundestrainer Joachim Löw muss überlegen, welchen Spielern er künftig vertraut. Die Jugend rückt nach, und es gibt Fragezeichen. "Am Ende des Tages brauchst du echte Neuner, vor allem in der Luft!", sagt das einstige Kopfball-Ungeheuer Horst Hrubesch.

Marseille - Horst Hrubesch muss es wissen. Der Europameister von 1980 war einst im Strafraum gefürchtet wie kaum ein Zweiter - zudem hat er den Blick für den Nachwuchs: Er trainiert die deutsche U21-Nationalmannschaft. Und: Horst Hrubesch fordert nach der Flaute bei der EM ein Umdenken. Echte Stürmer braucht das Land!

"In Deutschland und Spanien hat man in den letzten Jahren mehr auf die falsche Neun gesetzt. Andere Länder haben weniger auf den klassischen Mittelstürmer verzichtet", sagt er. Und: "Am Ende des Tages brauchst du echte Neuner, vor allem in der Luft!"

Es sei wichtig, einen "Zielspieler" zu haben. Ohne Tore keine Titel - die Flaute im Sturm hat die deutschen Weltmeister um ihre Titelchance gebracht. Nur sieben Treffer gelangen der DFB-Auswahl in sechs Spielen, gerade mal eines mehr, als der Franzose Antoine Griezmann alleine erzielt hat. Einen Zielspieler gab es jedoch auch in der deutschen Mannschaft. Aber eben nur einmal. Wenn Mario Gomez fehlte, wurde er schmerzlich vermisst. Er war schlicht nicht zu ersetzen.

 

Bierhoff hat es kommen sehen

"Wir haben diese Spieler", betont Hrubesch allerdings. "Neben Gomez einen Sandro Wagner, dazu kommt ein Davie Selke, auch andere. Und wenn man in den Jugendbereich schaut, in die U16, U15, da gibt es welche." Aber: "Wir müssen sie auch ausbilden."

Genau das ist das Problem. Oliver Bierhoff, selbst einst Torjäger, hatte es kommen sehen. Schon im vergangenen Sommer warnte er, es sei "sehr stark auf Technik" gesetzt worden, "deshalb ist der Keilstürmer etwas verloren gegangen. Aber Spieler, die Tore machen, braucht man immer."

Wie dringend, war bei dieser EM zu sehen. Nicht von ungefähr sagte der gesperrte Mats Hummels nach dem Halbfinale gegen Frankreich (0:2): "Es hat einer gefehlt, der den Ball reinschießt." Dies taugt als Turnierfazit. Die Chancenverwertung war das größte Manko. Nicht nur Hummels ist deshalb sicher, "dass wir einen richtigen Mittelstürmer brauchen".

Doch die sind kaum in Sicht. Rekordtorjäger Miroslav Klose (38) ist nach der WM 2014 zurückgetreten. Gomez hat sich in Frankreich bewährt, viele Turniere wird der fast 31-Jährige aber nicht mehr bestreiten. Und danach? Hinzu kommt, dass auch die zweite Offensivreihe wenig zielstrebig war.

Wo sind die Vollstrecker?

Mesut Özil oder Mario Götze sind keine Vollstrecker, auch Julian Draxler oder Leroy Sané nicht. Wenn Thomas Müller seinen Torriecher verliert, wird es kritisch - und nichts mit einem Titel.

Die Schwachstellen auf beiden Außenverteidiger-Positionen sind immerhin notdürftig geflickt: Jonas Hector links und Joshua Kimmich sind ordentliche Lösungen, sie brauchen aber noch Erfahrung. Langfristig müsse man "wieder Talente überzeugen, dass sie Außenverteidiger spielen wollen", sagte Löw. "Das ist die vielleicht anspruchsvollste Position überhaupt."

 

Ansonsten ist Deutschland gut aufgestellt. Manuel Neuer kann noch viele Jahre spielen. Die Weltklasse-Innenverteidiger Jerome Boateng und Mats Hummels werden noch länger erhalten bleiben, Shkodran Mustafi und Antonio Rüdiger rücken nach. Am wenigsten Sorgen muss sich Deutschland im zentralen Mittelfeld machen: Emre Can, Kimmich, Julian Weigl und Mahmoud Dahoud drängen in die Zentrale, wo Toni Kroos und Ilkay Gündogan im besten Fußballer-Alter sind.

 

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