Zahme Fastenpredigt, schwungvolles Singspiel Reaktionen zum Nockherberg: Zahnlose Bavaria

Mama Bavaria Luise Kinseher liest den Politikern auf dem Nockherberg die Leviten. Foto: dpa

"Zurückhaltender, sanfter, weniger bissig" - Wie die Derbleckten auf die Fastenpredigt der Mama Bavaria beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg reagierten. Die Reaktionen auf das Singspiel gehen fast alle in die gleiche Richtung.

München - Viel Spott und Häme hat Mama Bavaria beim traditionellen Starkbieranstich am Nockherberg einmal mehr zum verbalen Rundumschlag ausgeholt. Dabei bekamen bei der Fastenpredigt der Kabarettistin Luise Kinseher am Mittwochabend in München nicht nur die üblichen Verdächtigen aus Landes- und Bundespolitik ihr Fett weg.

Die Reaktionen auf die Fastenpredigt im Überblick

Ministerpräsident Horst Seehofer: "Pfiffig, hintersinnig und an keiner Stelle so, dass sich irgendwer verletzt fühlen muss. Man muss Menschen dazubringen, nachzudenken, das nenne ich Hintersinn. Besser war einfach dieses lockere Auftreten, auch das höhere Niveau. Das ist das Bayerische, dieser hintersinnige Humor"

Münchens OB Dieter Reiter: "Am Weltfrauentag war sie sehr darauf bedacht, auf beide Geschlechter gleichmäßig zu verteilen. Nicht so bissig wie vergangenes Jahr. Aber ich habe mich amüsiert.“"

Finanzminister Markus Söder (CSU): "Ich fand's sehr schön. Zu gut weggekommen? Es geht ja nicht darum, Menschen zu beleidigen, sondern zu unterhalten. Insofern fand ich es im Vergleich zum vorigen Jahr eine Verbesserung um 100 Prozent."

Josef Schmid, 2. Bürgermeister (CSU): „Deutlich mit Handbremse. Witze, die nicht angekommen sind. Deutlich war das Bemühen erkennbar, nicht so verletzend zu sein wie 2016.“

Anton Hofreiter (Grüne): "Ich kann gar nicht sagen, wieviele Witze schon über meine Frisur gemacht wurden. Da musste die Bavaria wohl auch noch einen bringen."

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU): "Der Toni Hofreiter wird noch länger Witze über seine Frisur hören müssen, als ich über die Maut. Ich warte sowieso auf die Entschädigung von Paulaner, weil mich die Brauerei neben Toni Hofreiter und Sahra Wagenknecht gesetzt hat."

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) auf die Frage, ob er denkt, er sei zu gut weggekommen: "Also wenn die Bavaria mir einen Rest Lateinkompetenz attestiert kann ich nur sagen: Bavaria prima est!"

Christian Springer, Kabarettist (der am Donnerstag selbst beim Triumphator-Anstich die Starkbier-Rede hält): "Die Bavaria war sehr sanft. Ich fand das sehr schön - gerade in diesen Zeiten des Geschreis. Ich bin aber entsetzt, dass es gar nicht angekommen ist im Saal, da war eine ganz schlechte Stimmung. Ich hatte den Eindruck, jetzt muss gleich jemand beatmet werden. Das hatte diese Rede nicht verdient, diese reservierten Reaktionen."

Edmund Stoiber, Ex-Ministerpräsident: "Gefällig und verhalten war's. Und wenig kontrovers. Die Kritik aus dem vergangenen Jahr ist nicht ohne Wirkung geblieben. So war es ein angenehmer Abend."

Markus Rinderspacher (SPD): "Die CSU hat wohl der Bavaria die Zähne gezogen. Handzahm war das heute, eine liebe Geschichte. Die Union zerreißt es grad fast, das ist ein Potential, das hätte Potential für die Fastenpredigt gehabt."

Claudia Roth (Grüne): "Die Bavaria war zurückhaltend heute. Ich hoffe, dass das nicht die Auswirkungen von der Schelte im letzten Jahr war."

Die Reaktionen auf das Singspiel im Überblick

Horst Seehofer, Ministerpräsident (CSU): „Ich fand’s köstlich. Es war mal was ganz anderes. Es ging nicht um die langweilige Nachfolgefrage.“

Sahra Wagenknecht (Die Linke): „Es war total verblüffend, dass ich gleich drei Mal vorkomme, da bekommt man ja gleich Persönlichkeitsstörungen.“

Markus Söder, Finanzminister (CSU): „Das ist ein ganz tolles Schauspiel gewesen. Großartige Unterhaltung.“

Ilse Aigner, Wirtschaftsministerin (CSU): „Das Singspiel war hervorragend. Es war eine gute Grundidee.“

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender (Grüne): „Das Singspiel war sensationell. Meine Rolle war ja in diesem Jahr sehr schön, da musst ich schon oft über mich selbst lachen.“

Alt-OB Christian Ude (SPD): „Das Singspiel war geistreich und schauspielerisch wunderbar. Luise war etwas milde gestimmt, aber es soll ja auch kein Wettbewerb der Derbheit sein. Und geistreich war es wieder!“

Charlotte Knobloch: „Ich fand das Singspiel ausgezeichnet. Es waren viele Sätze drin, die man sich zu Herzen nehmen sollte – zum Beispiel, parteiübergreifend nach Lösungen zu suchen.“

Florian Pronold, Parteivorsitzender (SPD): „Das beste Singspiel, das ich bisher erlebt habe. Das letzte Mal war ich heldenhafter und konnte besser singen und tanzen. Aber heute habe ich wirklich Tränen gelacht. Es war tiefsinnig und scharf.“

 

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