Nockherberg 2012 Mama Bavaria watscht ihre missratenen Kinder ab

"Bavaria" Luise Kinseher hält die Fastenpredigt auf dem Nockherberg. Die Bilder.. Foto: dpa/dapd

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist beim traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg als „ausgeschamter Zocker“ verspottet worden – doch seine Kronprinzen und Konkurrenten können sich nach der scharfen Analyse der „Mama Bavaria“ wenig Hoffnungen auf die Nachfolge machen

München - Nein, leicht hat sie es nicht, die Mama Bavaria alias Luise Kinseher. So viele ihrer missratenen Kinder will sie beim traditionellen Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg ordentlich abwatschen. Und das alles versprochenermaßen schneller als im letzten Jahr. Da muss sie sich sputen. Und mit ihren Witzen leider oft an der Oberfläche bleiben.

Kein Wunder, dass es dann gleich deftig zur Sache geht, und Kinseher Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unumwunden erklärt, „manchmal könnte ich dich an die Wand klatschen.“ Jede Woche habe er etwas Neues – und alles sei Käse. Letztlich sei er mit seinen „Alleingängen“ die „Kuh Yvonne der CSU“. Aber er wisse ja, wo das ende: Auf dem Gnadenhof.

Insgesamt kommt Seehofer aber noch vergleichsweise glimpflich davon. Vielleicht doch ein kleiner Bonus für den amtierenden Ersatz-Bundespräsidenten. Auch wenn er beim Betreten des Saals noch gesagt hat, dies nicht zu erwarten. „Das wäre auch falsch, ich bin ja kein anderer Mensch.“ Dem zurückgetretenen Christian Wulff jedenfalls bescheinigt Kinseher deutlich, dass er mit seinen Vorteilsnahmen im Vergleich zu Franz Josef Strauß „ein windiger Anfänger“ sei.

Feministische Waldfee Bause

Bei Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger nähert sich Kinseher der Gürtellinie, wird er doch mit einem „brünftigen Hobbit“ verglichen, der sich in einer möglichen Koalition mit der „feministischen Waldfee“ Margarethe Bause, der bayerischen Grünen-Fraktionschefin, nur schwer unter einen Hut bringen ließe. Und der Finanzminister des Freistaats, Markus Söder (CSU), muss sich anhören, dass aus ihm nichts werde – „zumindest nichts Seriöses“.

Dagegen ist Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) für Kinseher bereits die „Bauern-Lollobrigida“, ohne die Lebensmittelskandale nur halb so schön wären und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein mit Kartoffelsuppe betriebener Eurofighter. Und auch für Edmund Stoiber hat Mama Bavaria die passende Watschn. Der sei der „Ötzi aus Wolfratshausen“, spottet sie über die Reaktivierung des ehemaligen CSU-Chefs und Ministerpräsidenten beim Aschermittwoch.

Mit dem FDP-Bundesvorsitzenden Philipp Rösler hat Kinseher dagegen Erbarmen – behauptet sie jedenfalls, nur um ihn im nächsten Atemzug als „quakenden Froschlurch“ zu bezeichnen, vor dem nur noch der Bundestagsfraktionschef der Liberalen, Rainer Brüderle, Respekt habe – und auch das nur, wenn er betrunken sei. Und dem designierten Ministerpräsidentenkandidaten der SPD, Christian Ude, gibt sie sogar noch eine Nachhilfestunde in bayerischer Landeskunde: Weil alles, was außerhalb des Münchner U-Bahn-Bereichs liege, für den Oberbürgermeister ja unbekanntes Ausland sei.

Politiker müssen gute Miene zum Spott machen

Den Gewatschten geht es wie meist auf dem Nockherberg. Sie müssen gute Miene zum bösen Spott machen. Und sich an die wichtigste Regel des traditionellen Spektakels erinnern: Noch schlimmer als derbleckt zu werden, ist ignoriert zu werden. Da hatte FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß diesmal Glück: Er kam endlich vor.

 

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