Nach Madrid-Niederlage FCB gibt sich trotzig: "Wir brauchen kein Fußball-Wunder"

Des einen Freud, des anderen Leid: Ronaldo bejubelt sein Tor zum 2:1, Lahm findet es nicht so toll. Foto: Augenklick / sampics / Stefan Matzke

Bayern München steht nach dem 1:2 im Viertelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid vor dem Aus. Es wäre auch für Trainer Carlo Ancelotti ein herber Rückschlag.

 

München - Arjen Robben war um eine besonders entschlossene Miene bemüht. "Noch", sagte er trotzig, "sind wir nicht verloren." Doch nach dem enttäuschenden 1:2 (1:0) von Bayern München im Giganten-Duell gegen Real Madrid ist die Lage für den Rekordmeister äußerst prekär. Aber, betonte auch Thomas Müller vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) im Estadio Santiago Bernabeu, "wir brauchen kein Fußball-Wunder. Der Glaube ist sehr groß, sonst wären wir nicht beim FC Bayern."

Die Münchner, twitterte am Donnerstag Kapitän Philipp Lahm, "sollte niemand abschreiben!" Man sei "noch am Leben", ergänzte Trainer Carlo Ancelotti, aber was sollte er auch anderes sagen nach einem Spiel, in dem für ihn und seine Bayern alles schief ging, was nur schiefgehen konnte. Erst verschoss Arturo Vidal, der die Bayern noch in Führung gebracht hatte (25.), kurz vor der Pause in Uli-Hoeneß-Manier einen Handelfmeter zum möglichen 2:0. Dann sah auch noch Javi Martínez Gelb-Rot (60.). Es habe "mehrere Schlüsselszenen" gegeben, sagte Ancelotti, "aber diese war spielentscheidend. Zum Glück hat Real nicht noch ein Tor mehr geschossen."

"Auch mit zehn Mann kann man aggressiver verteidigen."

Das wäre nach zwei Treffern von Superstar Cristiano Ronaldo (47./77.) gleich mehrmals möglich gewesen. Doch Torhüter Manuel Neuer hielt mit einigen Weltklasse-Paraden die vagen Hoffnungen der Münchner aufrecht. Man habe das Gefühl gehabt, kritisierte ZDF-Experte Oliver Kahn, "die schenken das ab. Auch mit zehn Mann kann man aggressiver verteidigen."

Ein Ausscheiden der Bayern im Viertelfinale nach fünf Halbfinal-Teilnahmen in Serie wäre für Ancelotti und die Pläne der Bayern ein herber Rückschlag. In erster Linie war der 57 Jahre alte Italiener nach der Ära Pep Guardiola angetreten, um nach 2013 endlich wieder den Titel in der Champions League nach München zu holen. Jetzt beginne die "Ancelotti-Zeit", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in den vergangenen Wochen mehrmals betont. Und dann passierte im ersten richtigen Härtetest so etwas!

Lewandowski und Hummels haben sechs Tage

Nun hofft Ancelotti vor allem auf die schnelle Rückkehr von Torjäger Robert Lewandowski (Schulterprellung), der am Mittwochabend schmerzlich vermisst wurde, und auf Innenverteidiger Mats Hummels. "Wir haben sechs Tage Zeit, ich denke, sie können sich bis dahin erholen", sagte der Bayern-Coach, wobei es besonders bei Hummels (Sprunggelenksverletzung) ein Wettlauf mit der Zeit werden wird.

Doch egal, ob mit Lewandowski und/oder Hummels - "Wir müssen die zehn bis 15 Prozent, die uns an Überzeugung diesmal gefehlt haben, in Madrid auf den Platz bringen", forderte Robben. Man habe nach der Führung wohl etwas "zu viel Respekt" und "zu wenig Biss" gehabt. Dies monierte auch Müller, der als Lewandowski-Vertreter im Angriffszentrum gegen Sergio Ramos und Nacho kein Land gesehen hatte. Nun müsse man, so der Weltmeister, "den Kopf hochnehmen, die paar Prozent drauflegen und in Madrid eine überragende Leistung bringen. Es ist noch alles drin."

Ernüchternde Bayern-Bilanz in Madrid

Wenn sich Müller da mal nicht täuscht. In den bisherigen elf Auswärtsspielen im Europapokal im legendären Bernabeu haben die Bayern erst zweimal gewonnen - zunächst in der Zwischenrunde der Königsklasse 1999/2000 (4:2), dann im Halbfinal-Rückspiel 2001 (1:0). Ansonsten stehen bei einem Remis acht Niederlagen in der ernüchternden Bilanz - eingerechnet auch das 1:2 im Halbfinale 2012: Damals hatten die Bayern allerdings das Hinspiel in München 2:1 gewonnen und anschließend das Elfmeterschießen (3:1) für sich entschieden.

Ronaldo sprach von einem "kleinen Vorteil", dennoch wollte Toni Kroos seine ehemaligen Münchner Kollegen noch nicht abschreiben. Es sei "Quatsch" zu denken, "dass nichts mehr passieren kann", betonte der Weltmeister: "Das wird ein enges Ding, weil wir es verpasst haben, noch mehr Tore zu erzielen. Es ist definitiv nicht entschieden, dazu ist Bayern zu gut." Real, so Kapitän Ramos, müsse "höllisch aufpassen".

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