gAZtro - Bar bis Boazn Auf der Alten Utting gefällt's allen Landratten

Ein Blick aufs Deck: Die alte Utting hat Platz für rund 600 Passagiere. Foto: min

Die Alte Utting ist der Münchner liebstes Ausflugsschiff. Die AZ ist an Bord gegangen.

Isarvorstadt - An einem Montagabend in einer Münchner Bar treten sich die Gäste für gewöhnlich nicht auf die Füße. Wenn es sich bei der Bar aber um ein ausrangiertes Ausflugsschiff auf einer stillgelegten Eisenbahnbrücke handelt, dann wollen sich das an einem Montagabend schonmal mehrere hundert Menschen anschauen.

Seit eineinhalb Wochen hat die Alte Utting geöffnet und eineinhalb Jahre lang wurde die MS Utting aufwendig saniert. Jetzt haben 400 Passagiere im Schiffsbauch und auf den Sonnendecks Platz und 200 Gäste vor und hinter dem Schiff, wo Essensbuden, Bühnen und ein Piratennest zwischen Bäumen und Sträuchern stehen.

Zuletzt war es in München oft so, dass schöne Lokalitäten mit gutere Aussicht von Schnöseln okkupiert wurde, mit denen nicht jeder Münchner seinen Abend verbringen will. Weshalb die normalen Münchner den Perlenohrringmädchen und Polohemdenbuben schöne Dachterrassenaussichten kampflos überlassen haben.

Auf der Alten Utting allerdings trinken die Perlenohrringmädchen einträchtig neben den lederbraunen Bergfexen neben der mittelalten Damenrunde in Flattershirts neben dem netten Rentnerpaar.

An den Tischen auf dem Sonnendeck und dem Schattendeck mit den schwimmfähigen Bänken können bis zu zehn Leute sitzen, wenn man zammenruckt. Natürlich wird die Alte Utting jünger, je später der Abend. Aber hier sitzen trotzdem alle Altersklassen und Schichten zusammen, was äußerst selten ist in einer Stadt, wo man sich auf nichts einigen kann, außer dass der Monaco Franze Kult ist und die Mieten zu teuer sind.

Nicht ganz billig sind die Preise, was den unerwartet hohen Investitionskosten geschuldet ist. Eins ums andere Mal musste Betreiber Daniel Hahn seine Bank darum bitten, den Kredit zu erhöhen und so zahlen die Gäste mehr, haben aber auch einen schöneren Blick als in der Eckboazn und an manchen Abenden auch ein Kulturprogramm.

Die Preißnhalbe Augustiner – also das 0,33er-Fläschchen – gibt's für 3,50 Euro und in den Prosecco Aperol (0,2l/7 Euro) kippen die Barkapitäne zwei Stamperl Aperol, serviert unprätentiös im kleinen Glas.

Die Preißnhalbe Augustiner – also das 0,33er-Fläschchen – gibt’s für 3,50 Euro und in den Prosecco Aperol (0,2l/7 Euro) kippen die Barkapitäne zwei Stamperl Aperol.
Die Preißnhalbe Augustiner – also das 0,33er-Fläschchen – gibt's für 3,50 Euro und in den Prosecco Aperol (0,2l/7 Euro) kippen die Barkapitäne zwei Stamperl Aperol. Foto: min

Alte Utting: Es gibt gleich mehrere Bars und Food-Stände

Die Deck-Bar ist in der Brücke untergebracht, also an jenem Ort, wo früher der Kapitän stand und nautische Sachen machte, die man eben so auf einem Ausflugsschiff macht. Auch im Schiffsbauch gibt es eine Bar. Hier lohnt es ohnehin, bis in den Maschinenraum zu gehen, weil der weitestgehend erhalten wurde. Die Toiletten dort sind ein Erlebnis, die Türen wurden wohl in irgendeinem Sicherheitsraum ausgebaut und hier wieder eingebaut. Sie lassen sich auch von außen öffnen, was dazu führt, dass man beim „Kannst mal aufpassen“ rasch nette Bekanntschaften macht.

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So wirklich treten sich die Gäste auf der Utting auch nicht auf die Füße. Es gibt manche Engstellen, bei denen die Gäste nicht drängeln sollten, weil sie sonst seebestattet auf der Lagerhausstraße werden. Videokameras würden das festhalten, eine der Sicherheitsauflagen der Behörden.

Das Gelände um die Utting ist weitläufig, unter dem Bug etwa wird charmant und passend in einem Hüttchen Steckerlfisch (Renke: 12 Euro, Dorade: 16 Euro) verkauft, ein Standl bietet vegetarische Hotdogs an, hinter der Utting gibt's die Gua-Bao-Teigtaschen (ab 6 Euro), die fantastisch schmecken und Rosmarin-Kartöffelchen mit allerhand Dips und Gemüse.

Feiner Snack: die chinesischen Gua Bao.
Feiner Snack: die chinesischen Gua Bao. Foto: min

Die Münchner sollten also nicht aus Neugier auf die Utting kommen, sondern auch, weil sie Hunger haben. Denn um's Schiff herum da gibt's einen Streetfood Markt, was ungewöhnlich ist für ein Ausflugsschiff, für eine Bar sowieso, aber das Konzept dieses ungewöhnlichen Sommerlieblingsortes rund macht.


Lagerhausstraße, Mo-Mi 12-14.30 Uhr & 17 bis 24 Uhr, Do bis 1 Uhr, Fr 12 bis 14.30 Uhr & 16-2 Uhr, Sa & So 10-2 Uhr

 

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