Meisterlöwe im AZ-Interview TSV 1860: Peter Grosser - "Sechzig kann nach den Sternen greifen"

"Die Spieler müssen jetzt sagen: Wir wollen das jetzt packen!", sagt Peter Grosser. Foto: AZ-Montage, sampics/Augenklick

Die Dritte Liga ist eng wie nie: Das ist die Chance für den TSV 1860, meint Peter Grosser im AZ-Interview, der auch auf Haching setzt.

 

Der heute 81-jährige Peter Grosser holte als Spielmacher 1966 mit dem TSV 1860 die deutsche Meisterschaft und absolvierte 130 Erstliga-Spiele für die Löwen. Danach arbeitete er als Trainer.

AZ: Herr Grosser, Samstag, 14 Uhr, Bayerischer Rundfunk: Schlusslicht FC Carl Zeiss Jena empfängt den TSV 1860. Jetzt mal ehrlich: Wie groß sind die Aufstiegschancen der Löwen?
PETER GROSSER: Da werde ich wohl den Fernseher einschalten müssen. (lacht) Die Dritte Liga spielt heuer total verrückt. Es sind ja noch zehn Teams, die alle aufsteigen können. Ich kann mich nicht erinnern, dass so etwas in den letzten zehn, zwanzig Jahren in irgendeiner Liga so eklatant gewesen wäre. In Anbetracht dessen, dass die Spitzenteams ziemliche Schwächen zeigen, hat 1860 auf jeden Fall eine Chance.

Nun muss Sechzig beim abgeschlagenen Letzten antreten. Zu Zweitligazeiten glänzte man nicht selten damit, die größten Chancen auszulassen...
Nein, nein. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass sie wissen, was sie in Jena erwartet. Der Trainer Michael Köllner wird den Spielern schon einimpfen, dass dies ein absoluter Fight wird. Wenn sie es schaffen, sich darauf einzulassen, wird die bessere Mannschaft gewinnen – und das ist Sechzig.

TSV 1860: Grosser "war positiv überrascht" von Köllner

13 Spiele ohne Niederlage, die aktuell längste Serie im deutschen Profifußball – selbst der FC Bayern hat nicht so einen Lauf hingelegt. Was macht 1860 so erfolgreich?
In erster Linie der Trainer, der ist ja immer der Baumeister. Köllner hat von Daniel Bierofka eine intakte Mannschaft übernommen und weiterentwickelt. Führungsspieler wie Sascha Mölders, Aaron Berzel und Dennis Erdmann, eine gute Mischung mit jungen Spielern, diese mannschaftliche Geschlossenheit – all das macht Sechzig stark. Man weiß, dass man Spiele auch drehen kann wie gegen Chemnitz. Stefan Lex ist in einer überragenden Verfassung, wobei das allerhöchste Zeit wurde. (lacht) Die Serie ist natürlich ein Pfund und lässt die Brust immer weiter wachsen.

Köllner hat Sie und weitere Meisterlöwen vor einigen Wochen ins Löwenstüberl eingeladen. Welchen Eindruck haben Sie von Ihm gewonnen?
Das war ein guter Gedankenaustausch, ich war positiv überrascht. Wir haben uns über seinen Spielstil unterhalten. Man glaubt ja immer, man müsste offensiver spielen. Er hat uns seine Sicht der Dinge geschildert, die jetzt nicht in der Zeitung stehen muss. Aber es hat alles Hand und Fuß.

Wer wird Ihrer Einschätzung nach am Ende an der Tabellenspitze stehen – und wie kann 1860 es schaffen?
Ich werde mich hüten, eine Prognose abzugeben. Ich wäre stark dafür, dass 1860 und Unterhaching aufsteigen. Bei Sechzig habe ich meine größten Erfolge gefeiert. Nachdem da kein Favorit vorneweg marschiert, ist eine Aufholjagd weiter drin. Haching habe ich später mit aufgebaut. Dem Manni Schwabl würde ich es auch gönnen. Für den Börsengang mit einem so kleinen Verein müsste man ihm einen Oscar verleihen. Man stelle sich nur vor, so etwas würde auch bei 1860 gehen: da könnte man sich vor kleinen und auch größeren Anlegern wahrscheinlich kaum retten.

Grosser: Vertragssituationen dürfen keine Rolle spielen

Beim TSV sind die Verhältnisse kompliziert, die Lage zwischen Investor Hasan Ismaik und dem Präsidium aktuell mal wieder angespannt. Ein großer Störfaktor?
Ich denke nicht, dass das eine große Rolle spielt. Es weiß doch jeder, dass es zwischen den Gesellschaftern keinen Konsens gibt. Das ist bei 1860 schon lange gang und gäbe.

Zudem laufen Vertragsverhandlungen mit Leistungsträgern wie Sascha Mölders, Efkan Bekiroglu oder Tim Rieder, aber nach AZ-Informationen kann die Mannschaft Stand jetzt nicht zusammengehalten werden. Der Aufstieg würde da einiges verändern...
Das müssen die Spieler ausblenden. Es ist Aufgabe von Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel, dies im Hintergrund zu managen. Das Einzige, was nicht geht: Als 2017 der TSV 1860 aus der Zweiten Liga abgestiegen ist, hat man vielen Spielern schon vorher gesagt, dass sie keinen neuen Vertrag bekommen – der Rest ist ja bekannt. Ich lasse es auch nicht gelten, dass jetzt das große Nervenflattern losgeht. Das sind doch alles Profis, die mit diesem Druck umgehen müssen. Die Situation muss doch richtig kribbeln! Sechzig kann nach den Sternen greifen. Die Spieler müssen jetzt sagen: Mensch, das wollen wir jetzt packen!

 

4 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading