Landtagswahl 2018 Wer sind die Kandidaten in München-Giesing?

, aktualisiert am 11.10.2018 - 08:50 Uhr
Wollen keinen anderen reinlassen (v.l.): die Wahlkämpfer Andreas Lorenz (CSU), Gülseren Demirel (Grüne), Michael Piazolo (FW) und Florian von Brunn (SPD). Foto: Daniel von Loeper

Diese Kandidaten kämpfen bei der Landtagswahl im Stimmkreis München-Giesing um die Gunst der Wähler.

München - Das Grünwalder Stadion – was gäbe es in Giesing für einen besseren Treffpunkt als diesen Fußballtempel. Und weil man sich untereinander offenbar ganz gut kennt, geht das Gefrotzel auch gleich los.

CSU-Kandidat Andreas Lorenz hat auf dem Rasen selbst schon mal die Fußballschuhe geschnürt. Position: rechter Verteidiger. "Jaja, verteidigen", sagt sein SPD-Kontrahent Florian von Brunn. "In der Offensive bringt die CSU schon lange nix mehr."

Lorenz und von Brunn wohnen in Untergiesing in derselben Straße. Die beiden laufen sich nicht nur im Landtag regelmäßig über den Weg – sie sind quasi Nachbarn. Entsprechend gelöst ist beim AZ-Fototermin auch die Stimmung – auch wenn Lorenz und von Brunn bei der Landtagswahl nun als Konkurrenten gegeneinander antreten.

Die Grünen haben gute Chancen in Giesing

In Giesing geht es aber wohl gar nicht so sehr um ein Duell zwischen Schwarz und Rot. Wenn man den Prognosen trauen darf, spielt ein weiteres Team mit um den Sieg – nämlich die Grünen in Person von Gülseren Demirel.

Wäre der Stimmkreis 2013 schon so zugeschnitten gewesen wie heute, hätte Lorenz mit 34,5 Prozent deutlich die Nase vorne gehabt. Die Grünen wären nur auf 13,7 Prozent gekommen. Aber zum einen haben sich die Zeiten in den vergangenen fünf Jahren deutlich geändert. Die Grünen stürmen derzeit sogar heftig in Richtung Tabellenspitze. Und zum anderen ist bei der Öko-Partei der Wahlzettel heuer deutlich prominenter besetzt als es bei der vergangenen Landtagswahl der Fall war.

Demirel ist Stadträtin. Bis zum Beginn des Wahlkampfs hat sie die grüne Fraktion im Rathaus noch als Mannschaftskapitänin angeführt. Die Startposition ist für sie also deutlich besser, als sie es 2013 für den recht namenlosen Kandidaten Thomas Pfeiffer war.

Piazolo könnte viele Wähler gewinnen

Für die CSU könnte es auch zum Ballast werden, dass die in einer Großstadt wie München ansonsten recht erfolglosen Freien Wähler in Giesing wieder mit einem ihrer größten Zugpferde antreten, nämlich mit dem Münchner Partei-Chef Michael Piazolo, nach Hubert Aiwanger das wohl bekannteste Gesicht der Partei. Piazolo hat 2013 bei den Erststimmen 7,6 Prozent geholt. Ähnlich wird das Ergebnis wohl auch heuer ausfallen.

Ein paar CSU-Stimmen könnte zudem auch der AfD-Kandidat Uli Henkel abzwacken. Der steht bei seiner Partei immerhin auf Platz Nummer zwei der Oberbayern-Liste. Und auch der Bayernpartei sind mit Stadtrat Johann Altmann vorne dran durchaus ein paar Stimmen mehr als noch bei der vergangenen Wahl zuzutrauen.

Wer am Ende in Giesing das Direktmandat holt und jubelnd in den Landtag einziehen darf? Titelverteidiger Andreas Lorenz von der CSU geht sicher als Favorit ins Rennen. Aber fix entschieden ist in diesem spannenden Stimmkreis noch nichts.


Der Stimmkreis München-Giesing im Überblick

Zum Stimmkreis München-Giesing (103) gehören die Stadtbezirke Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln (19), Sendling (6), Untergiesing-Harlaching (18), Obergiesing-Fasangarten (17). Er ist der größte in ganz München. Dort gibt es 123.913 Stimmberechtigte. Entsprechend viele Viertel gehören dazu. Für die Gründung des neuen Stimmkreises Mitte musste der Wahlbezirk Teile von Untergiesing abtreten.

Einen Überblick über die Kandidaten aller Stimmkreise in München finden Sie hier


München-Giesing: Die Kandidaten

CSU: Andreas Lorenz

  • Alter: 47
  • Beruf: selbstständiger Kaufmann
  • Familienstand: verheiratet, ein Kind

Der gebürtige Mühldorfer ist 47 Jahre alt, gelernter Kaufmann und sitzt seit mittlerweile zehn Jahren für die CSU im Landtag. Lorenz wohnt in Untersendling, ist verheiratet und hat eine Tochter. Sein politisches Ziel: die kleinen und mittelständischen Unternehmen und Betriebe fördern und ein Lohnniveau schaffen, mit dem sich jeder das Leben in der Stadt leisten kann.


SPD: Florian von Brunn

  • Alter: 49
  • Beruf: IT-Berater
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Der 49-Jährige ist gelernter IT-Berater, und sitzt für die SPD schon seit 2013 im Landtag. Dort hat er sich inzwischen einen Namen als hartnäckiger Umweltpolitiker gemacht, etwa durch seinen letztlich erfolgreichen Kampf gegen eine neue Skischaukel am Riedberger Horn. Von Brunn wohnt in Untersendling, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der passionierte Radlfahrer setzt sich ein für ein lebenswertes und bezahlbares München – mit mehr Grün, weniger Abgasen und einem für alle verträglichen Mietniveau.


Grüne: Gülseren Demirel

  • Alter: 54
  • Beruf: Sozialpädagogin, Stadträtin
  • Familienstand: verheiratet

Die 54-Jährige hat sich im Münchner Stadtrat einen Namen als profilierte Sozialpolitikerin gemacht. Demirel ist im kurdischen Teil der Türkei aufgewachsen. Mit sechs kam sie als sogenanntes Gastarbeiterkind nach Deutschland. Demirel ist Sozialpädagogin, wohnt in der Isarvorstadt, ist verheiratet und hat eine Tochter. Ihr wichtigstes Thema: bezahlbares Wohnen.


FDP: Julika Sandt

  • Alter: 47
  • Beruf: Journalistin, Kommunikationsberaterin
  • Familienstand: ledig, alleinerziehend

Die in Niedersachsen geborene 47-Jährige saß für die FDP schon einmal im Bayerischen Landtag. Als alleinerziehende Mutter will sie sich darum kümmern, dass in München die Kinderbetreuung ausgebaut wird. Die Angebote müssten an den Bedarf angepasst werden, findet Sandt. Für viele Eltern sei die Kinderbetreuung momentan noch ein Riesenproblem. Sandt wohnt im Gärtnerplatzviertel und beschäftigt sich als Journalistin vor allem mit Gesundheitsthemen.


Die Linke: Renate Cullmann

  • Alter: 69
  • Beruf: Buchhändlerin
  • Familienstand: verwitwet

Die 69-Jährige hat ein politisch bewegtes Leben hinter sich. Cullmann entstammt der Friedensbewegung und ist eine klassische Achtundsechzigerin. Sie hat gegen den Vietnam-Krieg protestiert, gegen die Springer-Presse und gegen die Kernenergie. Cullmann ist gelernte Buchhändlerin und wohnt im Stadtbezirk Untergiesing-Harlaching. Sie tritt für einen radikalen Kurswechsel bei der Wohnungspolitik ein. Es solle nicht mehr um den Profit der Spekulanten gehen, findet Cullmann, sondern um die Bezahlbarkeit des Wohnraums.


AfD: Uli Henkel

  • Alter: 63
  • Beruf: Jurist
  • Familienstand: verheiratet, ein Kind

Der 63-Jährige ist Jurist und Unternehmensberater. Henkel ist seit 30 Jahren verheiratet und hat einen 13 Jahre alten Sohn. Auch er hat das Thema Wohnen zu seinem Schwerpunkt gemacht. Henkel findet, man müsse Bauvorschriften entrümpeln. Als Nummer zwei auf der Oberbayern-Liste der AfD hat er gute Chancen auf einen Einzug in den Bayerischen Landtag.


Freie Wähler: Michael Piazolo

  • Alter: 58
  • Beruf: Hochschulprofessor, Landtagsabgeordneter
  • Familienstand: ledig

Der 58-Jährige ist Politik-Professor, hatte in Berlin und München einen Lehrstuhl für Europäische Studien inne und sitzt bereits seit 2008 im Landtag. Er wohnt in Thalkirchen und will das Wachstum besser steuern. Vor allem die „aus dem Ruder gelaufene Nachverdichtung“ müsse man deutlich verlangsamen.


Bayernpartei: Johann Altmann

  • Alter: 64
  • Beruf: Polizeihauptkommissar im Ruhestand
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Der 64-Jährige war Polizeihauptkommissar, ist mittlerweile aber im Ruhestand. Politisch hat er eine wilde Fahrt hinter sich. Erst war er bei der CSU, dann bei den Freien Wählern – inzwischen sitzt er für die Bayernpartei im Münchner Stadtrat. Altmann wohnt in Obersendling, ist verheiratet und hat zwei inzwischen erwachsene Kinder. Als ehemaliger Polizist zählt er die Sicherheitspolitik zu seinen wichtigsten Themen. So will sich Altmann etwa für eine bessere Ausstattung der Beamten einsetzen.


mut: Harald Faust

  • Alter: 53
  • Beruf: Privatier
  • Familienstand: ledig

Landtagswahl: Die Kandidaten in Giesing

Unten sehen Sie die Kandidaten des Stimmkreises aufgelistet. Mit dem hier folgenden Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de können Sie ganz leicht herausfinden, welche Position die Kandidaten zu bestimmten Thesen vertreten. Auch Sie selbst können den einzelnen Thesen entweder zustimmen, sie ablehnen oder sich gegenüber eines gewissen Themengebiets neutral halten. Am Ende des Checks - nach 20 Thesen - sehen Sie dann, mit welchem Kandidaten, bzw. welcher Partei sie die meisten Übereinstimmungen haben.

Wer im Hinblick auf die kommende Landtagswahl (14. Oktober) also noch unschlüssig sein sollte, kann sich mit dem Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de einen ersten groben Überblick verschaffen. 

 

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