Körpersprache-Expertin Verschmitzt oder roboterhaft : Die Wahlplakate im AZ-Check

Eine Körpersprache-Expertin bewertet die Plakte der Parteien für die bayerische Landtagswahl. Foto: ho/AZ

Sympathisch, eher fad oder gar zu wenig menschlich? So kommen die Spitzenkandidaten der Landtagswahl an. Die AZ macht den Wahlplakate-Check.

München - Die Spitzenkandidaten der Parteien lächeln Spaziergängern, Radlern und Autofahrern mittlerweile von jeder Ecke zu. Doch wie gut sind die Plakate von CSU, SPD, Grünen, Freien Wählern und den Linken gelungen? Bringen sie die Anwärter für die Landtagswahl in der Wählergunst voran? Oder zündet die Idee nicht so richtig?

Körpersprache-Expertin Monika Matschnig hat sich die Plakate von Markus Söder (CSU), Natascha Kohnen (SPD), Katharina Schulze und Ludwig Hartmann (Grüne), Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sowie Eva Bulling-Schröter und Ates Gürpinar (Linke) für die AZ genau angeschaut. Ein Plakat der AfD findet sich nicht in der Analyse, weil die Partei keinen Spitzenkandidaten aufgestellt hat.


CSU: "Ironie?"

Matschnigs Analyse (großes Plakat mit Verstärkung von Bauministerin Ilse Aigner): Der erste Blick geht auf die zwei Politiker Markus Söder und Ilse Aigner, der zweite Blick auf den Slogan "Ein starkes Team" – und der erste Gedanke: "Kann das gut gehen?" Das könnte in den Köpfen der Wähler aufpoppen. Würde man beide nicht kennen, dann könnte man den Rückschluss auf ein starkes Team bilden. So wirkt es ein wenig ironisch. Rücken an Rücken sollte wohl den Schulterschluss demonstrieren. Es ist aber klar zu sehen, wer das Zepter in der Hand hat: Markus Söder stellt so offensichtlich beim Verschränken der Arme den Daumen nach oben; ein klares Signal für Dominanz.

Söders Single-Plakat: Markus Söder im Zentrum, im Hintergrund sein Publikum. Die Bayerische Raute kommt deutlich hervor. Rundherum ist es ein gelungenes Bild, doch der mimische Ausdruck könnte zu Irritationen führen. Seine Anhänger sehen darin wohl einen sympathischen, wohlwollenden Gesichtsausdruck. Seine Gegner dagegen könnten es als verschmitztes Lächeln interpretieren – oder sogar als sarkastischen Ausdruck.


Grüne: "Zu lieb?"

Matschnigs Analyse: Volle Punktzahl – auf den ersten Blick. Katharina Schulze und Ludwig Hartmann wirken sehr sympathisch und das strahlende Lächeln lässt den Funken überspringen. Die verschränkten Arme vermitteln Selbstsicherheit. Beide blicken direkt in die Kamera und suchen den Kontakt zu den Wählern. Beide sind leger gekleidet und es wirkt lässig.

Pink mit weißem Schriftzug ist der Kontrapunkt. Und das pinke Kreuzchen ist eine klare Botschaft. Der Slogan kommt an, doch traut man es ihnen auch zu? Wirken sie für diesen Slogan nicht zu lieb, locker, zu wenig durchsetzungsstark?


SPD: "Souverän und fokussiert"

Matschnigs Analyse: Natascha Kohnen wirkt auf diesem Bild souverän und fokussiert aufgrund der Körperhaltung, des Blickes und des freundlich geschlossenen Mundes. Die Brille lässt sie seriöser erscheinen; Brillenträgern wird noch immer eine höhere Intelligenz nachgesagt. Der Nachteil: Es schneidet ihren Blick ab. Schade, denn Blickkontakt schafft Kontakt. Die blaue Bluse wirkt zu farblos. Nur ein dezenter Ring als Schmuckstück lässt sie bodenständig erscheinen.

Die Hauptfarbe ist blau und sie steht für Harmonie, Zufriedenheit, Frieden. Blau ist die Lieblingsfarbe fast aller Menschen – doch rüttelt sie nicht auf.

 


FDP: "Eher wie ein Roboter"

Matschnigs Analyse: Die visuelle Aufmachung sollte innovativ, digital und wohl disruptiv wirken. Anders als die anderen. Durch die Wahl der schrillen Farbe erreicht man Aufmerksamkeit. Sollte das ihr Ziel sein, dann geht der Punkt an die FDP.

Doch wird es positiv wahrgenommen? Eher bedenklich, da die menschliche Komponente verloren geht. Martin Hagen wird ikonisch illustriert und gleicht eher einem Roboter. Der Ausdruck sollte Offenheit ausstrahlen, doch Illustrationen wirken schwächer als ein Foto eines Menschen. Das Wahlplakat sollte wohl indirekt auf den digitalen Umbruch hinweisen, doch steht in dieser Zeit nicht der Mensch im Fokus? Wähler wählen den Menschen.


Die Linke: "Nett, aber keine Stärke"

Matschnigs Analyse: Sie bleiben ihrem Stil treu. Die Hauptfarben sind wieder schwarz, rot, weißer Hintergrund. Rot steht für Energie, Kraft, Feuer. Doch wo ist diese Energie? Die Porträts wirken lieb und nett, aber vermitteln keine Stärke.

Es wirkt auf den zweiten Blick inkongruent. Beide haben ein charmantes Lächeln, den direkten Blick auf die Wähler, doch die Wirkungskompetenz geht verloren. Kleinigkeiten am äußeren Erscheinungsbild könnten beim Betrachter ein Störgefühl erzeugen. Bei Eva Bulling-Schröter wirkt die Frisur strubbelig und konservativ. Ates Gürpinar hätte statt dem leger wirkenden T-Shirt eher auf ein cool wirkendes Polo-Shirt oder Hemd zurückgreifen sollen. Kleider machen halt noch immer Leute.


Freie Wähler: "Ein ehrliches Lächeln"

Matschnigs Analyse: Ein klassisches konservatives Wahlplakat. Die Kampagne könnte als in die Jahre gekommen und ausdruckslos wirken. Zumindest die Hauptfarben polarisieren. Türkis mobilisiert neue Kraft, sorgt für einen klaren Kopf.

Orange steht für Geselligkeit, Lebensfreude, Vergnügen. Aiwanger versucht, durch den direkten Blick den Kontakt herzustellen. Sein Lächeln wirkt ehrlich, da sich nicht nur die Mundwinkel nach oben ziehen, sondern auch die Augen mitlachen. Seine blaue Krawatte soll wohl auf den Standort Bayern hindeuten. Eine weniger gute Wahl ist der schwarze Anzug in Kombination mit dem weißen Hintergrund. Das lässt alles kühl wirken.

 

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