Kabarettist im AZ-Interview Django Asül: "CSU-Klientel ist not amused"

Die CSU wird es nach der Wahl nicht leicht haben, glaubt Kabarettist Django Asül. Foto: Andreas Gebert/dpa

Kabarettist Django Asül spricht im Interview über den typischen Bayern, die Versäumnisse der Christsozialen und die Chancen der Opposition bei der Landtagswahl.

 

München - Streit im Bund, Streit in der Sache – Kabarettist Django Asül sieht viele verschiedene Gründe für das Schwächeln der CSU. Andere Parteien machen den Wählern manchmal passendere Angebote, sagt er im Interview. Ganz entscheidend dabei: das bayerische Ego.

Herr Asül, Warum sackt die CSU Ihrer Meinung nach derzeit in Umfragen so ab?
DJANGO ASÜL: Weil die Welt da draußen kunterbunt geworden ist und vor allem auch immer irrationaler. Und in dem Moment, wo die CSU an Zustimmung verliert, geht der typische Bayer davon aus, dass es jetzt sehr irrational geworden sein muss. Weil wäre die Welt noch normal, hätte die CSU auch laut dem typischen Bayer die absolute Mehrheit.

Passt denn dann die CSU nicht mehr zum typischen Bayern?
Der Bayer hat das Problem, dass er halt nicht alleine bestimmen kann, was in Deutschland so los ist. Und nachdem die CSU sich so manches vornimmt, was dann vom Bund wiederum ausgebremst wird, fällt das natürlich auch auf die CSU zurück, weil dann auch der gemeine Bayer sagt: Wenn unsere Leute nichts mehr durchsetzen können, dann kann ich mich auch mal nach anderen umschauen.

Lässt sich denn der gemeine Bayer so definieren oder sind die Bayern so unterschiedlich, dass es gar nicht DEN Bayern gibt?
Wenn man alleine bedenkt, dass ja Bayern aus Franken und Altbayern besteht und noch Schwaben – das sind ja drei völlig verschiedene Kulturkreise, die mit viel gutem Willen ein sehr schönes Miteinander pflegen. Aber unterm Strich ist es natürlich so, dass viele aus der typischen CSU-Klientel über völlig verschiedene Sachen not amused sind, wie es so schön heißt. Da gibt’s den, der gerade in puncto Innere Sicherheit die Felle davonschwimmen sieht.

Dann gibt’s natürlich den, der sagt, was ist eigentlich mit dem Thema Wirtschaft? So einer tendiert dann gerne mal zur FDP. Dann gibt es natürlich den im ökologischen Sinne Konservativen, der liebäugelt dann auf einmal mit den Grünen, die ja im Vergleich zu früher aus typisch bayerischer Sicht mittlerweile normale Leute in den eigenen Reihen haben. Und dann hat man schnell so ein Potpourri beieinander. Und wenn dann noch dazu kommt, dass die CSU zur CDU oder zur Frau Merkel mal so, mal so steht, da bricht dann das Anarchische des Bayern durch.

Was könnte der CSU auf den letzten Metern noch helfen?
Och, im Prinzip, wäre es ganz einfach: Dass die Frau Merkel einfach sagt, ab jetzt mache ich nur noch das, was Herr Seehofer wünscht. Dann schaut des auf einmal ganz anders aus. Was jetzt natürlich sehr hypothetisch ist.

Asül: Parteienlandschaft wird bunter denn je sein

Die AfD wird wohl in den Landtag kommen. Welche Veränderungen im politischen Diskurs erwarten Sie da?
Generell muss man ja sagen, unabhängig wie die Wahl ausgeht, selbst wenn die CSU bei nur 36, 37 Prozent landen würde, glaube ich ja, dass die generelle Bereitschaft der CSU, die Alleinregierung zu übernehmen, ja nicht abnimmt. Wenn, dann wird aus CSU-Sicht natürlich des so ausschauen, dass andere denen einfach reinpfuschen wollen – statt dass sie die CSU einfach machen lassen. Und ich muss sagen, gerade die AfD in Bayern ist personell nicht so bekannt. Da darf man gespannt sein, wie die Tonalität sein wird.

Ihr Tipp: Wie geht die Landtagswahl aus?
Ich glaube, dass da schon ein paar Unwägbarkeiten da sind. Natürlich sieht es jetzt nicht unbedingt nach 50 plus X für die CSU aus. Auf der anderen Seite merkt man schon auch medial eine Stimmung insgesamt, die jetzt nicht direkt im CSU-Überschwang ist, was vielleicht so den einen oder anderen, der noch hin und her schwankt, sich doch wieder zur CSU hinwenden lässt. Wovon ich ausgehe, ist, dass halt auf alle Fälle die Parteienlandschaft bunter denn je sein wird.

Und ist das aus Sicht eines Kabarettisten gut oder macht das keinen Unterschied?
Sagen wir mal so: Wenn wir jetzt speziell mal an die Stoiber-Jahre noch zurückdenken oder auch an die Anfänge der Seehofer-Jahre ab 2013/14 war’s ja so, dass eine Opposition de facto gar nicht existent war, gefühlt. Und es ist ja auch bezeichnend, dass die klassische bayerische Oppositionspartei Nummer Eins, die SPD, ja langsam sich ins Nirwana begibt. Die SPD findet gefühlt überhaupt nicht statt, so dass also andere da in die Bresche gesprungen sind, vor allem die Grünen, die ja durchaus auch auf ökologischem Gebiet sehr konservativ sind oder beim Thema Flüchtlinge auch eine Haltung vertreten, die ja sehr viele der Kirche nahe stehende Leute auch vertreten. Also insgesamt haben wir da wirklich so eine Konstellation, die es der CSU – unabhängig der Prozente – auch nicht leicht macht.

 

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