Gut und günstig Der TSV 1860 auf Schnäppchenjagd

Sport-Geschäftsführer beim TSV 1860: Günther Gorenzel Foto: imago images / MIS

Neuzugang Erik Tallig passt perfekt ins Beuteschema der Löwen: talentiert und möglichst preiswert sollen die zukünftigen Sechzger sein. Leistungsträger wie Felix Weber oder Nico Karger warten weiter ab.

 

München - Günther Gorenzel ist derzeit auf der Suche. Auf der Suche nach Spielern, die in das Beuteschema des Geschäftsführer-Löwen passen: Sechzig ist auf Schnäppchenjagd.

Mit Erik Tallig (20) haben die Löwen am Donnerstag den ersten externen Neuzugang vermeldet. Der talentierte Mittelfeldmann kommt ablösefrei von Drittliga-Absteiger Chemnitzer FC und soll den Abgang von Spielmacher Efkan Bekiroglu zu Alanyaspor in die erste türkische Liga vergessen machen. Oder zumindest die große klaffende Lücke in der Zentrale der Sechzger etwas zu schließen versuchen. Der 1,78 Meter große Chemnitzer (sechs Tore und zwei Assists in 29 Drittligaspielen) war Gorenzel zufolge bei vielen Drittligisten und sogar mehreren Zweitliga-Klubs auf dem (Einkaufs-)Zettel.

Diese Talente fallen unter die Rubrik "gut und günstig"

Nach Torjäger und Führungsspieler Sascha Mölders, der zu reduzierten Bezügen verlängert hat, darf man Talent Tallig ebenfalls als Schnäppchen bezeichnen. Ganz getreu dem Motto: gut und günstig.

In diese Kategorie würde auch ein Regionalliga-Bomber fallen: Enis Bytyqi, 23 Jahre alter Angreifer vom VfB Oldenburg, hat in der vergangenen Spielzeit in 18 Spielen neun Treffer und vier Assists produziert. Laut "liga3-online.de" soll neben Sechzig auch Drittliga-Konkurrent 1. FC Kaiserslautern ins Rennen um den talentierten Torjäger eingestiegen sein.

Einen weiteren, auf Giesings Höhen klangvollen Namen würden sich viele Anhänger des TSV wieder in der alten Heimat wünschen: Daniel Baier. Nach der Vertragsauflösung bei Bundesligist FC Augsburg ist der Abräumer zwar zu haben, es wird aber wohl auch ein Wechselangebot von Mölders auf Instagram an den alten Ex-Kollegen vom FCA nicht helfen, denn den 36-Jährigen kann 1860 nicht stemmen.

Spieleretat hat sich um eine halbe Million reduziert

Nach AZ-Informationen wird Tallig Stand jetzt der erste und letzte Neulöwe sein, denn: Der Spieleretat der Saison 2020/21 hat sich im Vergleich zu den 3,1 Millionen der Vorsaison um eine halbe Million reduziert und ist bereits ausgeschöpft. Deshalb ist statt einer großen Shoppingtour vielmehr sparen angesagt bei den Blauen.

Was bleibt, ist ein Grundgerüst an gestandenen Drittliga-Spielern um Torhüter Marco Hiller, die Verteidiger Dennis Erdmann und Marius Willsch, die beiden Abräumer Quirin Moll und Daniel Wein sowie Mölders und Stefan Lex an vorderster Front.

Mit Ausnahme von Mölders besitzen alle Spieler bekanntlich schon teils weit vor der Corona-Krise ausgehandelte Verträge, die Sechzigs schmales Budget fressen. Neben den bereits eingesetzten Talenten wie Dennis Dressel, Leon Klassen und Fabian Greilinger haben zuletzt die Junglöwen Niklas Lang und Johann Ngounou Djayo verlängert, auch Maxim Gresler verfügt bereits über einen Profivertrag und soll ebenso herangeführt werden.

Die bisher bei den Profis noch ungesehenen Youngster Marco Mannhardt (18, defensives Mittelfeld), Ahanna Francis Agbowo (18, zentrales Mittelfeld), Milos Cocic (17, linkes Mittelfeld) und Lorenz Knöferl (17, Mittelstürmer) sollen folgen – quasi Sechzigs Sonderangebot aus dem eigenen Nachwuchs.

Stöbern auf dem Markt, Preise vergleichen, feilschen

Wie Gorenzels Einkaufstour womöglich weitergehen könnte: Sollte Hauptsponsor "die Bayerische" auf die Sicherstellungen der Transfererlöse von Marin Pongracic und Felix Uduokhai (rund zwei Millionen Euro) verzichten oder private Gönner weiter helfen wollen, wäre die Grundvoraussetzung geschaffen. Aufgrund von Sechzigs neuem, kompliziertem Finanzkonstrukt mit einem Corona-Darlehen von Investor Hasan Ismaik bis maximal sechs Millionen Euro als Ausfallhaftung müsste der Jordanier allerdings zustimmen, in neue Beine zu investieren. Das wäre wohl auch die einzige Chance, Leih-Löwe Tim Rieder doch noch zu halten.

Bis zur Schließung des Transferfensters am 5. Oktober wird Gorenzel wohl noch ein paar Ründchen drehen mit seinem Einkaufswagen. Stöbern auf dem Markt, Preise vergleichen, feilschen. Kapitän Felix Weber, Eric Weeger, Nico Karger oder Benjamin Kindsvater sind als langjährige Löwen und daher Kicker mit Identifikationsfaktor wohl dazu bereit, noch etwas zu warten– bis Gorenzels Geldbeutel vielleicht doch noch etwas mehr hergibt.

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