Gescheiterter Rettungsplan Hoeneß kontra Ude: "Er hat die Löwen hängen lassen"

Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist sauer auf OB Christian Ude - wegen der 1860-Sanierung. Foto: dpa

Der Bayern-Präsident sagt, der OB habe die bereits eingefädelte finanzielle Rettung des maroden Zweitligisten torpediert – und  wirft  dem SPD-Politiker vor, kein echter Blauer zu sein

 

München -  So richtig gut leiden konnte Uli Hoeneß Christian Ude ohnehin nie. Das Verhältnis zwischen dem roten Präsidenten Hoeneß, der politisch im schwarzen Lager zu Hause ist, und dem Oberbürgermeister – politisch zwar rot, beim Fußball aber ein erklärter Blauer – ist seit jeher geprägt von Skepsis. Als der urlaubende Ude 2008 einer Meisterfeier auf dem Balkon fernblieb, hielt Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Ude sogar vor, die Bayern als „Übel” anzusehen, das „auch noch Erfolg hat”. Ude solle seine Politik – in Sachen Fußball – ändern.

Wenn es nun nach Hoeneß ginge, Ude müsste wohl seine Lebensmitgliedschaft beim TSV 1860 zurückgeben. Hoeneß ist verärgert über Ude. So verärgert, dass er ihm sogar abspricht, echter Löwen–Fan zu sein. „Der tut immer nur so, als er ob er der große Löwen-Liebhaber wäre”, sagte Hoeneß der AZ. Tatsächlich sei „1860 für Ude immer eine reine Alibi-Geschichte” gewesen, „dem hat einer gesagt: Stoiber ist für Bayern – also musst Du für 1860 sein! Aber der hat doch nie einen Finger krumm gemacht für die. Das war immer eine reine Show-Veranstaltung."

Grund für diesen scharfen Angriff sind die nun fast aussichtslosen Rettungsversuche der Löwen. Ude, davon ist Hoeneß überzeugt, habe diese maßgeblich torpediert. „Der OB muss sich jetzt auch fragen lassen, ob er wirklich alles getan hat, was man tun konnte – auch als Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtsparkasse. Aber Ude hat nichts gemacht, gar nichts – im Gegenteil, er stand einem Rettungspakt im Weg”, so Hoeneß.
Tatsächlich sah einer der Rettungspläne von 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider vor, 1860 mit Hilfe der Bayerischen Landesbank, der Stadtsparkasse und zwei weiteren Privatbanken zu sanieren (AZ berichtete). Diese auch von Ministerpräsident Horst Seehofer betriebene so genannte „große Bankenlösung” scheiterte Ende Februar zunächst am Veto der Landesbank-Vorstände. Doch 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider blieben dennoch optimistisch. Es gab noch eine Lösung, die bei einem weiteren Treffen der zwei Löwen-Sanierer in der Staatskanzlei mit Seehofer besprochen und festgezurrt wurde.

"Der Deal war gemacht, die Löwen waren gerettet. Und dann springen die ab!"

Der Plan: Die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA), eine Förderbank des Freistaats, die in Not geratene Betriebe retten soll, sollte für die Kredite der öffentlich-rechtlichen Landesbank bürgen. Rund 15 Millionen Euro an frischen und niedrig verzinsten Krediten sollten die Löwen nach AZ-Informationen so erhalten – für zwölf Millionen Euro sollte die LfA bürgen. Finanzminister Georg Fahrenschon soll dem Plan zugestimmt haben. „Der Deal war gemacht, die Löwen waren gerettet”, so Hoeneß, der zusammen mit Bayerns Finanzvorstand Karl Hopfner ebenfalls am Rettungsgipfel in der Staatskanzlei teilnahm.

Doch dann kam es zu Problemen. „Und dann springen die ab. Erst der Herr Zeil (Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil und FDP-Chef, d.Red.), der sich übergangen fühlte (als Aufsichtschef der LfA, d. Red.) und dann der Ude. Er hätte dafür sorgen können, dass Sechzig gerettet wird. Jetzt muss er damit leben, dass sie vielleicht nicht mehr zu retten sind”, sagt Hoeneß.

Tatsächlich lehnen Zeil und die bayerische FDP Fördergelder für die Löwen durch die LfA ab – der TSV 1860 falle nicht in die Förderrichtlinien. Ärger in der Koalition wollte Seehofer wegen der Löwen dann doch nicht riskieren.

Doch was haben Ude und die Stadtsparkasse mit der ganzen Angelegenheit zu tun? Nachdem sich die LfA-Bürgschaft für die komplette Summe als nicht realisierbar erwies, habe man versucht, die erforderlichen Kredite, um das Risiko zu minimieren, zwischen Landesbank und Stadtsparkasse zu teilen. „Ude hätte da als Aufsichtsrat sehr wohl die Richtung vorgeben können, und dann hätte der Vorstand dies so übernommen”, so Hoeneß.

Tatsächlich lehnt Ude es ab, dass die „Stadtsparkasse oder irgendeine andere Bank in öffentlicher Hand” dem Verein hilft, seine Altschulden abzulösen. „Die Möglichkeiten sind ausgeschöpft”, sagte der OB der „SZ”. Die Stadtsparkasse sei ans öffentliche Recht gebunden wie andere Banken.

Doch damit braucht er Hoeneß nicht zu kommen. „Ich wundere mich schon sehr, dass ausgerechnet die CSU zu 1860 steht – und die SPD und die Grünen nicht. Der Seehofer hat gestanden wie eine Eins, der hat sich für die Löwen eingesetzt, das war unvorstellbar. Und der Ude hat die Löwen hängen lassen."

 

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