"Geisterspiele sind ein großes Manko" TSV 1860: Kein Heimvorteil, kein Löwen-Aufstieg?

Eine verschworene Löwen-Gemeinschaft: Die Sechzig-Spieler und die treuen und lautstarken Fans im Grünwalder Stadion. Foto: sampics/ Augenklick

Die Löwen sind eines der heimstärksten Teams in der Dritten Liga. Kann der TSV 1860 ohne den Support seiner Fans den Aufstieg überhaupt schaffen? Grosser sagt: "Geisterspiele sind für 1860 ein großes Manko."

 

München - Sie sind "treu wie gute Freunde, für die nur Sechzig zählt". Über die Anhängerschaft der Löwen, wie sie hier im Fan-Lied "Stark wie noch nie" besungen wird, gibt es keine zwei Meinungen. Schon gar nicht in den Reihen der Blauen.

"Ohne die Fans wäre Sechzig nichts. Sie sind die Seele des Vereins", erklärte Cheftrainer Michael Köllner voll Pathos im Winter-Trainingslager im spanischen La Manga, wohin der Tross des TSV 1860 – wie könnte es anders sein – von knapp hundert Anhängern begleitet wurde.

Torjäger Prince Owusu schwärmte: "Ich habe jetzt auch schon viel erlebt im Grünwalder Stadion, aber wie es diesmal explodiert ist, war unglaublich. Alle sind ausgerastet." Owusu sprachs, nachdem er – beflügelt von 15.000 weiß-blauen Anhängern – Sechzig Ende Februar in letzter Minute zum 4:3-Triumph gegen den Chemnitzer FC geköpft hatte.

Peter Grosser: "Sechzig ist zuhause eine Macht"

Lautstarke Schlachtrufe, ein paar Prozent Extra-Motivation, frenetische Feier-Löwen hinterher – all das wird es aufgrund der Corona-Krise vorerst nicht geben. Am Mittwoch hatte die Regierung die Entscheidung über eine Fortsetzung der obersten Profifußball-Ligen vertagt, Grünes Licht folgt nun frühestens am 6. Mai.

Laut Sechzigs Sportchef Günther Gorenzel ist unterdessen eine "Überzeugung" gereift, die nach 14 ungeschlagenen Spielen in Serie in die Zweite Liga führen könnte. Stellt sich die Frage, sollte die Saison bald weitergehen: Ein Aufstieg ohne Heimvorteil? Wie soll das gehen ohne das größte Faustpfand der Löwen?

Peter Grosser: "Stimmung im Stadion ist unvergleichlich"

Meisterlöwe Peter Grosser zeigt sich skeptisch. "Geisterspiele sind für Sechzig ein großes Manko", sagt der 81-Jährige der AZ. "Sechzig ist zuhause eine Macht", weiß der einstige Kapitän über je sechs Siege und Remis, nur eine einzige Pleite und Rang drei in der Heim-Tabelle: "Die Stimmung im Stadion ist unvergleichlich. Die Unterstützung unserer Mannschaft durch die Fans spielt eine große Rolle."

Owusu und Co. könnten sich auf den ungebrochenen Support verlassen, "auch wenn sie mal nicht so gut spielen". Paradebeispiel dafür, zum Sieg getragen zu werden: das irre 4:3 gegen Chemnitz. Nun obliege Coach Köllner die schwere Aufgabe, bestmögliche Vorbereitungen auf die gespenstische Atmosphäre zu treffen.

Fredi Heiß: Der TSV 1860 ist aufstiegsreif

Grossers Meisterelf-Kollege Fredi Heiß gibt dagegen den Optimisten. "Ich denke: Die Löwen können es auch ohne Zuschauer schaffen", erklärt er der AZ. Der 79-Jährige wisse um deren "enorme Unterstützung", aber: "Es trifft ja alle Vereine. Außerdem ist unser großer Vorteil, auch ohne die Zuschauer: Wir sind seit 14 Spielen ungeschlagen. So eine tolle Serie macht unfassbar viel aus."

1860 habe sich in der Rolle des Jägers großen Respekt erspielt: "Die oberen Teams haben Angst vor uns – nicht andersrum!" Sein Fazit: Auch fanlose Löwen sind aufstiegsreif. "Jetzt kommt es noch mehr auf die Qualität einer Mannschaft an und wie gefestigt sie ist. Da brauchen wir uns vor keiner einzigen Mannschaft verstecken."

Und den treusten Sechzgern bleibt die etwas andere Form der Unterstützung: Die Geisterticket-Aktion sei laut Gorenzel "gut angelaufen" – so können sich die Fans zumindest per Fotos auf einem XXL-Plakat in der Kurve zeigen.

Lesen Sie hier: Vorher-nachher-Vergleich – So sahen die Löwen-Stars früher aus

 

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