Gedämpfte Stimmung Der FC Bayern nach der Niederlage: Der 1899-Kater

Hasan Salihamidzic, Niko Kovac und Karl-Heinz Rummenigge stießen am Sonntag pflichtbewusst auf der Wiesn an. Foto: Stefan Matzke/Paulaner/Sampics/dpa

Spiel verloren, Serie gerissen, Tabellenführung futsch. Die Stimmung der Bayern auf der Wiesn nach dem 1:2 gegen Hoffenheim war gedämpft. "Ein Warnhinweis, dass wir nichts geschenkt bekommen."

 

München - Das Lächeln geriet etwas zäh bei den Profis, dem Trainerstab und den Verantwortlichen des FC Bayern. Ausgerechnet am Tag nach der ersten Saison-Niederlage, dem überraschenden 1:2 gegen die TSG Hoffenheim, stand der traditionelle Oktoberfest-Besuch auf dem Programm.

In Käfer's Wiesn-Schänke stießen die Bayern in Begleitung ihrer Familien an – auf was? Auf bessere Tage als den Samstag. "Wir hätten uns lieber mit einem Sieg hier präsentiert, das ist ein bisschen ärgerlich an so einem schönen Tag", sagte Abwehrchef Niklas Süle. "Es haben ein paar Dinge gefehlt: vielleicht ein bisschen die Kraft, der Kopf. Wenn du so ein Spiel ablieferst in London, ist es die Kunst, es dann bestätigen zu können. Das haben wir leider nicht geschafft."

FC Bayern: Niederlage nur ein Betriebsunfall?

Nur ein Betriebsunfall und daher: Schwamm drüber? Auf die ersten Biere im Rahmen der Operation Frustbewältigung folgte das nächste Ärgernis: Während die Bayern am Sonntag ihren Unmut über die erste Heimpleite seit fast genau einem Jahr (0:3 gegen Gladbach am 6. Oktober 2018) und das Ende der Serie von 20 ungeschlagenen Bundesliga-Spielen hinunterspülten, verloren sie auch noch die Tabellenführung. Borussia Mönchengladbach schenkte dem FC Augsburg mit 5:1 kräftig ein und steht nun ganz oben, auch Wolfsburg gewann und verdrängte die Bayern gar auf den dritten Platz. Bei dieser kuriosen, weil engen Bundesliga-Tabelle nach sieben Spieltagen ist nichts gewonnen und nichts verloren.

Dennoch herrschte Katerstimmung bei den Bayern. Weil das 1:2 gegen Hoffenheim auf das furiose 7:2 in der Champions League bei Tottenham Hotspur folgte. Ein unverständlicher Leistungsabfall, der höchstens durch den nachvollziehbaren Spannungsabfall – Hoffenheim ist grauer Bundesliga-Alltag im Vergleich zur großen Bühne bei Vorjahresfinalist Tottenham – zu erklären ist.

Haben die Bayern ein Einstellungsproblem?

Eine Frage der Einstellung. "Der letzte Eindruck ist immer der, der haften bleibt. Wir können uns nichts dafür kaufen, was in London war", sagte Trainer Niko Kovac konsterniert und blickte auf die nun folgende Unterbrechung, die Länderspielpause: "Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit in einer kleinen Gruppe." Also kein sinnvolles Training möglich vor der Auswärtspartie in Augsburg (19.10.).

Für Kapitän Manuel Neuer war das 1:2 "ein Warnhinweis für uns, dass man nichts geschenkt bekommt – auch nicht zu Hause, auch nicht, wenn eine Mannschaft vorher erst fünf Punkte geholt hat, wie Hoffenheim". Bei den Gegentreffern durch Sargis Adamyan, der im Spiel seines Lebens doppelt traf (53./78.) wurden Zweikämpfe zu lasch bestritten, im Strafraum nicht konsequent genug attackiert. "Einfache Fehler haben dazu geführt, dass wir zwei Mal durch einen Bauerntrick die Tore kassieren", schimpfte Neuer. Jérôme Boateng hatte beide Schüsse von Adamyan durch die Beine bekommen, nach dem 0:1 brüllte Neuer: "Mach die Beine zu!" Die Bayern sind auch im Herbst 2019 weiter ein wackliges Gebilde.

Niko Kovac verzichtete auf frische (Bank-)Kräfte

Kovac hatte auf Rotation verzichtet und der Elf vertraut, die in der zweiten Halbzeit Tottenham abgefieselt hatte. Nachvollziehbar. Dennoch hätten frische Kräfte wie Thomas Müller, Ivan Perisic oder Javi Martínez in der Startelf gutgetan. "Wir haben es nicht geschafft, die Euphorie mitzunehmen", meinte Kovac, "wir sind offensichtlich noch nicht so weit, diese Spiele alle vier Tage abzuliefern." Diese Aussage verwundert und machte im Netz eine ziemliche Welle. Ist das nicht der Anspruch und der Auftrag des FC Bayern? Höchstleistung in und vor allem trotz englischer Wochen? Auch wenn ein 7:2 natürlich die Ausnahme ist.

"Wir haben alles in der eigenen Hand", sagte Neuer. Recht hat er. Mit aktuell 14 Zählern hat man einen Punkt mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt im ersten Kovac-Jahr, damals ging man als Sechster noch bedröppelter auf die Wiesn. Schlusswort Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Wir haben die Bundesliga spannend gelassen."

Danke, sehr rücksichtsvoll.

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