FC Bayern Pep Guardiola: Der Bayern-Trainer geht Risiko

Thiago startet bei Bayern. „Ein begnadeter Fußballer”, lobt Schweinsteiger. Guardiola kann nun all seine Ideen verwirklichen – doch der erste Schuss muss sitzen, sonst hagelt’s gleich Kritik.

 

München - Es ist fast so, als wäre er schon immer da gewesen. Am Mittwoch absolvierte Thiago Alcántara sein erstes Training als Spieler des FC Bayern – und fügte sich nahtlos in die Truppe von Pep Guardiola ein. Der 22-Jährige scherzte beim Training vor 2000 Zuschauern mit Thomas Müller, nahm Xherdan Shaqiri in den Arm, ließ sich Dehnübungen von Jérôme Boateng erklären.
Die Trainingsformen selbst kannte der Neuzugang aus Barcelona freilich schon, bewegte sich dementsprechend geschmeidig, gab kaum einen Ball ab. „Er ist ein sehr begnadeter Fußballer, der alles mitbringt, um ein ganz Großer zu werden”, staunte Bastian Schweinsteiger.

Nach außen hin freuen sich die Kollegen also über den Zuwachs im Kader; mittelfristig werden jedoch Stammkräfte, ein oder zwei Triple-Helden, für die Neuen Thiago und Mario Götze (in der Reha) aus der Startelf weichen müssen.

Dass die beiden Neuen eine große Rolle spielen werden, steht außer Frage; Ihre Technik, ihre Finesse sind genau auf Peps Spielphilosophie zugeschnitten. „Wir brauchen Thiago”, hatte Guardiola nicht umsonst gesagt.

Pep dreht hier ein Rädchen, dort ein Rädchen – und plötzlich ist alles anders. Seine Devise ist klar: Für ihn ist es nur so möglich, den Triple-Sieger weiter zu entwickeln. Geht es auf, hat er alles richtig gemacht. Doch ziehen seine Maßnahmen nicht auf Anhieb, wird er sich sofort mit den Erfolgen von Jupp Heynckes verglichen – ein hohes Risiko, das Guardiola da eingeht. Zumal die Zeit gegen ihn läuft.


Was Pep alles beeinflusst:


TRAINING

Guardiola hat kleine Änderungen angekündigt; in Wahrheit sind sie tiefgreifend. Bei nicht-öffentlichen Trainingseinheiten steht das Spiel teilweise minutenlang, weil Pep erklärt, die Spieler auf Zentimeter genau auf dem Platz hin- und her schiebt. Das alles verlangsamt den Trainingprozess und die Vorbereitung auf die neue Saison. „Wir brauchen Zeit”, sagt Guardiola immer wieder. Die hat er aber nicht. In neun Tagen ist bereits Pflichtspielstart mit dem prestigeträchtigen Duell mit dem BVB im Ligacup. Ausrutscher? Sind nicht erlaubt, sonst hagelt es gleich Kritik. Wie sagte Guardiola? „München ist ein schlechter Platz, um zu verlieren.” Also muss sein Team liefern.

TIEFE

Zählt man die Youngster Emre Can, Pierre-Emile Höjbjerg und Mitchell Weiser mit, hat Pep nun insgesamt 13 (!) Profis für maximal sechs Mittelfeldpositionen zur Verfügung. Verkauft wird keiner mehr; „ich denke, dass wir so in die Saison gehen werden”, sagt Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge, der den mörderischen Konkurrenzkampf „fantastisch” findet. Ob das die Spieler auch so sehen? Luiz Gustavo darf sich laut „Sport Bild” jedenfalls einen neuen Verein suchen. Und Arjen Robben war schon unter Jupp Heynckes zwischenzeitlich eingeschnappt gewesen...

TONANGEBER

Guardiola packt die Führungsspieler ganz unterschiedlich an. Mit Schweinsteiger traf sich Pep gar in seiner Freizeit in einem Schwabinger Restaurant zum Gedankenaustausch, er soll sein Schlüsselspieler werden. Philipp Lahm würde Pep dagegen am liebsten ins Mittelfeld einführen, dagegen wehrt sich der Kapitän aber noch – und die Alternativen hinten rechts fehlen. Die Überraschung: Abwehrchef Dante wird von Guardiola erst mal kritisch beäugt werden, Triple-Verdienste hin oder her. Nur Manuel Neuer ist als Torwart über alle Rochaden und Zweifel erhaben.

TAKTIK

Pep wird Bayern zugunsten eines weiteren Offensivspielers auf ein System mit nur einem „Sechser” zentral vor der Abwehr umstellen. Der Nachteil: So ist Bayern hinten offener, konteranfälliger. Schweinsteiger soll sein Chef werden, hat jedoch Trainingsrückstand. „Alle greifen an und alle verteidigen”, so stellt sich Pep das vor. Diszipliniertes Chaos. Das braucht Zeit.

 

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