FC Bayern in Doha Klartext von Neuer an Bayerns Bosse und Kronprinz Nübel

, aktualisiert am 06.01.2020 - 17:51 Uhr
Bekommt von Alex Nübel (re.) Konkurrenz: Nationaltorwart und Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Foto: dpa

Manuel Neuer hat für Neuzugang Alexander Nübel eine klare Kampfansage parat. Dessen Wechsel zu den Bayern sei für ihn "unerheblich". Sportdirektor Hasan Salihamidzic wirft er Indiskretion vor.

 

Doha/München - Der Titan legt los und Bayern wird zum Torhüter-Tollhaus: Viel besser könnte es ja kaum passen. Wenn sich Oliver Kahn (50) am Dienstag um 11 Uhr in der Allianz Arena offiziell als neues Vorstandsmitglied vorstellt, wird er an DEM Thema der vergangenen Tage nicht vorbeikommen. Alexander Nübel (23) spielt ab Sommer für den FC Bayern, der Schalke-Keeper hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, er wechselt ablösefrei. Soweit die Fakten.

Bleibt Manuel Neuer Stammkeeper?

Doch es dürfte selten einen Transfer gegeben haben, der von so vielen Fragezeichen begleitet wurde: Was etwa bedeutet das alles für Manuel Neuer (33), den Stammkeeper? Wird Nübel sein Herausforderer? Bekommt der Youngster tatsächlich Einsätze? Und: Hat die Verpflichtung des Keepers Auswirkungen auf Neuers geplante, aber bislang nicht vollzogene Vertragsverlängerung?

Nach vielen Spekulationen wurden am Montag zumindest ein paar Antworten geliefert. Und eine klare Botschaft von Kapitän Neuer: Ich bin hier der Boss – und ich bleibe hier auch der Boss! In seinem rot-goldenen Sessel sitzend, formulierte "König" Neuer einige interessante Sätze an Herausforderer und "Kronprinz" Nübel. "Das ist eine Entscheidung des Vereins im Hinblick auf die nächsten Jahre", sagte Neuer: "Alex ist ein Top-Torwart, dem vielleicht auch irgendwann die Zukunft gehört. Aber für mich spielt das keine Rolle, dass er zum FC Bayern kommt." Es sei sogar "unerheblich" für ihn, behauptete Neuer auf Nachfrage.

Neuer: "Ich bin kein Statist, sondern Protagonist"

Der Stammtorhüter legte einen souveränen, gelassenen und gleichzeitig extrem selbstbewussten Auftritt hin, an dessen Ende man den Eindruck hatte, dass dieser Mann kein Spiel, nicht mal eine Sekunde Spielzeit an Nübel abtreten will. Genau dieses Versprechen soll Bayern Nübel ja gegeben haben. "Ich bin Sportler, ich bin Profi – und ich will immer spielen", stellte Neuer klar: "Ich bin kein Statist, sondern Protagonist."

Nicht nur Nübel, auch die sportliche Führung der Münchner durfte sich angesprochen fühlen. Neuer hat es überhaupt nicht gefallen, dass Interna aus vertraulichen Unterhaltungen in die Öffentlichkeit gedrungen sind. "Über Gespräche hinter verschlossenen Türen – und wenn Brazzo und ich nur alleine saßen – sollte man nichts sagen. Bei mir kommt nichts raus. Alle anderen sollen machen, was sie wollen", sagte der Torhüter.

Ein bisschen verärgert scheint Neuer schon zu sein – irritiert auf jeden Fall. Übrigens auch von Nübels Entscheidung. Er könne sich zwar nicht in den Schalker hineinversetzen, sagte Neuer, doch für ihn wäre ein solcher Wechsel und die damit verbundene, sehr wahrscheinliche Rolle als Ersatzmann nicht in Frage gekommen: "Ich bin als Manuel Neuer ein Spieler gewesen, der damals auch immer spielen wollte. Ich wollte immer die Nummer 1 sein."

Bayern-Trainer Flick: Neuer ist "der weltbeste Torhüter"

Seit 2011 steht Neuer bei Bayern unter Vertrag, und es dürften noch ein paar Jahre hinzukommen – trotz der Aufregung um Nübel. Erst recht, wenn Hansi Flick Bayern-Trainer bleiben sollte. Die Arbeit mit dem Kovac-Nachfolger bereite ihm "sehr viel Spaß", sagte Neuer: "Und es ist für mich natürlich auch ausschlaggebend, wer langfristig Trainer wird." Bei Flick, der beim gemeinsamen WM-Triumph 2014 Co-Trainer von Jogi Löw war, müsste Neuer auch in Zukunft nichts befürchten.

Flick positionierte sich in Doha klar zu Neuer: "Manuel ist für mich der weltbeste Torhüter. Von daher wird Bayern schon alles daran setzen, dass man ihn weiterverpflichtet." Neuer will das auch. "Ich bin als ältester Spieler der Mannschaft sehr hungrig und motiviert", erklärte er. Er wolle so lange im Bayern-Tor stehen, "wie ich mich gut fühle, Leistung zeigen kann, mir Fußball spielen Spaß macht, ich gebraucht werde und das Gefühl habe, dass es wichtig ist, dass ich auf dem Platz stehe."

Könnte also noch ein bisschen dauern, ehe Nübel übernehmen darf. Was durchaus Konfliktpotenzial birgt. Aber damit kann sich ja ab heute Oliver Kahn beschäftigen.

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