Ex-Bayern-Star im Interview Elber: "Müller verkaufen? - Dann kannst Du den Laden zumachen"

Giovane Elber spielte von 1997 bis 2003 beim FC Bayern. Foto: dpa

Ex-Bayern-Torjäger Giovane Elber analysiert in der AZ die Münchner, er spricht über Schweinsteigers Wechsel, Guardiolas mögliche Nachfolger und Götze: „Er ist wie ein Brasilianer, man muss ihn streicheln“

 

München - Giovane Elber (43) war brasilianischer Nationalspieler und von 1997 bis 2003 in München, er holte je vier Mal mit den Bayern die Meisterschaft und den Pokal, 2001 triumphierte er in der Champions League. Das AZ-Interview vor dem Liga-Start am Freitag mit dem Spiel des FC Bayern gegen den Hamburger SV.

Herr Elber, Ihr Landsmann Douglas Costa wird schon nach wenigen Wochen von den Münchner Fans gefeiert. Hätten Sie, der ehemalige Bayern-Torjäger und Liebling der Fans in München, gedacht, dass er gleich dermaßen einschlägt?

Giovane Elber: Nein. Ich habe nicht gedacht, dass er so gut ist. Ich habe ihn bei Schachtjor Donezk gesehen, aber da ist er nicht so aufgefallen. Es ist schön, dass er gleich so auftritt. Schon gegen Wolfsburg konnte man seine Schnelligkeit sehen, seine Spritzigkeit, seine Ballbehandlung. Und beim Audi Cup war sein Zusammenspiel mit David Alaba sehr gut.

Jetzt gilt es für ihn, diese Leistungen zu bestätigen.

Man darf jetzt nicht gleich durchdrehen und denken: Der Junge hat es schon geschafft, er ist schon Weltklasse. Costa kann dieses Level erreichen, aber wir sind noch in der Vorbereitung.

Wie ist denn eigentlich Costas Ruf in Brasilien?

Bisher ist er dort keine große Nummer. Er hat es so gemacht wie ich: Mit 17, 18 Jahren ist er nach Europa. Deshalb ist er im eigenen Land nicht so bekannt. Aber jetzt, wenn er bei Bayern ist, wird man ihn auch in Brasilien sehen.

Wenn Franck Ribéry wieder fit ist, gibt es ein heißes Duell um den Platz auf der linken Außenbahn. Kann Costa Ribéry verdrängen?

Ich glaube schon. Auf lange Sicht soll er Ribéry beerben, aber er kann ihm auch schon in dieser Saison gefährlich werden. Der Trainer wird genau hinsehen. Vor allem kann Costa viel von Ribéry und Arjen Robben lernen.

Ribéry plagt sich seit Monaten mit einer Knöchelverletzung herum. Er ist 32, werden wir den alten Ribéry überhaupt noch mal sehen?

Ich glaube, Franck hat noch Saft. Er wird noch mal zurückkommen.

Wie bewerten Sie die Verpflichtung von Arturo Vidal, der von Champions-League-Finalist Juventus Turin kam?

Bayern hat ein Zeichen an Europa gesetzt mit den Verpflichtungen von Vidal und Costa. Vidal hat bei Juventus viel gelernt. Er kommt zum richtigen Zeitpunkt seiner Karriere nach München.

Was gefällt Ihnen an Vidal?

Sein Zweikampfverhalten, seine Aggressivität. Er geht da hin, wo es wehtut. Und er kann gute Pässe spielen.

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Hat so ein Spieler im Bayern-Kader gefehlt?

Das kann sein, nur mit Schönspielerei geht es nicht. Große Titel gewinnt man mit Typen wie Vidal. Wir hatten früher auch Kämpfer wie Jens Jeremies und Owen Hargreaves.

Momentan gibt es im Kader mit Robert Lewandowski nur einen Mittelstürmer. Blutet Ihnen als Ex-Stürmer da manchmal das Herz?

Das Spiel hat sich verändert. Nicht nur bei Bayern spielt man mit wenigen Stürmern, meist nur mit einem. Lewandowski hat gelernt, damit umzugehen. Aber ehrlich: Es ist nicht einfach, ganz allein da vorne zu sein. Ich hatte es immer lieber mit einem Sturmpartner: Carsten Jancker, Roque Santa Cruz, Alex Zickler oder Claudio Pizarro.

Sie haben Pizarro angesprochen. Hat es Sie überrascht, dass er keinen Vertrag mehr bei Bayern bekommt?

Ich hätte ihm einen gegeben (lacht). Bei Claudio weißt du, was du hast. Er ist immer für ein Tor gut, kann mit seiner Erfahrung helfen. Ich habe mit ihm gesprochen, er weiß noch nicht genau, wie es weitergeht.

Ein großes Thema bei Bayern ist Mario Götze. Warum kommt er bei Bayern nicht so zur Geltung wie bei Borussia Dortmund?

Das ist eine gute Frage. Ich würde ihm raten, in der Öffentlichkeit zu schweigen und nur noch mit Leistung aufzufallen. Dann kommt alles von alleine. Im Vergleich dazu, wie er beim BVB gespielt hat, ist ein großer Unterschied zu erkennen. Wenn man glücklich ist, spielt man anders. Dann läuft es wie von alleine. Wenn man unglücklich ist, macht man sich viel zu viele Gedanken. Und dann klappt es nicht.

Welche Rolle spielt der Coach?

Ich weiß nicht genau, wie Guardiola mit ihm umgeht. Aber von außen kommt Götze wie ein Brasilianer rüber. Solche Spieler musst du streicheln, ihnen Selbstvertrauen geben. Ihnen sagen: Wir helfen dir! Es ist schwierig, wenn es schon vor der Saison Diskussionen gibt. Bayern sollte ihn stärken, statt ihn zu verkaufen.

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Der Verkauf von Bastian Schweinsteiger wurde nicht von allen Seiten begrüßt.

So hat sich das Fußballgeschäft nun mal entwickelt. Jeder Topklub versucht, die besten Spieler zu kaufen. Sportlich wird Bayern Schweinsteiger ersetzen können. Aber man muss aufpassen, dass man nicht zu viel von seinen Wurzeln, seinem Ursprung verliert. Zu meiner Zeit war das noch anders. Ich erinnere mich, dass Franz Beckenbauer den Wunsch hatte, am liebsten die ganze deutsche Nationalelf nach München zu holen. Ich glaube, dieser Wunsch ist noch immer da: Wenn es einen guten deutschen Spieler in der Bundesliga gibt, wird sich Bayern mit ihm beschäftigen.

Welche Bedeutung hat Schweinsteiger für den Verein FC Bayern?

Ich habe seinen Abschied sehr bedauert. Wenn man in Brasilien über Bayern spricht, ist er der erste Name, der den Leuten in den Kopf kommt neben Philipp Lahm und Thomas Müller. Es ist hart, eine solche Figur zu verlieren. Mein Sohn hat gesagt: ,Papa, ich will jetzt nicht mehr Bayern-Fan sein, weil Schweini nicht mehr da spielt.’

Ist es vorstellbar, dass der FC Bayern auch bei einem viele Millionen schweren Angebot für Thomas Müller schwach wird?

Wenn jemand jetzt auf die Idee kommt, ihn zu verkaufen, kannst du den Laden zumachen. Dann schaue ich die Spiele hier im Stadion nicht mehr an (schmunzelt). Müller ist einer wie der Bastian Schweinsteiger, dazu noch jung. Er ist das Gesicht des Vereins.

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Pep Guardiola tritt in der Öffentlichkeit sehr genervt auf. Deutet das auf seinen Abschied hin?

Ich glaube, er wird seinen Vertrag in München erfüllen. Was danach passiert? Ich kann verstehen, dass er genervt ist. Die Diskussionen um seine Zukunft haben schon in der vergangenen Saison begonnen. Es ist anstrengend, immer die gleichen Fragen zu beantworten.

Vor dem Spiel gegen Real Madrid beim Audi Cup gab es sogar Pfiffe.

Die habe ich auch gehört. Es ist eine wirklich komplizierte Situation. Und wenn jetzt noch der Erfolg in den ersten Spielen ausbleiben sollte, wird es richtig schwierig.

Sollte Guardiola die Bayern verlassen – wer ist denn Ihr Favorit als Nachfolger?

Jürgen Klopp wäre mein Favorit.

Warum?

Was er bei Borussia Dortmund gemacht hat, war wirklich Weltklasse. Bei ihm hast du den Eindruck: Er ist Trainer und gleichzeitig dein Mitspieler. Wie er auf der Bank gefeiert hat, das war klasse. Das kann ich mir gut bei den Bayern vorstellen.

Obwohl das Umfeld in München und gerade auch die Medienpräsenz ganz anders sind?

Die Bayern haben schon einmal gute Erfahrungen mit einem ehemaligen Dortmund-Trainer gemacht: Ottmar Hitzfeld. Klopp kann mit dem Druck sicher umgehen, er ist ja ein Medienprofi.

 

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