Ex-Bayern-Star im AZ-Interview Thomas Strunz: „Kimmich zur EM? Das geht mir zu schnell“

„Das Thema Nationalmannschaft sehe ich bei Kimmich noch nicht“, sagt Strunz über Bayerns Jungstar. Foto: dpa, firo/Augenklick, az

Im AZ-Interview spricht Thomas Strunz über den rasanten Aufstieg von Joshua Kimmich, die Chancen von Mario Götze unter Bald-Trainer Carlo Ancelotti, Bayerns Situation in der Liga und das Juve-Rückspiel.

 

München - Der 47-Jährige Thomas Strunz spielte für den FC Bayern, den VfB Stuttgart und den MSV Duisburg. 1996 holte er den EM-Titel, mittlerweile arbeitet er als Experte für Sport1. Im AZ-Interview spricht er unter anderem über Joshua Kimmich und eine mögliche Rolle des Youngsters im DFB-Team.

AZ: Herr Strunz, Uli Hoeneß ist seit Montag auf freiem Fuß und man fragt sich, ob er künftig wieder der starke Mann beim FC Bayern wird. Haben Sie die Antwort?

Thomas Strunz: Nein, das weiß ich nicht. Das muss Uli ganz allein entscheiden, ob er das nochmal machen will. Der sportliche Erfolg war auch ohne Uli da, die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte wurde fortgesetzt. Aber ob der Verein sich ohne ihn nun verändert oder weiterentwickelt hat, vermag ich nicht zu sagen.

Bayern-Gegner Mainz in die Champions League?

An diesem Mittwoch will Hoeneß angeblich schon wieder im Stadion sein. Dann spielen die Bayern gegen Mainz 05, die überraschend Platz fünf in der Bundesliga belegen.

Es gibt jedes Jahr mindestens eine Mannschaft, die etwas Überraschendes leistet. Letztes Jahr war es Augsburg, jetzt sind es sogar zwei Teams: Mainz und Hertha BSC. Das zeigt, dass über mannschaftliche Geschlossenheit viele Dinge möglich sind, die man mit Geld nicht bezahlen kann.

Ist sogar die Champions League möglich für Mainz?

Oben spielt ja keine Mannschaft richtig stabil außer Bayern und Dortmund. Wolfsburg ist nicht konstant, Schalke schwächelt, auch Leverkusen. Man merkt, dass diese Teams die Doppelbelastung aus dem Europacup spüren. Das nutzen Hertha und Mainz derzeit aus.

Im Sommer steht Mainz allerdings vor der schweren Aufgabe, Christian Heidel, den erfolgreichen Manager zu ersetzen. Wie kann das gelingen?

Das wird eine große Herausforderung. Ich warne aber davor, zu sagen, Mainz 05 ist alleine von Christian Heidel gemacht worden. Da steht ein Team, ein Verein für diesen Erfolg. Aber natürlich trägt die Entwicklung der vergangenen Jahre seinen Namen, nicht umsonst hat sich Heidel diesen Ruf in der Branche erarbeitet.

Der FC Bayern kann mit Siegen gegen Mainz und Dortmund eine „Vorentscheidung“ im Meisterkampf schaffen, wie Philipp Lahm sagt. Sehen Sie das auch so?

Ja, natürlich. Ich gehe davon aus, dass die Bayern gegen Mainz gewinnen und dann gibt es in Dortmund den großen Showdown, auf den sich jeder Fan freut. Aber selbst wenn die Bayern in Dortmund verlieren, werden sie sich die Meisterschaft nicht mehr nehmen lassen. Dann sind es immer noch fünf Punkte Vorsprung. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bayern danach noch zwei Spiele in der Bundesliga verlieren.

Am Mittwoch im Liveticker: FC Bayern München gegen Mainz

Wie geht es weiter mit Götze und dem FC Bayern

Bei Bayern läuft es, Mario Götze aber sitzt nur auf der Bank. Warum?

Man hat Pep Guardiola in der Vergangenheit zuletzt vorgeworfen, dass er Spieler zu früh wieder einsetzt. Vielleicht ist er deshalb etwas vorsichtiger mit seinen Kreativspielern. Ich gehe davon aus, dass Mario gegen Mainz auf Spielminuten kommen wird.

Wie sehen Sie Götzes Perspektiven bei Bayern über den Sommer hinaus?

Dass Mario ein fantastischer Spieler ist, steht außer Frage. Aber der neue Trainer Carlo Ancelotti entscheidet, was mit ihm passiert. Wie und wo er ihn einsetzen will, welches System er spielen lässt, ist noch nicht klar. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass der Spielertyp Götze bei Ancelotti ein hohes Standing hat. Es wird auch davon abhängen, auf welcher Position er mit Thomas Müller plant: Ob er mit zwei Spitzen spielt oder mit Raute.

Aber darf man das Erfolgsduo Müller/Robert Lewandowski, das aktuell Rekorde bricht, überhaupt trennen?

Aktuell ist es fantastisch, was Müller spielt: Wieviele wichtige Tore er schießt, was er für die Mannschaft tut, wie er defensiv arbeitet. Das ist sehr beeindruckend. Das passt sehr gut mit Lewandowski.

Jupp Heynckes hat kürzlich gesagt, dass der Fußballer des Jahres Thomas Müller heißen sollte.

Er ist eine der herausragenden Spielerpersönlichkeiten. Auch wie er sich außerhalb des Platzes gibt, wie er mit den Medien umgeht: Man hat überhaupt nicht das Gefühl, dass da irgendwas gespielt ist. Deshalb wird er bei dieser Wahl ganz vorne dabei sein.

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Kimmich von der Notabwehr in den EM-Kader?

Der Angriff funktioniert, und auch in der Abwehr sieht es nun wieder besser aus nach der Rückkehr von Medhi Benatia und den guten Nachrichten von Javi Martínez, der ins Lauftraining eingestiegen ist. Kann überhaupt etwas schiefgehen gegen Juventus?

Es sieht auf jeden Fall gut aus, trotz des 2:2 aus dem Hinspiel, das etwas ärgerlich war. Juve muss das Spiel gewinnen, da werden sich Räume für die Bayern ergeben. Natürlich ist es von Vorteil, wenn gelernte Innenverteidiger wieder zurückkehren. Das gibt Stabilität und Sicherheit für die Mannschaft, selbst wenn sie nur auf der Bank sitzen.

Die „Notabwehr“ David Alaba und Joshua Kimmich dürfte sich dennoch als gute Alternative erwiesen haben.

Ja, auf jeden Fall.

Ist Kimmich aus Ihrer Sicht reif für die EM im Sommer?

Nein, das sehe ich nicht. Nur weil einer zehnmal für die Bayern gespielt hat, ist er nicht automatisch ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Das geht mir manchmal zu schnell, gerade bei jungen Spielern des FC Bayern. Wenn ich diese Mannschaft sehe, mit dieser Erfahrung: Da könnte ich auch zehn Spieler aus der 2. Liga holen, die mitspielen könnten und nicht negativ auffallen würden. Das Thema Nationalmannschaft sehe ich bei Kimmich noch nicht.

 

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