Es kriselt gewaltig Zwist zwischen FC Bayern und DFB: Muskelspiele der Giganten

Die Situation zwischen dem FC Bayern (Präsident Uli Hoeneß, l.) und dem DFB (Bundestrainer Joachim Löw, r.) war schon mal besser. Foto: Matthias Balk/dpa, GES/Augenklick, AZ-Montage

Zwischen dem FC Bayern München und der Nationalmannschaft kriselt es – nicht erst seit dem Aus von Müller, Hummels und Boateng. Von Sponsoring bis zur Förderung des Nachwuchs: Bei diesen Themen ist man sich uneinig.

 

München - Nach und nach trudelten die Stars der Nationalmannschaft am Montag in Wolfsburg ein, zum Länderspielauftakt 2019 residieren Deutschlands beste Spieler im Hotel Ritz-Carlton, mitten in der Autostadt.

Die ganze Woche über bereitet sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hier auf die Spiele gegen Serbien (Mittwoch, 20.45 Uhr) und die Niederlande (Sonntag, 20.45 Uhr, Start in die EM-Quali in Amsterdam) vor, es geht nobel zu, selbst in Krisenzeiten. Highlight des Hotels ist der beheizte Außenpool, der im Hafenbecken des Volkswagen-Kraftwerks liegt, die Türme des Autoriesen hat man dort immer im Blick. Wie passend in diesen Tagen.

VW ist neuer Hauptsponsor des DFB

Denn dass die erste Partie dieses Jahres in Wolfsburg stattfindet, ist natürlich kein Zufall. Seit Januar fungiert VW als neuer Hauptsponsor der deutschen Mannschaft, Mercedes wurde nach 46 Jahren abgelöst. Am Abend präsentierte VW-Tochter MAN auch gleich den neuen Mannschaftsbus. Dass Ilkay Gündogan mittags in einem Van des alten Sponsors vors Hotel gefahren wurde? Halb so wild, meinte DFB-Direktor Oliver Bierhoff: "Die Anreise ist privat und jedem selbst überlassen."

DFB und FCB im Streit

Bis zu 30 Millionen Euro pro Jahr sollen nun in die DFB-Kassen fließen, vorher waren es acht Millionen. VW haut einen raus, trotz Abgasskandal. "Ich habe bislang nur positive Resonanz erfahren", sagte Bierhoff. VW sei "ein Partner, "der an die Basis rangeht". Für die Nationalelf ist es ein Deal, der sich lohnt. Und der zugleich brisant ist – weil er den FC Bayern verärgert hat.

Warum es zwischen den Münchnern und dem DFB aktuell knirscht: Die AZ erklärt die Muskelspiele der Giganten.

Thema Sponsoring: Bayern und die Nationalmannschaft sind seit Jahrzehnten große Konkurrenten in puncto Werbung. Wie die AZ erfuhr, hat der Vertragsabschluss mit VW die Münchner irritiert, vor allem die Art und Weise des Zustandekommens. So sei der FC Bayern, der offiziell noch bis 2025 von VW-Tochter Audi gesponsert wird, zunächst gar nicht darüber informiert worden. "Das hat uns nicht gefallen", heißt es aus dem Umfeld des Klubs. Die Entscheidung der Bayern, in Zukunft auf BMW als Automobilpartner zu setzen, wurde deshalb beschleunigt. Man wünscht sich Exklusivität. Die konnten VW/Audi Bayern nicht bieten.

Manuel Neuer bald nur noch Nummer 2?

Thema Kader: "Ich habe mich entschlossen, das Thema mit dem Jogi Löw unter vier Augen zu besprechen", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dem 6:0-Sieg gegen Mainz über die Ausbootung der Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng. Doch dass die Münchner Löws Entscheidung sehr kritisch sehen, ist kein Geheimnis. Der Bundestrainer habe sich dazu entschlossen, "den Umbruch im radikalen Stil zu vollziehen", sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge der AZ: "Unsere drei Spieler sind ja nicht gerade das, was ich als altes Eisen bezeichnen würde."

Richtig angespannt dürfte das Verhältnis werden, falls Löw auch Kapitän Manuel Neuer entmachtet und auf Marc-André ter Stegen im Tor setzt. DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigte nun immerhin an, dass das verbannte Trio "in einer angemessenen Form" verabschiedet werden soll. Bierhoff bestätigte diesen Plan. Die Rückennummern von Müller (13, geht an Lukas Klostermann), Hummels (5, an Jonathan Tah) und Boateng (17, Niklas Stark) sind übrigens schon wieder vergeben.

Rummenigge: Schlechte Nachwuchsföderung in Deutschland

Thema Nachwuchsförderung: Wer ist verantwortlich dafür, dass der deutsche Fußball derzeit so wenige Toptalente hervorbringt? Laut Rummenigge vor allem der DFB. Die Engländer etwa seien davongezogen, so Rummenigge, die "haben eine bessere Ausbildung als wir bei Spielern im Alter von zehn bis 18 Jahren". In Deutschland sei "immer das Kollektiv gefördert" worden, erklärte Rummenigge weiter, "nicht der individuelle Spieler. Das war die falsche Entscheidung des DFB. Das gilt es jetzt schnell zu korrigieren."

Klub-WM statt Confed Cup

Thema Klub-WM: DFB-Präsident Reinhard Grindel ist noch zurückhaltend, wenn es um eine Aufstockung des Turniers auf 24 Teams geht. Die Bayern nicht. Rummenigge sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", er "verstehe die Fifa, dass dieser Wettbewerb jetzt reformiert werden soll". Gleichzeitig stellte er klar, dass die erwarteten Solidaritätszahlungen aus dem Turnier in Millionenhöhe an die Ligen und Klubs gehen sollten – und nicht an die Nationalverbände.

Auch Hoeneß äußerte sich positiv: "Die Klub-WM alle vier Jahre mit tollen Mannschaften statt Confederations Cup – wunderbar. Hoffentlich schon 2021. Her damit, schnell!"

Lesen Sie hier: Fragen zu Löw - Thomas Müller veräppelt Sky-Reporterin Sedlaczek

 

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