Entscheidung des Trainers Guardiola: "Rummenigge weiß alles"

"Rummenigge weiß alles", sagt Guardiola über die bevorstehende Verkündung seiner Zukunftsentscheidung. Foto: dpa

Ob er den FC Bayern im Sommer verlässt? Dazu will Trainer Guardiola nichts sagen. „Am Sonntag werden wir es wissen.“ Und doch wirkt der Spanier vor dem Hannover-Spiel befreit. Eine Betrachtung.

 

München - In der Adventszeit sind die Menschen das Warten ja gewohnt, zelebrieren es bisweilen regelrecht. Ein Hauch von Adventsstimmung lag nun auch an der Säbener Straße in der Luft. Auf eine Ankunft, was Advent ja übersetzt heißt, warteten rund 40 Journalisten und knapp ein Dutzend Kamerateams in dem überfüllten Presseraum des FC Bayern.

Der angekündigte Auftritt von Pep Guardiola hatte sich bereits um 30 Minuten verzögert. Langsam wurde es etwas unruhig. Jemand summte die Wartemelodie der Kult-Quizshow „Jeopardy“ vor sich hin. Andere waren in Gespräche vertieft, in denen immer wieder die Namen Carlo Ancelotti und Pep Guardiola zu hören waren.

Um 12.34 Uhr war es dann endlich so weit. Doch der, der dann kam, war nicht der, auf den alle gewartet hatten. Okay, es war ein Spanier, ein gut gekleideter noch dazu, der sogar einen, wenn auch rötlichen, Dreitagebart trug. Und dann sagte er auch noch, dass er seinen auslaufenden Vertrag verlängert habe und in der kommenden Saison beim FC Bayern bleiben werde. Aber spätestens das dichte Haupthaar verriet, dass es sich nicht um den eigentlich erwarteten Guardiola handeln konnte.

Anstelle seines Trainers hatte der FC Bayern Xabi Alonso im Besitz eines neuen und bis 2017 gültigen Arbeitspapiers vorgeschickt. Der Abteilungsleiter für Publikationen des FC Bayern, Hans-Peter Renner, der neben Alonso saß, gab auch noch die mit Thomas Müller, Jérome Boateng und Javi Martinez frisch abgeschlossenen und jeweils bis 2021 gültigen Kontrakte öffentlich bekannt (siehe Seite 30). Das geschah fast schon derart beiläufig, als wolle man den Eindruck erwecken, dass es keine leichtere und selbstverständlichere Entscheidung gebe, als „Ja“ zu einer Vertragsverlängerung beim FC Bayern zu sagen. Ein letzter Versuch des Vereins, Guardiolas noch immer offiziell ausstehende Antwort auf jene Kernfrage, die die Fußballwelt derzeit wie keine andere beschäftigt, zu beeinflussen?

Internationale Medien vermeldeten in den vergangenen Tagen, der Katalane habe sich für einen Abschied aus München am Saisonende entschlossen. „Das ist eine Entscheidung zwischen Pep und dem Verein. Darauf müssen wir warten und sie dann respektieren“, sagte Alonso noch. Und kurz nachdem der „falsche“ Spanier den Raum wieder verlassen hatte, betrat dann der „richtige“ die Bühne.

Ob er seinen vermeintlich feststehenden Abschied aus München bestätigen könne, wurde Guardiola gleich gefragt. Auf der Stirn des 44-Jährigen zeichneten sich Falten ab, seine Augen verengten sich und er fuhr sich mit den Fingerspitzen seiner rechten Hand über die Lippen. „Der Verein“, sagte er schließlich, holte noch einmal tief Luft und sorgte mit seiner Kunstpause für Spannung: „Karl-Heinz Rummenigge und ich haben viele Male gesagt, dass wir nach unserem letzten Spiel in Hannover sprechen werden. Das haben wir die letzten zwei Monate gesagt und heute sage ich das Gleiche.“

Dann entspannten sich Guardiolas Gesichtszüge, ja er lachte fast ein wenig, zuckte mit den Schultern und sagte: „Es ist noch ein Tag mehr. Es tut mir leid.“ Wie immer bei Fragen, die seine Zukunft betreffen, wirkte Guardiola auch dieses Mal genervt, aber auch ein wenig befreit. Möglicherweise auch deshalb, weil er seine Entscheidung tatsächlich bereits getroffen und dem Verein mitgeteilt hat.

„Rummenigge weiß absolut alles“, sagte Guardiola und berichtete von „vielen Gesprächen über viele Sachen“. Dann riss er die Arme nach oben, schaute auf seine Hände und sagte: „Er ist top!“ Wieder grinste der Bayern-Coach. Und was ist mit den Spekulationen über ein Engagement in England, etwa bei Manchester City? „Ich habe in den letzten Monaten schon vier Mannschaften gleichzeitig trainiert“, sagte Guardiola süffisant: „Nochmal: Am Sonntag werden wir es wissen.“

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Im Falle eines Abschieds von Guardiola gilt Carlo Ancelotti, der mit Real Madrid 2014 das Triple gewann und derzeit vertragslos ist, als Topfavorit als neuer Coach. Italienische Medien berichteten von einem Dreijahresvertrag, der ihrem Landsmann angeblich 15 Millionen Euro pro Jahr einbringen soll. „Carlo ist ein super Mensch und ein super Trainer“, sagte Guardiola über seinen Kollegen.

„Und jetzt noch das Problem mit dem Arzt? Lets go!“, sagte der Spanier provokant, um dann klarzustellen, dass die Berichte über einen Streit mit Bayern-Doc Volker Braun falsch seien. „Ich versuche immer, ein netter Mensch zu sein.“ Und dann näherte die Pep-Show sich ihrem Ende. „Mein Vater und meine Mutter verdienen, ihren lieben Sohn zu sehen“, verriet er noch und verabschiedete sich: „Frohe Weihnachten und Gesundheit für eure Familien. Wir sehen uns.“ Das Warten geht also noch ein wenig weiter, sei es auf die Ankunft oder eben doch den Abschied.

 

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