Brisante Arbeitswoche Löw bekommt Druck von oben: 2020 um Titel mitspielen

Bundestrainer Joachim Löw trifft sich mit der Nationalmannschaft zur Vorbereitung auf die ersten Länderspiele des Jahres. Foto: Boris Roessler/dpa

Joachim Löw startet mit erheblichem Risiko ins Länderspieljahr. Sein radikales Umdenken muss gegen Serbien und speziell in Holland gleich seine Zukunftstauglichkeit beweisen. Ein "neuer Zyklus" beginnt.

Wolfsburg - Mit der Bahn reiste Joachim Löw in die Autostadt des neuen DFB-Sponsors Volkswagen, wo er eine eng getaktete und vor allem zukunftsweisende Arbeitswoche erfolgreich bewältigen muss.

Der zunehmend kritisch beäugte Bundestrainer will nach seinem radikalen Umdenken mit einem weiter verjüngten Kader beim Neustart nach vier Monaten Länderspielpause auf Anhieb positive Resultate liefern.

Nach der - zumindest für einen Bundestrainer Löw - unwiderruflichen Ausmusterung des Bayern-Trios Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller birgt der Aufbruch Richtung Fußball-EM 2020 erhöhte Brisanz. "Für uns steht ein neuer Zyklus an", sagte Löw, der vor dem Testspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) gegen Serbien und dem Chancen und Risiken bergenden ersten Punktspiel vier Tage später in Amsterdam gegen Holland ein Versprechen gab: "Die Qualifikation werden wir schaffen."

Immerhin: Die Mehrheit der Deutschen traut Löw im Jahr nach dem WM-Desaster und dem Nations-League-Abstieg wenigstens das noch zu. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur rechnen 59 Prozent der Befragten mit einer EM-Teilnahme. 18 Prozent glauben wiederum an das erste Scheitern der DFB-Auswahl in einer Qualirunde seit der EM 1968.

DFB-Präsident Reinhard Grindel erhöhte pünktlich zum Neubeginn den Druck auf Löw, auch wenn er dem vertraglich bis zur nächsten WM 2022 in Katar gebundenen Coach zugleich das Vertrauen aussprach. "Jogi bringt alle Qualitäten mit, um den Umbruch zu gestalten", sagte Grindel am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Ein weiteres sportliches Versagen könnte Grindel dem "ewigen Bundes-Jogi" aber kaum noch durchgehen lassen. "Wir wollen uns souverän für die EURO 2020 qualifizieren", sagte der Verbandschef. "Und ich denke, wir werden dann auch eine Mannschaft haben, die um den Titel mitspielen kann."

Teil zwei ist dabei die anspruchsvollere Vorgabe. Neben den wieder erstarkten Niederländern sollten in der Quali Nordirland, Weißrussland und Estland nicht zu Stolpersteinen werden. Platz zwei reicht schon für das EM-Ticket. "Ich glaube schon, dass wir mit den jungen Spielern eine gute Rolle spielen können", sagte Niklas Süle.

Sein erkälteter Bayern-Kollege Serge Gnabry fehlte am Montag beim Treffpunkt in der VW-Metropole. Der Angreifer wird wohl höchstens für das wichtigere Punktspiel gegen Holland eine Option für Löw sein.

Confed-Cup-Sieger wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder den neuen Abwehrchef Süle hat der Bundestrainer dazu auserkoren, nun vermehrt Verantwortung zu übernehmen. "Wir sind in der Lage, in die Fußstapfen der Weltmeister zu treten", sagte Goretzka selbstbewusst. Der talentierte Jahrgang 1995 soll und will übernehmen. "Jetzt ist allerhöchstes Niveau gefragt, jetzt sind nicht andere da, wo man sich verstecken kann", formulierte Löw deutliche Ansprüche an die Jungen.

Ein gelungener Jahresauftakt würde ihm nach dem Schlingerkurs seit dem WM-Unfall in Russland Zeit und Ruhe verschaffen. Die interne Anspannung ist groß. "Das kann man im Voraus nicht sagen", sagte Kapitän Manuel Neuer auf die Frage, was der Nationalmannschaft ohne seine Bayern-Kollegen Müller, Boateng und Hummels fehlen werde.

Grindel wünscht sich, dass jetzt der Fußball wieder im Fokus steht. Die Konzentration soll ganz den Spielen gegen Serbien und Holland gelten. "Das wird schwer genug", sagte der DFB-Boss. 23 Spieler hat Löw nominiert, nur noch einer ist älter als 30: Kapitän Neuer (32).

Drei Neulinge stehen dafür im EM-Perspektivkader: die Abwehrspieler Niklas Stark von Hertha BSC und Lukas Klostermann von RB Leipzig sowie der Bremer Maximilian Eggestein. "Natürlich orientiert man sich an den Spielern, die länger dabei sind, die Weltmeister geworden sind", sagte der 22-jährige Eggestein bei der Ankunft am Teamhotel bescheiden. Die Zeitenwende dokumentieren auch die Trikotnummern. Stark übernahm am Montag die 17 von Boateng, Klostermann erhielt Müllers 13. Und mit der 5 von Hummels könnte der bislang erst in vier Länderspielen eingesetzte Leverkusener Jonathan Tah auflaufen.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading