Deutschland gegen Ghana Klose, Schweinsteiger und Podolski: Verdienstvoll – auf Abruf

347 Länderspiele: Klose, Podolski, Schweinsteiger (v.l.): Joachim Löws erfahrene Ersatzbank. Foto: firo/AZ

Schweinsteiger, Podolski und Klose spielen bisher noch keine Rolle bei der WM. Bundestrainer Löw lobt sie dennoch explizit – weil auch er weiß, wie wichtig sie im Turnier noch werden können

 

FORTALEZA - 347 Länderspiele haben Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Lukas Podolski zusammen absolviert – doch Erfahrung schützt vor der Ersatzbank nicht. Zumindest Klose und Schweinsteiger, schon gegen Portugal nicht eingesetzt, kommen nun wohl auch gegen Ghana (21 Uhr/ARD) höchstens für ein paar Einsatzminuten infrage.

„Da muss man sehen, wie das Spiel verläuft“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Klose und Schweinsteiger seien dennoch für das Team enorm wichtig und würden „unheimlich professionell“ arbeiten: „Das nenne ich unglaublich guten Geist, der bei uns herrscht, gerade bei den etablierten Kräften“, unterstrich Löw.

Prinizipiell hat Löw im zweiten Spiel nicht vor, seine Aufstellung zu verändern – es sei denn, Mats Hummels fällt aus. Einer, der das Problem kennt, ist Per Mertesacker.

Bei der EM 2012 war er das Opfer, kam überraschend keine Minute zum Einsatz. Der 29-Jährige weiß deshalb genau, was in seinen Kollegen vorgeht. Dies sei „erst einmal wie ein Schlag, wenn man vorher eine Konstante war. Das ist eine ganz neue Erfahrung, wenn man nur noch ein kleiner Teil des großen Ganzen ist“, sagte Mertesacker und forderte die aktuellen Reservisten auf, „sich zurücknehmen, um den Teamerfolg nicht zu gefährden. Es können schnell Grabenkämpfe entstehen.“

Noch lobt aber Mertesacker den „vorbildlichen Teamgeist. Alle stellen sich in den Dienst der Mannschaft“.

Podolski hat dagegen trotz aller Verdienste um den deutschen Fußball in den letzten Monaten schon häufiger auf der Bank gesessen, als ihm lieb ist. Klose, mit 36 Jahren und 132 Länderspielen erfahrenster DFB-Akteur, und Schweinsteiger (29/102) haben dagegen immer gespielt, sobald Gegen Portugal durfte Poldi wenigstens in der Schlussphase kurz noch für den dreifachen Torschützen Thomas Müller spielen.

Podolski hatte das Duell bei seiner schon sechsten Turnier-Teilnahme auf der linken Mittelfeldseite gegen Mario Götze verloren. Schweinsteigers Platz vor der Abwehr haben Kapitän Philipp Lahm und Sami Khedira besetzt. Für Klose wirbelt derzeit Müller. Dabei hatten alle drei darauf gehofft, eine tragende Rolle im DFB-Team einzunehmen.

Schweinsteiger, immerhin Vize-Kapitän, wollte der Taktgeber, Podolski der Antreiber und Klose der Vollstrecker sein. Für den Stürmer steht bei seiner vierten WM immerhin auch persönlich einiges auf dem Spiel. Klose liegt mit 14 Treffern in der WM-Torjägerliste nur noch einen hinter dem Brasilianer Ronaldo. Vor dem Turnier hatte er kein Hehl daraus gemacht, dass es für ihn schon etwas Besonderes wäre, diesen Rekord zu überbieten und in die WM-Historie einzugehen.

Noch hat Klose die Gelegenheit dazu, auch wenn Löw schon angedeutet hatte, keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen zu wollen. Auch Schweinsteiger und Podolski dürfen auf Einsatzzeiten hoffen – im Moment allerdings nur als Teilzeitkräfte.

Noch gehen alle damit positiv um. „Die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft ist hervorragend“, betonte Co-Trainer Hansi Flick. Auch Toni Kroos sieht keine Probleme: „Es ist klar, dass es bei unserem Kader Härtefälle gibt. Aber es ist alles gut.“

Gerade Schweinsteiger würde sich „ganz normal“ verhalten. Ihm bleibt wie seinen Kollegen auch gar nichts anderes übrig, als sich weiter im Training anzubieten und gute Miene zum ungewohnten Spiel zu machen.

 

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