Chef-Ansage im Torhüter-Zoff Titan-Start: Wo Kahn jetzt direkt beim FC Bayern gefordert ist

Oliver Kahn (vorne) bei seiner Vorstellung als Vorstandsmitglied des FC Bayern Foto: Sammy Minkoff/imago images

Oliver Kahn nimmt offiziell seine Arbeit als Vorstandsmitglied beim FC Bayern München auf – und macht im Fall Alexander Nübel gleich die erste Chef-Ansage: Der Schalker-Keeper muss sich hinter Manuel Neuer anstellen und erstmal auf die Ersatzbank.

 

München - Wer wissen möchte, wie die neue Chefetage des FC Bayern aussieht, der musste bei der Pressekonferenz in der Presselounge der Allianz Arena nur mal einen Blick auf das Podium werfen. Dort saßen Herbert Hainer, seit November Nachfolger von Uli Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender, und Oliver Kahn, zu dessen offizieller Vorstellung als neuer Vorstand die Münchner eingeladen hatten.

Karl-Heinz Rummenigge, der sich einen Norovirus eingefangen hat und deshalb kurzfristig entschuldigen ließ, fehlte bei der Präsentation seines designierten Nachfolgers. Kahn soll den Vorstandsvorsitzenden ja zum 1. Januar 2022 ablösen.

Kahn: "Muss wissen, was das bedeutet"

"Ab heute beginnt: 100 Prozent FC Bayern München", sagte Kahn und berichtete von aufregenden vergangenen Tagen. Elfeinhalb Jahre nach seinem Karriereende in offizieller Funktion zum FC Bayern zurückzukehren sei für ihn "schon ein ganz, ganz besonderer Moment".

Die Erwartungen an den einstigen Torwarttitanen, der in der Zwischenzeit als TV-Experte beim ZDF und als Unternehmer arbeitete, sind riesig. "Ich kenne die Erwartungen hier", so Kahn: "Ein großer Trainer des FC Bayern hat mal gesagt: ‘Wer hier einen Vertrag unterschreibt, muss wissen, was das bedeutet...’" Das Zitat stammt von Otto Rehhagel.

Die AZ erklärt, in welchen Rollen Kahn bei Bayern jetzt direkt gefordert ist.

Als Soforthelfer und Vermittler: Von wegen langsame Einarbeitung! Mit dem Transfer von Alexander Nübel, der einen ab Sommer gültigen Fünf-Jahres-Vertrag bei Bayern unterschreiben wird, wartet bereits die erste große Aufgabe auf Kahn. Den Transfer bezeichnete er als "eine sehr kluge, strategische Entscheidung". Der 23-Jährige sei "bereit, sich hintenan zu stellen und von einem Welttorhüter wie Manuel Neuer zu lernen." Klingt etwas gestelzt, bedeutet aber übersetzt nichts anderes als, dass Nübel sich mit dem Platz auf der Bank erstmal abfinden muss. Kahns erste Chef-Ansage!

Kahn mit forscher Kampfansage an RB Leipzig

Als emotionaler Leader: Als Spieler trug Kahn nicht umsonst auch den Spitznamen "Vulkan". Dessen Ausbrüche sind legendär. Das bekamen Gegen- wie Mitspieler oder auch mal die Eckfahne zu spüren. "Emotionalität ist sehr wichtig auf dem Platz, und die ist bei Bayern München auch auf der Tribüne angesagt", sagte Kahn, "aber ich werde nicht durch den Meeting-Raum grätschen." Aufsichtsratsmitglied Edmund Stoiber sieht in Kahn dennoch "den emotionalen Leader der Zukunft".

Als Erfolgsbesessener: Das war Kahn schon als Spieler und daran hat sich offenbar nichts geändert. "Die Erfolgsgeschichte weiter- und fortzuschreiben, das ist schon ziemlich reizvoll, und vielleicht noch eine Schippe draufzulegen. Das entspricht mir selbst und meinem Charakter", sagte Kahn. Ziel sei es, "hochklassigen, absoluten Weltklasse-Fußball" zu bieten und in allen Bereichen "die Nummer 1" zu sein. "Wir wollen es uns nicht erlauben, die Meisterschaft in diesem Jahr abzugeben. Unsere Serie, sieben Mal in Folge Meister zu werden, ist für die Ewigkeit", so Kahn: "Acht Mal allerdings auch." Zudem sei die Leistung der Mannschaft in der Champions League "überragend" gewesen. Kahns Schlussfolgerung: "Es ist alles möglich!"

Als Bindeglied zur Mannschaft: Als Torhüter hat Kahn bei Bayern (1994 bis 2008) und in der Nationalmannschaft, mit der 1996 (als Ersatztorhüter) Europameister und 2002 Vizeweltmeister wurde, alles erlebt. Neben acht Meistertiteln 2001 auch den Champions-League-Triumph mit Bayern. "Kahn spricht die Sprache der Spieler", sagte Hainer.

Kahn: "Wir verfolgen beim FC Bayern das familiäre Element"

Kahn reist ins Trainingslager nach Doha, um dort die Mannschaft besser kennenzulernen. Kahn betonte, dass seine Tür den Spielern immer offenstehen soll. "Wir verfolgen beim FC Bayern das familiäre Element", sagte er und klang dabei fast schon wie der neue Uli Hoeneß. Das habe den FC Bayern stets immer "von allen anderen europäischen Vereinen" unterschieden. "Die Spieler wissen, dass man sich um sie kümmert. Das ist ein Aspekt, der noch wichtiger sein wird als zuvor."

Als Identifikationsfigur: "Er hat das Bayern-Gen vorgelebt wie kein anderer", sagte Hainer über Kahn: "Er lebt und verkörpert den FC Bayern." Und auch Kahn selbst machte deutlich: "Das ist für mich eine Herzensangelegenheit, bei der viel Herzblut dabei ist." 14 Jahre für den FC Bayern seien "eine extrem lange Zeit mit sehr vielen Emotionen. Die DNA steckt so tief in einem drin, dass man den Verein nie verlassen kann." Ab sofort soll der Rückkehrer das Mia-san-mia-Gefühl wieder mit neuem Leben ausfüllen.

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