Champions-League-Halbfinale Gegen Real: FC Bayern will die Schmach vergessen machen

Schwarzer Tag in Bayerns Geschichte: Am 18. April 2017 scheiden die Bayern gegen Real aus (oben) - jetzt will die Mannschaft um Müller (3.v.r.) Revanche. Foto: dpa

Der FC Bayern will gegen Real Madrid die Schmach aus dem Vorjahr vergessen machen. "Wir müssen ihre Schwächen ausnutzen", sagt Müller. Uli Hoeneß: "Man kann von vorsichtigem Optimismus sprechen".

 

München - Der neue Tag war gerade angebrochen, der vorherige, der 18. April letzten Jahres, ging als schwarzer Tag in die Geschichte des FC Bayern ein.

Madrid, das Bankett nach dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League bei Real. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ergreift nach dem bitteren 2:4 samt ganz bitterer Verlängerung das Wort, er schimpft auf Schiedsrichter Viktor Kassai wie noch selten ein Bayern-Verantwortlicher auf einen Unparteiischen geschimpft hat. O-Ton: "Ich muss sagen, ich habe heute zum ersten Mal so etwas wie wahnsinnige Wut in mir. Wut, weil wir beschissen worden sind. Wir sind beschissen worden, im wahrsten Sinne des Wortes."

FC Bayern will Revanche gegen Real Madrid

Die - aus Sicht der Bayern - Verfehlungen des Ungarn: Kassai übersah bei zwei Real-Treffern (wie auch bei einem Bayern-Tor) die Abseitsstellung. Arturo Vidal stellte er nach 84 Minuten nach einer Aktion vom Platz, die kein Foul war. Allerdings hatte der Mittelfeldakteur sich zuvor die Gelb-Rote Karte erarbeitet. Zu ungestüm, zu unbedacht. Doch die Bayern fanden ihren Schuldigen in der Nacht von Madrid. Ancelotti war's nicht.

Nun sieht man sich wieder. Nicht Kassai, das wäre eine unangebrachte Form von Sarkasmus seitens der Uefa. Nein, Real. Im Halbfinale. Das Hinspiel steigt am Mittwoch in München (20:45 Uhr, im AZ-Liveticker). Die Bayern machen Druck auf den Schiedsrichter, auch wenn der noch nicht bekannt ist.

"Das letzte Spiel in Madrid war schon extrem, vor allem von der Schiedsrichter-Leistung her", erinnerte sich Präsident Uli Hoeneß nach dem 3:0 in Hannover an den Frühling 2017 und sinnierte: "Ich bin ja normalerweise keiner, der über Schiedsrichter schimpft, aber der hat ja nicht nur einen elementaren Fehler gemacht, sondern drei, vier. Das war einfach - puh! Mehr als peinlich."

Thomas Müller: "Wir gehen mit breiter Brust ins Spiel"

Das Aus im Viertelfinale unter Trainer Carlo Ancelotti steckt also noch in den Köpfen? Hoeneß: "Da war alles so komisch. Da war der Platzverweis von Vidal, dann die Verletzung von Manuel Neuer, zuvor hatte sich Robert Lewandowski gegen Borussia Dortmund schwer verletzt - das wird nun ein völlig anderes Spiel. Jupp Heynckes kann jetzt aus dem Vollen schöpfen, hat den gesamten Kader bis auf Neuer zur Verfügung." Und Kingsley Coman. Auch Vidal wird fehlen. Ob dies eine Schwächung ist, wird sich zeigen.

Die Bayern wollen Revanche gegen Real und schöpfen Kraft aus der Erinnerung an 2017, nicht nur Kassai hat sie geärgert. "In den letzten Jahren war es vor allem in Madrid so, dass kleine, spielentscheidende Wackler vorhanden waren", sagte Thomas Müller über die Schiedsrichter. Die Tore müssen sie allerdings selbst erzielen. Der Kapitän hat da eine Idee: "Wir müssen auf jeden Fall nach vorne spielen, müssen Tore erzielen wollen. Wir gehen mit breiter Brust ins Spiel."

FC Bayern vor Real-Spiel vorsichtig optimistisch

Auch wegen Juventus Turin und deren Beinahe-Coup im Viertelfinal-Rückspiel im Bernabeu. "Wir müssen die Schwächen, die Madrid auf jeden Fall auch hat, ausnutzen", meint Müller, "sie haben das Rückspiel gegen Juve zu Hause mit 1:3 verloren - auch wenn sie weitergekommen sind. Das heißt, sie sind auch verwundbar."

Hoeneß hat einen Plan: "Wir müssen versuchen, am Mittwoch ein gutes Ergebnis zu erzielen. Möglichst ohne Gegentor. Wir brauchen einen besonders guten Tag, um sie zu schlagen. Aber ich finde, man kann von vorsichtigem Optimismus sprechen. Wir sind in guter Form, in einer besseren Verfassung als letztes Jahr um diese Zeit. Es wird auf jeden Fall ein großer Kampf." Gut, dass der Titelverteidiger Favorit ist. "Fifty-fifty", entgegnet Hoeneß. Seine Augen verrieten, dass er ans Finale glaubt. Schließlich ist diesmal sein Jupp der Trainer.

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