Bricht die Union nun auseinander? Merkel und Seehofer unter Druck: CDU/CSU zum ersten Mal unter 30 Prozent

Waren sich nicht immer einig: Angela Merkel und Horst Seehofer. Foto: dpa

Die Union liegt zum ersten Mal unter 30 Prozent. Die Schuldzuweisungen zwischen CDU und CSU beginnen - doch es gibt auch Selbstkritik.

Berlin/München - In der Union ist das Entsetzen groß. Dass die Umfragewerte im Augenblick nicht übermäßig gut ausfallen würden, hatte man bei CDU und CSU nach dem holprigen Start der Bundesregierung und dem wochenlangen Streit zwischen den beiden Parteivorsitzenden Angela Merkel und Horst Seehofer um die Ausländerpolitik erwartet.

Doch die neuesten Zahlen des "Deutschlandtrends" treffen die Partei schwer. Wären am Sonntag Bundestagswahlen, kämen die beiden Unionsschwestern auf gerade einmal noch 29 Prozent, nachdem sie bei der Wahl im September vergangenen Jahres noch 31,9 Prozent erreicht hatte. Das ist der bislang schlechteste Wert für die Union überhaupt – nie lag sie unter 30 Prozent.

Auch die Große Koalition hätte im Parlament keine Mehrheit mehr. Die SPD würde 18 Prozent erhalten und läge damit nur noch einen einzigen Punkt vor der AfD.

Thomas Strobl: "Über diese Werte braucht man sich kaum wundern"

In der Union lösten die schlechten Werte eine Debatte über die Ausrichtung der Partei aus. Der stellvertretende CDU-Chef und baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl übt in der AZ Selbstkritik und geht mit der eigenen Partei wie der CSU hart ins Gericht.

"Über diese Werte braucht man sich, ehrlich gesagt, kaum wundern. Das Bild, das die Union zuletzt abgegeben hat, war überhaupt nicht optimal", sagte Strobl der AZ. "Nichts schadet den Unionsschwestern so sehr wie öffentlicher Streit, schlechter Umgangston und gegenseitiges Schlechtreden."

Ähnlich argumentierte der neue saarländische Ministerpräsident Tobias Hans. Der Unionsstreit beim Thema Migration sei "ein großer Fehler" gewesen.

Doch so schnell wird in der Union wohl keine Ruhe einkehren. Noch am Freitag begann das Spiel der gegenseitigen Schuldzuweisungen.

CSU weist Kritik an Seehofer zurück

So machte der Vorsitzende der konservativen "WerteUnion" in der CDU, Alexander Mitsch, den "jahrelangen Linkskurs der Parteispitze" und die "Sozialdemokratisierung der Union" für die immer schlechter werdenden Umfrageergebnisse verantwortlich. "Die Koalition mit der SPD hat zu einem traurigen Höchstwert bei der Steuer- und Abgabenlast geführt." Die Union brauche daher "jetzt eine Politikwende im Geiste Helmut Kohls, Ludwig Erhards und Konrad Adenauers".

Die CSU wies den Vorwurf zurück, vor allem Horst Seehofer trage die Alleinschuld für das schlechte Abschneiden der Union. "Da wird ein Sündenbock gesucht für Fehler, die auch an anderer Stelle gemacht worden sind", hieß es in CSU-Kreisen. Dort wird an die CDU appelliert, das "Seehofer-Bashing" einzustellen.

Immerhin, ein weiteres Streitthema haben CDU und CSU nun doch noch beigelegt. Im Landtagswahlkampf wird es einen Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Markus Söder (CSU) geben.

 

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