Bayerns Ministerpräsident Seehofer im Vatikan: Ein Polit-Pilger beim Papst

Im Vatikan in Rom geht Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gern auf die Knie, wie hier vor der Statue des heiligen Apostels Petrus. Am Montag wird er von dessen Nachfolger Papst Franziskus empfangen. Foto: dpa/AFP

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sucht erst Zuspruch bei Papst Franziskus und dann das Weite: Er reist nach Paris und Prag. Zwischendurch will er eine Abrechnung bei der CSU-Klausur verhindern.

 

Rom, München - Für Horst Seehofer ist es eine Art Pilgerreise. Eine Gelegenheit zur Besinnung und zum Kraft tanken, wenn er am Montagmorgen von Papst Franziskus zu einem Vier-Augen-Gespräch im Vatikan empfangen wird. Zuspruch und Anregung vom irdischen Stellvertreter Christi kann der Chef der Christsozialen jetzt gut brauchen. Nach dem Debakel bei der Europawahl trifft sich die Parteiführung am kommenden Samstag zur Klausur in der Parteizentrale. In der CSU rumort’s.

Für Seehofer ist der Anfang vom Ende eingeläutet. Da kommt die Reise in die Ewige Stadt gerade recht. Die katholische Welt hat ihn schon immer fasziniert. Bei Problemen suchte er Zuflucht im Kloster. Dort ließ er sich die Seele streicheln, als ihn Angela Merkel 2004 nicht mehr in ihrer Nähe haben wollte und er den Fraktionsvize-Posten abgeben musste, weil er bei Merkels Kopfpauschale nicht mitmchte. Zu seinen engsten Vertrauten zählt der Benediktiner-Pater und Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke.

Eigentlich ist Seehofer ja ein Reisemuffel. Selbst im Urlaub fährt er am liebsten ins bayerische Altmühltal. Nur der Vatikan übt eine ähnliche Anziehungskraft auf ihn aus, wie das Ferienhaus im Heimatort seiner Ehefrau Karin. Seit er über Bayern regiert, sucht Seehofer sein Seelenheil gleich beim Papst. Bereits zum sechsten Mal reist der Ministerpräsident nach Rom. Allerdings bleibt Karin diesmal daheim.

Am Sonntagabend, 19 Uhr, startete er mit einem gecharterten Jet von München in die italienische Hauptstadt. Übernachtet wurde im superschicken Hilton Cavalieri auf dem Monte Mario. Von dem Fünf Sterne-Hotel hat Seehofer einen wunderbaren Blick über die Dächer Roms auf den Petersdom. Begleiten dürfen ihn Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner, Kultusminister Ludwig Spaenle, Europaministerin Beate Merk , die direkt aus ihrem Urlaubsort Malaga nach Rom einflog, und der Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer. Für sie gibt es allerdings nach der Privataudienz von Seehofer nur ein gemeinsames Foto mit Papst Franziskus und dem Ministerpräsidenten.

Während Seehofers Entourage auf touristischen Pfaden wandelt, durch Petersdom und Vatikan geführt wird und das Grab von Johannes Paul II. besucht, trifft sich der Ministerpräsident anschließend noch ganz privat mit dem emeritierten Papst Benedikt. Am späten Montagnachmittag ist die Delegation zurück in München.

Dann beginnen für Seehofer wieder die Probleme. Am Samstag wird der Politologe Karl-Rudolf Korte für die CSU die Europawahl analysieren. Dabei will der CSU-Chef nicht so genau wissen, wer der Schuldige ist. Auf 40 Prozent ist seine Partei abgestürzt. Dabei hat sie kaum Wähler an andere Parteien verloren. Der rechtskonservative Angstgegner AfD zog nur etwa 70000 Stimmen ab. Die CSU-Wähler blieben einfach daheim. Seehofers Konzept, gleichzeitig für und gegen Europa zu sein, ging nicht auf.

Eine Debatte um seine Nachfolge will Seehofer um jeden Preis verhindern. Die hat sein Vorgänger Erwin Huber gleich nach der Wahlniederlage angestoßen. „Die CSU sehnt sich nach Weitsicht und Standfestigkeit“, war er mit Seehofer hat ins Gericht gegangen. Seitdem reißt die Kritik an dem Ingolstädter nicht mehr ab. Auch die Basis muckt schon auf. Die ist brandgefährlich, wie man in der CSU noch aus der Geschichte des Niedergangs ihrer Ministerpräsidenten Max Streibl und Edmund Stoiber weiß. Der Angriff kam immer von innen.

In einem Nürnberger Hotel hat sich inzwischen eine kleine Gruppe von CSU-Mitgliedern formiert, die Seehofer auf dem Parteitag im Herbst zur Rede stellen will. Sie nennt sich „Konservativer Aufbruch“ und attackiert den CSU-Chef: „Wir wollen keine Parteiführung, die die Grundwerte der Union opfert, um sich den jeweils wechselnden medialen Stimmungslagen anzupassen.“

Im „Spiegel“ legt der CSU-Spitzenkandidat bei der Europawahl, Markus Ferber, nach. „Die CSU ist heute in Berlin ähnlich einflusslos wie 2008 unter Beckstein und Huber“, greift er Seehofer an. Die Wahrnehmung vieler Bürger sei: „Wenn genügend Druck auf den CSU-Chef aufgebaut wird, springt Seehofer schon.“ Der versucht nun mit Aktionismus die Kritik im Keim zu ersticken. Baustellen hat die CSU genug. Ein neues Grundsatzprogramm muss her. Im alten ist die CSU nämlich noch für Wehrpflicht und Atomenergie.

Auch der „Bayernkurier“ soll reformiert werden. Chefredakteur Peter Hausmann, der einst CSU-Sprecher unter Theo Waigel und Regierungssprecher unter Kanzler Helmut Kohl war, lag im Dauerstreit mit CSU-General Alexander Dobrindt. Der ist jetzt zwar als Bundesverkehrsminister in Berlin. Hausmann aber hat seinen Vertrag nicht verlängert. Er scheidet im Oktober aus.

Dann wäre da noch die Außenpolitik, in der die CSU so gut wie keine Rolle mehr spielt. Am Tag nach der Klausur will Seehofer nun gleich Sonntag und Montag in Paris verbringen und den neuen französischen Premier Manuel Valls treffen. Dann geht’s Schlag auf Schlag. Nur für einen Tag kehrt er nach München zurück. Am 2. und 3. Juli reist er gleich nach Prag, um Ministerpräsident Bohuslav Sobotka zu besuchen, der seit Januar im Amt ist. In der tschechischen Hauptstadt kann sich Seehofer wenigstens auf der Erfolgsspur fühlen. 2010 hatte er als erster bayerischer Ministerpräsident Prag besucht – und damit für das Ende einer 65-jährigen politischen Eiszeit gesorgt. Warme Worte vom Papst, in Paris und Prag – aber daheim in der CSU wird das Klima immer frostiger.

 

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