AZ-Interview Rummenigge: "Die Spieler haben Jupp fast aus der Hand gefressen"

Karl-Heinz Rummenigge über Jupp Heynckes (rechts): "Er war immer ein guter Typ. Speziell in seiner letzten Amtszeit bei uns als Trainer, ab Herbst 2017, hatte ich ein ganz enges Verhältnis zu ihm." Foto: Peter Kneffel/dpa

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, erinnert sich in der AZ an seine erste Begegnung mit Jupp Heynckes vor über 40 Jahren und erklärt unter anderem, welche Rolle der Triple-Trainer bei Hansi Flicks Beförderung gespielt hat.

 

Karl-Heinz Rummenigge (64) spielte von 1974 bis 1984 beim FC Bayern, 1980 wurde er mit Deutschland Europameister, seit 2002 ist er der Vorstandsvorsitzende des Vereins.

AZ: Herr Rummenigge, Jupp Heynckes wird an diesem Samstag 75 Jahre alt. Welche Erinnerungen haben Sie noch an den Spieler Jupp, der ja wie Sie als Stürmer gefürchtet war?
KARL-HEINZ RUMMENIGGE: Als ich im Jahre 1976 in Wales mein erstes Länderspiel gemacht habe, war Jupp dabei. Er war ein arrivierter Nationalspieler, ich ein Jungspund. Ich erinnere mich, dass er damals schon Knieprobleme hatte, die ihn später leider auch zum Karriereende gezwungen haben. Jupp war auch damals schon ein feiner Mensch, sehr angenehm. Ich war mit meinen 20 Jahren völlig nervös, als ich auf den Platz ging. Jupp kam dann kurz zu mir und sagte: Bleib ruhig, hier wird auch nur mit Wasser gekocht. Er hat mich unterstützt. Wir haben 2:0 gewonnen, für mich also ein gelungenes Debüt. Ich habe später noch ein paar Mal die Klingen mit Jupp gekreuzt, als er bei Mönchengladbach spielte. In diesem Zeitraum, so ab 1976, war Gladbach besser als der FC Bayern. Wir hatten nach den großen Erfolgen in den Jahren zuvor eine kleine Durststrecke.

Rummenigge: "Der Trainer ist der wichtigste Angestellte des FC Bayern"

Nach der aktiven Karriere wurde Heynckes ein ebenso erfolgreicher Trainer, mit dem Triple 2013 als Krönung. Wo ordnen Sie Heynckes in der Riege der Bayern-Trainer ein?
Jupp zählt zu den absoluten Top-Trainern des FC Bayern. Und das heißt etwas, denn wir hatten viele hervorragende Trainer, Namen, die einen heute noch mit der Zunge schnalzen lassen. In den Siebzigern und Achtzigern Udo Lattek, davor Dettmar Cramer, ab den 2000ern dann die Creme de la Creme mit Ottmar Hitzfeld, auch Louis van Gaal, Pep Guardiola, – und natürlich Jupp Heynckes, der mit dem Gewinn des Triples 2013 Historisches beim FC Bayern geleistet hat. Wir waren fast von der Muse geküsst, dass wir bei den Trainern so eine Kontinuität und Qualität hatten. Ich habe immer gesagt: Der Trainer ist der wichtigste Angestellte des FC Bayern. Wenn man da einen guten Mann hat und Ruhe, ist das die beste Voraussetzung, um eine erfolgreiche Saison zu spielen.

Rummenigge erinnert sich an "Fußball wie von einem anderen Stern"

War die Phase rund um das Triple 2013 eigentlich die schönste in den vergangenen zwanzig Jahren?
Zwischen 2012 und 2016 haben wir Fußball wie von einem anderen Stern gespielt. Ich war immer Anhänger des Fußballs, den der FC Barcelona gespielt hat. Und zu dieser Zeit haben wir einen ähnlichen Fußball gespielt, waren dabei aber fast noch stärker als Barcelona. Jupp und Pep haben die Mannschaft auf ein unfassbares Niveau gebracht.

Was hat Heynckes menschlich ausgezeichnet?
Er war immer ein guter Typ. Speziell in seiner letzten Amtszeit bei uns als Trainer, ab Herbst 2017, hatte ich ein ganz enges Verhältnis zu ihm. Da hat man gesehen, mit welcher Akribie, Qualität und Empathie Jupp die Mannschaft führt. Das hat mir sehr imponiert. 2012 hatten wir das Jahr, als wir dreimal Zweiter waren. Da waren wir alle fix fertig, Jupp natürlich auch. Im Urlaub hat er dann beinahe täglich bei Uli und mir angerufen, um am Transfermarkt zu basteln. Glücklicherweise hatten wir da gute Ideen und haben schließlich in der folgenden Saison das Triple gewonnen.

Das sagt Rummenigge über Heynckes' spezielle Gabe

Wie hat es Heynckes geschafft, das gesamte Team, auch die Betreuer und Mitarbeiter, hinter sich zu bringen?
Jupp hat wahnsinnig viel Zeit aufgewendet, um mit den Spielern zu sprechen. Und zwar nicht nur über Fußballthemen, sondern auch über Privates. Jupp hatte einen ganz speziellen Draht zu den Spielern, der über den Fußball hinausging. James ist dafür ein gutes Beispiel. Wir wussten, dass dieser Spieler eine sehr hohe Qualität hat, er konnte sie aber lange nicht auf den Platz bringen. Jupp hat sich seiner dann angenommen, und wir haben einen großartigen James erlebt, der zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft wurde. Jupp hatte die Gabe, eine Gemeinschaft mit den Spielern zu bilden, eine Mannschaft hinter sich zu bringen. Die Spieler haben Jupp geglaubt, ihm fast aus der Hand gefressen. Es ist ganz wichtig bei der heutigen Spielergeneration, dass sie an ihren Trainer glauben.

Rummenigge: So war Heynckes im Fall Flick involviert

Wie wichtig ist Heynckes' Rat auch heute noch bei Bayern?
Insbesondere mit Jupp habe ich regelmäßig Kontakt. Jupp war ein wichtiger Ratgeber bei der Vertragsverlängerung mit Hansi Flick. Als wir Hansi im November das Vertrauen geschenkt haben, waren zuvor viele namhafte Trainer im Gespräch, die sich zum Teil auch selbst beim FC Bayern angeboten haben. Schon damals war Jupp ein großer Fürsprecher von Hansi. Die Entscheidung, dass wir ihm damals das Vertrauen geschenkt haben und nun auch den Vertrag mit ihm verlängert haben, war die richtige. Hansi ist ähnlich wie Jupp, was die Art und Weise betrifft, wie er die Mannschaft führt. Er hat ein unglaublich enges Verhältnis zu den Spielern, er ist empathisch, die Spieler glauben an ihn. Und er fordert die Mannschaft auch taktisch. Ich würde mal sagen: Hansi ist ein bisschen wie Jupp.

Nun stößt noch Miroslav Klose zum Trainerteam dazu. Was erhoffen Sie sich von ihm?
Bei Miro gefällt mir persönlich ein Fakt ganz besonders: Er war selbst ein Weltklassestürmer, bei Weltmeisterschaften hat er sogar häufiger getroffen als der Bomber, der legendäre Gerd Müller. Doch trotz seines Namens und seiner erfolgreichen Vita hat Miro den steinigen Weg als Trainer gewählt, sammelt Erfahrung, arbeitet sich hoch. Er war zunächst zwei Jahre Trainer unserer U17, zur neuen Saison wird er nun Co-Trainer von Hansi Flick. Bei anderen Spielern hat man ja manchmal den Eindruck, dass sie nach ihrer aktiven Karriere sofort Real Madrid trainieren wollen. Aber jeder Spieler, egal wie groß er war, sollte erst seine Erfahrungen machen und sich etablieren. So wie Miro.

Lesen Sie hier: Lahm - "Jupp Heynckes fühlt sich mit seinem Leben gerade sauwohl"

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