AZ-Interview mit Dieter Müller "Der Dreierpack hat mich zum Weltstar gemacht"

Dieter Müller traf bei seinem Debüt drei Mal. Foto: dpa

Dieter Müller traf wie Gnabry dreimal bei seinem Debüt. In der AZ erinnert er sich.

 

Dieter Müller traf in zwölf Länderspielen für Deutschland neun Mal. Der Stürmer spielte unter anderem für den 1. FC Köln und Girondins Bordeaux. Heute leitet er eine Fußballschule.

AZ: Herr Müller, Serge Gnabry hat am Freitag bei seinem Nationalelf-Debüt gegen San Marino dreimal getroffen. Das war zuletzt Ihnen gelungen, in einem deutlich wichtigeren Spiel allerdings: 1976 im EM-Halbfinale gegen Jugoslawien.

DIETER MÜLLER: Ja, das stimmt, es war ein ganz anderes Spiel, ein ganz anderer Gegner. Gegen San Marino ist das sicher ein bisschen leichter. Ich weiß, dass zuvor fünf Spieler drei Tore gemacht haben bei ihrem Debüt, auch Fritz Walter gehört dazu.

Genau, neben Fritz Walter sind das Otto Dumke, Josef Pöttinger, Heinz Strehl und Sie: Wie frisch sind die Erinnerungen noch an Ihren Dreierpack damals gegen Jugoslawien?

Natürlich denke ich oft an dieses Spiel zurück, es hat meine Karriere ja unheimlich beeinflusst. Ich wurde dank meines Dreierpacks quasi von null auf hundert zum Weltstar.

Haben Sie Ihre Treffer noch im Kopf? Sie wurden erst in der 79. Minute eingewechselt, Deutschland gewann dann nach Verlängerung mit 4:2.

Ich habe die Tore bestimmt schon 40 Mal gesehen, ich habe sie sehr gut in Erinnerung (lacht). Ich weiß noch, dass der Helmut Schön (damals Bundestrainer, Anm. d. Red.) eigentlich gar nicht wollte, dass ich eingewechselt werde. Das war Jupp Derwalls Idee (Co-Trainer, d. Red.). Ich glaube, Helmut Schön hat die Entscheidung später aber nicht bereut. (lacht)

Was halten Sie denn von Serge Gnabry? Auch in der Bundesliga hat er für Werder Bremen sehr gut gespielt und schon viermal getroffen.

Er ist noch jung, da muss man natürlich abwarten. Aber Gnabry ist ein sehr guter Fußballer, der bei Arsenal eine gute Ausbildung genossen hat. Leroy Sané gefällt mir ebenfalls sehr gut. Es ist wichtig für den deutschen Fußball, dass es im Angriff frische Alternativen gibt.

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Zumal die Angreifer Mario Gomez und Thomas Müller gerade nicht ihre beste Phase erleben...

Na ja, der Thomas Müller wird schon wieder treffen. Hat er ja zuletzt in der Nationalelf, nur im Verein klappt es nicht so. Das liegt vielleicht daran, dass er ein bisschen zu viel nachdenkt, das kann sich schnell wieder ändern. Und Gomez ist auch dafür bekannt, dass er Tore schießt. Er ist sicher ein ganz anderer Typ, kopfballstark, wuchtig. Aber echte Mittelstürmer hat man immer gebraucht, man wird sie immer brauchen. Thomas Müller kann ja auch ganz vorne spielen.

Auch Miroslav Klose war ein echter Mittelstürmer. Jetzt, nach seinem Karriereende, hat ihn Joachim Löw in sein Trainerteam geholt, um die deutschen Angreifer zu schulen. Eine clevere Entscheidung des Bundestrainers?

Dieses spezifische Training wird immer wichtiger, da kann man sich immer verbessern, besonders dann, wenn so erfahrene Leute wie Miroslav Klose ihr Wissen weitergeben. Er kann die jungen Spieler beraten, ihnen erklären, wie man mit dem Druck umgeht. Das ist eine gute Entscheidung, Klose ist ein guter Junge, die erfahrenen Spieler werden genauso von ihm profitieren. Die Bundesliga-Vereine sollten generell mehr da hinkommen, auf Spezialisten wie Klose zu setzen. Man muss als Stürmer immer wieder an seiner Schusstechnik feilen, dann wird man besser. Da sollten die Vereine nicht so auf ihrem hohen Ross sitzen, sondern Spezialtrainer miteinbeziehen.

 

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